Interview zu Fernbus-Reisen „Wer früh bucht, kann für fünf Euro fahren“

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Busse werden oft von Fahrgästen genutzt, denen die Bahn zu teuer ist. Darauf setzt auch Frank Zehle von der Deutschen Touring GmbH. Er erklärt, wie die neuen Fernbus-Linien funktionieren.

Mit Fernbussen kann man auch günstig unterwegs sein. Foto: dpa
Mit Fernbussen kann man auch günstig unterwegs sein.Foto: dpa
Berlin – Busse werden oft von Fahrgästen genutzt, denen die Bahn zu teuer ist. Darauf setzt auch Frank Zehle von der Deutschen Touring GmbH. Der Schienenkonzern muss sich auf preiswerte Konkurrenz einstellen.

Ab 1. Januar dürfen Fernbusse in Deutschland überall fahren. Wird es nun eine Flut billiger Busangebote geben?
Ganz so schnell wird es nicht gehen. Jedes Busunternehmen braucht weiterhin eine Lizenz und muss sich neue Strecken bei den Regierungspräsidien genehmigen lassen. Das wird nun wohl meist problemlos sein, dauert aber erfahrungsgemäß einige Monate. Und Anträge sind erst möglich, wenn das neue Gesetz veröffentlicht ist. So richtig wird der Wettbewerb daher erst im Frühjahr starten.

Also ändert sich erst mal wenig?
Es wird schon im Januar bei uns attraktive Angebote geben. Denn ab 1. Januar ist auf bestehenden Linienverkehren ins Ausland, die ja bisher schon erlaubt sind, die Kabotage möglich. Wir können also zum Beispiel auf der Fahrt von Stuttgart nach Polen auch Verbindungen nach Mannheim, Frankfurt und Erfurt anbieten und dort Fahrgäste ein- und aussteigen lassen. Oder auf der Strecke Frankfurt– Stuttgart–Mailand dürfen wir nun auch innerdeutsche Passagen anbieten. Das war bisher nicht erlaubt und wird sicher ein schönes Zusatzgeschäft für uns.

Wie umfangreich wird dieses Geschäft sein?
Wir wollen im Januar bis zu 40 solcher Zusatzangebote in unserem bestehenden Streckennetz anbieten. Mehr kann ich noch nicht verraten. Es wird aber sicher attraktive Preise auf dem Markt geben. Wer früh bucht, kann auf kürzeren Strecken zwischen 50 und 200 Kilometern schon für 5 Euro mitfahren. Die Preise werden je nach Auslastung und Fahrzeit gestaffelt sein, ebenso wie bei unseren bestehenden Angeboten und so, wie es die Kunden von der Bahn und dem Flieger kennen.

Bleibt das Ziel der Deutschen Touring ein flächendeckendes Netz von Fernbusverbindungen zwischen deutschen Großstädten?
Wir fahren bereits die innerdeutsche Nord-Süd-Strecke zwischen Hamburg-Flughafen, Hannover, Göttingen, Kassel, Frankfurt, Darmstadt, Heidelberg und Mannheim mit Erfolg. Dieses Angebot wollen wir mit unseren Kooperationspartnern ausbauen. Aber mehr kann ich auch hier noch nicht verraten.

Die Deutsche Bahn dominiert bis jetzt mit ihren Ablegern wie BEX den innerdeutschen Fernbus-Linienverkehr von und nach Berlin, der bisher schon als Ausnahme zulässig war. Ein Problem?
Wenn die DB als Staatsunternehmen ihre führende Stellung im europäischen Busmarkt auch noch ausbauen würde, wäre das gewiss kein fairer Wettbewerb. Ob das geschieht, ist schwer zu sagen. Es gibt Gerüchte, dass die DB Interesse am Kauf weiterer Busunternehmen haben soll. Die Frage wird sein, ob die Politik das duldet.
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@ Gil-Dominique Matthey, 09:28 Uhr: Fernbusse sind die Zukunft, es ist alles an Bord was man braucht. Wenn die Klimaanlage ausfällt macht man einfach die Fenster auf. Zur Not kann der Bus auch anhalten und es gibt kein Chaos in ganz Europa. Wir Stuttgarter freuen uns auf gut funktionierende Fernbusse.

Schade dass der Fernbusbahnhof wegen S 21: jetzt Jottwedeh ist. Auch ein 'schöner' Zug der Bahn!

Nie wieder Nachtzug !: In der Nacht von 31. Oktober auf 1. November 2012 bin ich mit dem Nachtzug von Köln nach Posen gefahren. Manche Schlafwagen-Kabinen waren doppelt belegt, so dass Familien auf Sitzplätzen übernachten mussten. Eine Frau mit kleinem Kind bekam nur einen Sitzplatz, obwohl sie zwei Plätze gebucht hatte. Viel schlimmer fand ich aber, dass es praktisch keine Nachtruhe gab. Im Großraumwagen mit Ruhesessel wurden alle Fahrgäste um halb zwei in der Nacht vom Zugbegleiter geweckt, weil er hatte erst jetzt Zeit die Fahrkarten zu kontrollieren. Das Licht im Großraumwagen wurde erst um 2 Uhr in der Nacht gedimmt. Künftig werde ich auch mit dem Fernbus reisen, aber sicherlich nicht mit DB-Touring. Das polnische Unternehmen Sindbad-Reisen ist eine preisgünstige und komfortable Alternative.

Fernbus-Reisen: Gut so, dann kann die Bahn mit ihren Zügen bald einpacken. Diese Busse brauchen auch keine Milliarden teure Bahnhöfe. Von Paris nach Bratislava würde ich immer einen Fernbus bevorzugen.

Noch ein Grund mehr,: das Milliardengrab S21 endlich und bevor tatsächlich gebaut werden darf bzw.sollte,im Wissen um künftigen,preiswerteren Fernbusverkehr auf den Prüfstand zu stellen.Will heißen:Abschied vom 'Neuen Herz Europas' für den Fernverkehr.Die Milliarden dafür in den ÖPNV und Regionalverkehr,sowie den zügigen Ausbau der Rheintalschiene,der Elektrifizierung der Südbahn und der NBS stecken.Kretschmann/Herrmann übernehmen Sie.Stoppen Sie den Kanibalen S21.

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