Interview mit einem Mediator „Es geht immer um ein Beziehungsgeflecht“

Von  

In der Mediation geht es um die beste Lösung, sagt der Mediator Siegfried Rapp. Entschieden werden soll nicht auf der Machtebene.

Siegfried Rapp ist Leiter des Instituts für Konfliktmanagement. Foto: StZ
Siegfried Rapp ist Leiter des Instituts für Konfliktmanagement.Foto: StZ
Stuttgart – In der Mediation geht es um die beste Lösung, sagt der Mediator Siegfried Rapp. Entschieden werden soll nicht auf der Machtebene.
Stuttgart Herr Rapp, in der Mediation gibt es den Begriff Streitwert nicht. Sie sprechen vom Gegenstandswert. Warum?
Für uns als Mediatoren ist es wichtig, den Dingen durch Worte einen neuen Rahmen zu geben. Das Wort Gegenstandswert betont, dass es nicht darum geht zu streiten. Wir schauen uns die Situation an und fragen: Wie kann es weitergehen? Das kann eine Beziehung zwischen einem Paar, aber auch ein Haus oder ein Geldkonto sein. Aber genauso schauen wir auf die Beziehung zu Kindern und Verwandten, die bei einer Familienmediation immer eine Rolle spielen. Es geht ja immer um ein Beziehungsgeflecht.

Aber niemand kann zu einer Mediation gezwungen werden.
Prinzipiell ist Mediation ein freiwilliges Verfahren. Anders als zu einem Gerichtstermin kann niemand dazu gezwungen werden. Wir haben jedoch die guten Gründe auf unserer Seite, Konflikte anders als bisher lösen zu können.

Ihr Hauptanliegen ist die Begegnung auf Augenhöhe.
Ja. Die Betroffenen – ein Paar, ein Team in einer Firma oder Nachbarn, Firmen oder Verwaltungen – sollen auf Augenhöhe und nicht auf der Machtebene entscheiden.

Welche Funktion hat der Mediator dabei?
Er ist kein Schlichter und kein Schiedsrichter. Er ist ein Vermittler mit einem großen Repertoire an Gesprächsformen. Er ist allparteilich. Ein Mediator sucht nicht den Kompromiss, sondern die beste Lösung. Und das Ganze ist ergebnisoffen.

Gibt es Konstellationen, in denen die Mediation an ihre Grenzen stößt?
Die Mediation hilft dann, wenn sich die Betroffenen nicht mehr selber helfen können. Wenn sie aus dem Aggressionskreislauf nicht mehr herauskommen. Sie endet dort, wo Gewalt und Sucht oder eine Nichtverhandlungsfähigkeit eines Beteiligten eine Rolle spielen. Denn es ist wichtig, das, was besprochen worden ist, auch umsetzen zu können. Wenn jemand im Rahmen einer Mediation eine Zusage gibt, machen wir auch einen Realitätscheck. Wir versuchen zu prüfen, ob das Vereinbarte auch außerhalb des geschützten Mediationsraums eingehalten werden kann. Wenn das der Fall ist, kann Mediation sehr erfolgreich sein. Aber wenn jemand so agiert wie vor der Mediation, sind wir an unseren Grenzen.

Gilt das auch für Organisationen und Firmen, die autoritär geführt werden?
Es ist die Frage, was man als Mediationserfolg ansieht. Mediation kann in einem hierarchisch strukturierten Umfeld Anstöße geben. Sie stärkt die Seite, die vorher schwach war. Wenn ein patriarchalischer Chef erste Schritte zum Austausch macht, kann das ein Anfang auf dem Weg zu einer Veränderung sein.

Wie sieht Ihre Erfolgsquote aus?
In den elf Jahren, die wir Mediation machen, haben wir eine Erfolgsquote von 60 Prozent und mehr.
  Artikel teilen
1 KommentarKommentar schreiben

By the way - wo ist eigentlich der Supermediator: aus dem Filderdialog abgeblieben, nachdem dabei nichts brauchbares heraus kam?

Artikel kommentieren

Melden Sie sich jetzt an!
Um Artikel kommentieren zu können, ist eine Registrierung erforderlich. Sie müssen dabei Ihren Namen sowie eine gültige E-Mail-Adresse (wird nicht veröffentlicht) angeben. Bei Abgabe Ihrer Kommentare wird Ihr Name angezeigt. Alternativ können Sie sich mit Ihrem Facebook-Account anmelden.