InterviewKultusministerin Susanne Eisenmann „Die Ergebnisse sind alarmierend“

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Baden-Württembergs Grundschüler sind im neuesten Bildungsvergleich abgesackt. Kultusministerin Susanne Eisenmann denkt jetzt über Förderpflichten und mehr zentrale Klassenarbeiten nach.

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Stuttgart - Baden-Württembergs Kultusministerin Susanne Eisenmann ist alarmiert wegen der Niveauverluste der Schüler im Land. Sie sieht großen Handlungsdruck angesichts der Niveauverluste im Land. „Wir brauchen dringend Lösungen“, sagt die CDU-Politikerin.

- Frau Eisenmann, wie bewerten Sie die Ergebnisse der IQB-Studie für Baden-Württemberg?
Die Ergebnisse sind definitiv nicht zufriedenstellend. Sie zeigen, dass wir auf die zentrale Herausforderung, Umgang mit Heterogenität an Grundschulen, nicht die richtigen Antworten haben. Wenn fast ein Viertel der Viertklässler unter Mindeststandard in der Rechtschreibung ist, dann ist das alarmierend. Wir brauchen dringend Lösungen. Das gilt für ganz Deutschland. Angesichts der schlechten Ergebnisse gilt es aber für Baden-Württemberg doppelt und dreifach.
Baden-Württemberg ist mit Bremen am stärksten abgesackt. Gibt es konkrete Ereignisse oder Entscheidungen, die dazu geführt haben, dass das Niveau in den vergangenen fünf Jahren so stark gesunken ist?
Baden-Württemberg ist das Flächenland mit der stärksten Zuwanderung. IQB testet nur Kinder, die schon ein Jahr in Deutschland in der Schule waren. Die ganz starke Zuwanderung, die wir erst Mitte, Ende 2015 hatten, ist noch gar nicht berücksichtigt. Der Handlungsdruck ist in Baden-Württemberg also noch stärker als die Studie zeigt. Man hat vielleicht zu viel über Heterogenität gesprochen und zu wenig konkrete Maßnahmen ergriffen. Auch die Kinder ohne Migrationshintergrund sind in ihren Leistungen gesunken. Wir brauchen gezielte Förderungen für alle. Wir dürfen auch die Mittleren und die Leistungsstarken nicht aus dem Blick verlieren. Wir müssen beim Fördern viel stärker differenzieren.
Ist gemeinsamer Unterricht in der Grundschule nicht mehr umsetzbar?
Wir brauchen mehr konzentrierten Unterricht mit klaren Ansagen, was gelernt werden soll und was geübt wird. Klassischer Unterricht ist bei heterogenen Gruppen sehr viel wichtiger. Freies Arbeiten ist bei sehr heterogenen Gruppen gerade für die Leistungsschwachen ein Riesenproblem. Geübt werden kann dann in kleineren Gruppen oder individuell. Das gilt für alle Schularten.
Sie wollen in allen Schularten verstärkt zentrale Klassenarbeiten schreiben lassen. Fehlt es an der Leistungskontrolle, oder eher an der Förderung?
Testieren ist kein Selbstzweck. Es geht darum, herauszufinden, wo das Kind steht, und wie es gezielt gefördert werden kann. Es gibt kaum noch eine gemeinsame Schnittmenge von dem was die Kinder in Klasse eins bis vier können. Wir müssen viel gezielter fördern. Es macht sicher Sinn, nach Klasse zwei Vergleichsarbeiten zu schreiben. Dann kann das Kind in der Grundschule noch zwei Jahre intensiv gefördert werden. Über weitere Vergleichsarbeiten wird man nachdenken. Wir brauchen hier ein aufbauendes System und zwar für alle Schularten.
Das Phänomen Heterogenität ist ja nicht neu. Was ist eigentlich schief gelaufen?
Wir fördern in der Breite, und holen das einzelne Kind zu wenig da ab, wo es steht.
Sie bringen eine Förderpflicht ins Gespräch. Können Sie Eltern dazu bringen, ihren Kindern vorzulesen?
Dass Vorlesen hilft, wissen wir, ich kann jedoch keine Elternpflicht zum Vorlesen einführen. Aber wird könnten verbindliche Konsequenzen bei den Eingangsuntersuchungen festlegen. Im SPD-regierten Hamburg beispielsweise müssen die Eltern die Förderung wahrnehmen, wenn etwa bei den Vierjährigen sprachlicher Förderbedarf festgestellt wird. Natürlich müssen wir die Förderangebote machen. Wenn wir dazu zusätzliche Ressourcen brauchen, werde ich sie sicher beantragen.
Am Ende steht immer die Forderung nach mehr Lehrern und mehr Ressourcen.
Die Bayern haben mehr Schüler und weniger Lehrer und sie stehen besser da. Es geht nicht darum, wie viele Lehrer ich habe, sondern darum, was der Lehrer wem wie vermittelt. Wir sollten uns mit den Inhalten befassen, statt reflexartig die immer gleichen Forderungen zu erheben.

2 Kommentare Kommentar schreiben

Resultat der Bildungsesoterik à la SPD: So ist das nun einmal, wenn Bildungsesoteriker wie Fratton ganze 5 Jahre lang den ideologischen Tenor für die SPD-geführte Bildungspolitik in Baden-Württemberg vorgeben durften. Schande! für die SPD!

Bildung: Hauptsache das mit facebook, Twitter & Co. funktioniert einwandfrei. Wozu braucht man dann noch Deutsch und Mathe ?

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