Interview mit Hells Angel „So kann es nicht weitergehen“

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Waffen, Drogen, Menschenhandel: für die Behörden sind die Hells Angels eine kriminelle Vereinigung. Lutz Schelhorn ist Präsident des Stuttgarter Charters – und spricht über Gewalt, Stolz und Fehler des Clubs.

Fotograf und Rockerpräsident: Lutz Schelhorn Foto: Heinz Heiss
Fotograf und Rockerpräsident: Lutz SchelhornFoto: Heinz Heiss
Stuttgart– Lutz Schelhorn hat sich vorbereitet. Auf dem Tisch in seinem Atelier liegt ein dicker Leitz-Ordner, gefüllt mit den Presseberichten der vergangenen Monate. Daneben die Schachtel Lucky Strike und eine Untertasse als Aschenbecher. Mit kleinen Unterbrechungen ist der 53-Jährige seit 30 Jahren Präsident des Stuttgarter Charters der Hells Angels. Der Fotograf hat einen guten Ruf. Die Hells Angels nicht. Schelhorn ist Anführer einer Dependance der Mafia auf zwei Rädern – dieser Eindruck ist entstanden durch zahlreiche Razzien und massive Vorwürfe gegen die Rocker. Waffenhandel, Drogenhandel, Menschenhandel: für die Behörden sind die Hells Angels eine kriminelle Vereinigung.
Herr Schelhorn, wann haben Sie das letzte Mal mit der Polizei zu tun gehabt?
So alle paar Wochen schauen die bei mir im Büro vorbei. Erst dieser Tage wieder. Die Hells Angels feiern voraussichtlich in Stuttgart das 40-jährige Bestehen des Clubs in Deutschland. Das hatten wir kaum beschlossen, da war die Polizei schon da.

Wundert Sie das?
Wir sind keine Engel, aber auch keine Schwerverbrecher. Zwischen Schwarz und Weiß gibt es 256 Graustufen. Seit Jahren wird mit Hochdruck gegen uns ermittelt, ohne dass es Resultate gäbe, die diesen Aufwand rechtfertigten. Wir dürfen nicht mehr in die USA reisen, Leute verlieren ihre Jobs oder Kunden, weil sie bei uns Mitglied sind. Die Vorverurteilung betrifft auch unsere Frauen, Kinder, Eltern und Freunde. Mir reicht es langsam, ich lasse mir den Club nicht kaputtmachen. Die Hells Angels stehen für Freiheit, Brüderlichkeit und Rebellion. Die Freiheit ist infolge der ganzen Kampagne dahin.

Da sollten Sie sich bei Ihren straffällig gewordenen Brüdern bedanken.
Wenn jemand Straftaten begeht, soll die Polizei ermitteln, der Staatsanwalt soll eine Anklage schreiben, der Richter ein Urteil fällen. So funktioniert ein Rechtsstaat. Bei uns ist es anders: Die Täter hat man schon – und die Straftaten wird man noch finden. Selbst bei Freisprüchen heißt es hinterher immer, dass es vermutlich aber ganz anders war. Ich finde manches auch völlig daneben, was einzelne Mitglieder machen, aber da werden aus Einzelaktionen einfach Clubsachen konstruiert.

Ziemlich viele Einzelaktionen! Von den 1000 Hells Angels ist die Hälfte vorbestraft.
Diese Zahl stelle ich infrage, und es gab nie eine Quelle des BKA dazu. Aber ich will nichts schönreden. Es gibt bei uns Leute, die sich nicht an Gesetze halten, die müssen auch mit Strafen rechnen, darüber brauchen wir überhaupt nicht zu diskutieren. Andererseits ist das mit den Rechtsverstößen auch so eine Sache. Wenn ich mit einem kleinen Messer rumlaufe, das ich mit einer Hand aufmachen kann, dann habe ich schon eine Vorstrafe wegen Waffenbesitzes.

Wir reden hier von schweren Verbrechen bis hin zum Totschlag.
Verurteilungen wegen Totschlags gab es in den letzten Jahren gerade mal zwei. Niemand behauptet, dass unsere Leute Chorknaben sind. Wir sind freiheitsliebende Typen, geradlinig und halten nicht die andere Backe hin. Wenn ich aber den Druck auf uns sehe, wenn ich weiß, was BKA, LKA und so weiter alles unternehmen – und wenn ich dann sehe, was übrig bleibt, dann passen die Bilder nicht zusammen. Im Schnitt sitzen zwischen 20 und 30 Hells Angels im Gefängnis – von etwa 1000.

Also alles eine große Verschwörung gegen eigentlich harmlose Rocker, die nur verfolgt werden, weil sie ein bisschen anders sind. Wollen Sie uns das erzählen?
Es gibt belegbare Erklärungen! Die Akte „Monitor“ aus dem Jahr 1996 etwa. Dahinter steht ein Konzept der Behörden, wie Rockergruppen systematisch kriminalisiert und bekämpft werden sollen. Ähnliches findet man in einem jetzt bekannt gewordenen Strategiepapier der Landeskriminalämter, in dem auch beschrieben ist, wie die Medien zu nutzen seien.

Die mediale Inszenierung ist das eine. Das andere ist: vielleicht, weiß die Polizei viel mehr, als sie beweisen kann, und die Hells Angels haben gute, findige Anwälte.
Sollen wir uns schlechte Anwälte nehmen?

Ihr Club trägt nichts zur Aufklärung bei. Es gibt eine Omertà, also ein mafiöses Schweigegelübde gegenüber der Polizei.
Quatsch. Ich spreche regelmäßig mit der Polizei, ich kenne die und kann einschätzen, ob die mich linken wollen oder nicht. Dass die meisten von uns nicht mit der Polizei reden, hat einen anderen Grund: Als in den 80er Jahren Gedächtnisprotokolle gerichtsfest wurden, hat uns ein Anwalt geraten, nicht mehr mit der Polizei zu sprechen, um in nichts reinzukommen.

Akzeptieren die Hells Angels das Gewaltmonopol des Staates?
Natürlich. Wir akzeptieren den Staat und seine Gesetze. Unsere Kinder gehen zur Schule, wir zahlen Steuern, es gibt Verkehrsregeln, und wir gehen wählen. Was ich aber nicht akzeptieren muss, sind Gepflogenheiten, die nicht unserer Vorstellung einer funktionierenden Gesellschaft entsprechen. Und da gehört für mich zum Beispiel dazu, dass ich mich nicht irgendwo ausheule, wenn mir einer was getan hat.

Wann haben Sie sich zuletzt geprügelt?
Ist glaub vier Jahre her oder so.

Warum?
Irgendeine Ehrengeschichte, ich weiß nicht mehr genau. Wenn man mit jemandem verbal nicht weiterkommt und der provoziert einen weiter, dann sage ich es ihm einmal, dass er es lassen soll, auch ein zweites Mal, aber kein drittes Mal. Ich laufe doch nicht weg und bin der Laue.

Oder der Schlaue.
Wenn es irgendein Irrer ist, bin ich auch schon mal der Schlaue. Aber nicht, wenn sich einer profilieren will. Ein Hells Angel läuft nicht weg – das heißt aber noch lange nicht, dass er kriminell ist.

Die immer gnadenloseren Kämpfe unter Rockern sind kein Indiz für kriminelle Energie?
Früher hat man einen geboxt, dann lag er am Boden, und gut war es. Heute werden Leute mit Tritten bearbeitet, bis sie ins Koma fallen. Aber das ist kein Problem der Rocker, sondern leider ein gesellschaftliches. Auf dem Cannstatter Wasen gibt es pro Jahr etwa 800 Straftaten – so viel hatten wir in Jahrzehnten nicht.

Gewalt spielt eine große Rolle in Ihrem Club.
Wenn ich meine 30 Fernsehkanäle durchzappe, habe ich auf 15 Kanälen Gewalt. Gewalt, die mich anwidert. Grundlose Gewalt. Durch alle Gesellschaftsschichten. Stolz spielt eine große Rolle in unserem Club. Wenn sich einer in der Ehre verletzt fühlt, reagiert der eine so, der andere so. Auge um Auge, Zahn um Zahn – das ist die Kultur der Rocker. Wir waren immer raubeiniger und gewalttätiger als ein Karnickelzuchtverein.
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Hells Angels Schweiz: Hier in der Schweiz ist es tatsächlich so, dass andere MCs bei den HA anfragen "müssen". ob sie ein Chapter in der Schweiz eröffnen dürfen. Deshalb ist es in letzter Zeit auch mal zu Auseinandersetzungen gekommen. Nachzulesen unter der Webseite der HA Schweiz. Nebenbei: Herr Schelhorn ist natürlich auch ein sympatischer Typ, der auch schon sehr lange dabei ist. Auch in der Schweiz hatten wir einen solchen Vertreter der HA: Tino Schippert, den Gründer der HA Zürich. Sicher kannte Herr Schelhorn ihn auch noch. Solche Typen hätten es geschafft, die HA beliebt zu machen, wenn nicht Schwerverbrecher wie Necati Arabaci ( oder Hanebuth) diese Organisation für ihre Zwecke ausnutzen würden... Schade.

Hexenjagd gegen Rocker: wenn ich mir die 'Vorgehensweise' ansehe die durch die Polizei zum Teil an den Tag gelegt wird, und die ebenso zum Teil jeder realistischen Grundlage entbehren, erinnert mich das ganze an Verfolgungsmaßnahmen die in Deutschland in der Vergangenheit unheilvolle Traditionen zur Parallele haben, Menschen die 'anders!' sind passen nicht in den andressierten Schahtelhorizont und müssen ausgemerzt werden. Ich würde mir wünschen das man eben Bedrohungen die im Gegensatz dazu tatsächlich vorhanden sind, wie religiöser und politischer Extremismus mit dem gleichen 'Enthusiasmus' angegangen würden, aber an die einen traut man sich nicht heran weil man Angst hat jemandem auf den 'integrativen' Schlips zu treten, und die anderen oft der eigenen politischen 'Einstellung' so nahe stehen das man sich ins eigene Fleisch schneiden würde! Ich habe auch meine Erfahrungen mit Rockern gesammelt, und bin selbst ein solcher geworden, denn ich durfte erfahren das ich mich auf meine Brüder verlassen kann, und ich bekam Hilfe in Situationen in denen ich eigentlich 'Anspruch' auf Hilfe seitens des Staates gehabt hätte, welche aber so lange verschleppt wurden das mich dies so 'Pflicht bewußte' Handeln beinahe die Existenz gekostet hätte ! Ein Medienrummel wie er um die Angels inszeniert und Gebetsmühlenartig wiederholt wird ist eben leider auch ein probates Mittel von eigenen Misständen abzulenken !

Angels: Ihr Jagd Rocker und beschattet sie hört sie ab und verbietet sie. Aber warum darf der Leibwächeter von Osama Bin Laden in Deutschland frei als salafisten Prediger auftreten da stimmt doch was nicht mehr in Deutschland

Wahre gangster: Wer die organisierte Kriminalität sucht muss mal bei unseren Parteien und im Bundestag nachsehen . Im Reichstag sitzen hunderte Verbrecher !

Hexenjagd: Je mehr unsere Politiker Mist machen, desto mehr Sünder brauchen Sie Heute die Engel Morgen die Schützenvereine Übermorgen die Kindergärten das Theater Hexenjagd hat Begonnen Alle anderen sind Böse,nur wir Politiker nicht

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