Interview mit Handball-Bundestrainer „Man muss der Mannschaft Zeit geben“

Joachim Klumpp, 12.01.2013 12:15 Uhr
Stuttgart – Für Martin Heuberger (48) beginnt am Samstag seine erste Handball-Weltmeisterschaft – zumindest als Chefcoach. In der Gruppe A trifft seine Mannschaft auf Brasilien (16 Uhr/ARD), ein Sieg ist Pflicht. Die deutsche Auswahl hat ein Erfolgserlebnis dringend nötig, nach zuletzt einigen Enttäuschungen.
Herr Heuberger, Ihr Spielmacher Michael Haaß hat vor der WM gesagt: „Das wird für uns ein leichtes Turnier. Man erwartet ja nicht viel von uns.“ Sehen Sie das auch so?
Ganz so sehe ich das nicht. Es ist sicher eine andere Situation als in der Vergangenheit. Die Mannschaft muss erst einmal wachsen und Erfahrung sammeln. Von der Warte aus ist es vielleicht für den einen oder anderen einfacher. Aber gerade die gestandenen Spieler wissen, dass es auf sie ankommt. Deshalb müssen sie hoch konzentriert sein und ihre Leistung bringen.

Wo sehen Sie einen Vorteil für Ihr Team?
In der Breite des Kaders. Bei der Vielzahl der Spiele in kurzer Abfolge hoffe ich, dass das auch mal den Ausschlag gibt. Wenn man wechseln kann, ohne dass ein großer Bruch ins Spiel kommt, ist das hoffentlich ein Vorteil für uns.

Sie sprechen die fünf Vorrundenspiele an. Danach fällt diesmal die Zwischenrunde weg, es geht direkt ins Achtelfinale. Wie stehen Sie zu diesem Modus?
Das ist ein spannendes Thema. Fragen Sie mich, wenn die Vorrunde vorbei ist. Dann kann ich sagen, wie es um das Selbstbewusstsein der Mannschaft bestellt und wer der Gegner ist, so dass man vielleicht etwas mehr spekulieren kann. Aber in der Phase, wo sich die Mannschaft jetzt befindet, wäre es mir lieber gewesen, wir hätten vorher noch mal drei Spiele mehr gehabt.

Als Ziel in Spanien wird bislang immer nur das Achtelfinale ausgegeben. Ist das nicht ein bisschen wenig für die größte Handballnation der Welt?
Nein. Wir befinden uns im Umbruch. Von daher muss man der Mannschaft einfach die Zeit geben, damit sie nötige Turniererfahrung sammeln kann. Und wenn dieser Schritt gemacht ist, werden wir versuchen, aus der vorhandenen Breite solche Spitzenspieler zu formen, die dann auch wieder um Medaillen mitspielen können. Aber wenn ein Drittel vom Kader neu ist bei so einem Turnier, wäre es vermessen, die Ziele zu hoch zu stecken und zusätzlichen Druck aufzubauen.