Interview zu Fernbus-Reisen „Wer früh bucht, kann für fünf Euro fahren“

Thomas Wüpper., 05.11.2012 07:43 Uhr
Berlin – Busse werden oft von Fahrgästen genutzt, denen die Bahn zu teuer ist. Darauf setzt auch Frank Zehle von der Deutschen Touring GmbH. Der Schienenkonzern muss sich auf preiswerte Konkurrenz einstellen.

Ab 1. Januar dürfen Fernbusse in Deutschland überall fahren. Wird es nun eine Flut billiger Busangebote geben?
Ganz so schnell wird es nicht gehen. Jedes Busunternehmen braucht weiterhin eine Lizenz und muss sich neue Strecken bei den Regierungspräsidien genehmigen lassen. Das wird nun wohl meist problemlos sein, dauert aber erfahrungsgemäß einige Monate. Und Anträge sind erst möglich, wenn das neue Gesetz veröffentlicht ist. So richtig wird der Wettbewerb daher erst im Frühjahr starten.

Also ändert sich erst mal wenig?
Es wird schon im Januar bei uns attraktive Angebote geben. Denn ab 1. Januar ist auf bestehenden Linienverkehren ins Ausland, die ja bisher schon erlaubt sind, die Kabotage möglich. Wir können also zum Beispiel auf der Fahrt von Stuttgart nach Polen auch Verbindungen nach Mannheim, Frankfurt und Erfurt anbieten und dort Fahrgäste ein- und aussteigen lassen. Oder auf der Strecke Frankfurt– Stuttgart–Mailand dürfen wir nun auch innerdeutsche Passagen anbieten. Das war bisher nicht erlaubt und wird sicher ein schönes Zusatzgeschäft für uns.

Wie umfangreich wird dieses Geschäft sein?
Wir wollen im Januar bis zu 40 solcher Zusatzangebote in unserem bestehenden Streckennetz anbieten. Mehr kann ich noch nicht verraten. Es wird aber sicher attraktive Preise auf dem Markt geben. Wer früh bucht, kann auf kürzeren Strecken zwischen 50 und 200 Kilometern schon für 5 Euro mitfahren. Die Preise werden je nach Auslastung und Fahrzeit gestaffelt sein, ebenso wie bei unseren bestehenden Angeboten und so, wie es die Kunden von der Bahn und dem Flieger kennen.

Bleibt das Ziel der Deutschen Touring ein flächendeckendes Netz von Fernbusverbindungen zwischen deutschen Großstädten?
Wir fahren bereits die innerdeutsche Nord-Süd-Strecke zwischen Hamburg-Flughafen, Hannover, Göttingen, Kassel, Frankfurt, Darmstadt, Heidelberg und Mannheim mit Erfolg. Dieses Angebot wollen wir mit unseren Kooperationspartnern ausbauen. Aber mehr kann ich auch hier noch nicht verraten.

Die Deutsche Bahn dominiert bis jetzt mit ihren Ablegern wie BEX den innerdeutschen Fernbus-Linienverkehr von und nach Berlin, der bisher schon als Ausnahme zulässig war. Ein Problem?
Wenn die DB als Staatsunternehmen ihre führende Stellung im europäischen Busmarkt auch noch ausbauen würde, wäre das gewiss kein fairer Wettbewerb. Ob das geschieht, ist schwer zu sagen. Es gibt Gerüchte, dass die DB Interesse am Kauf weiterer Busunternehmen haben soll. Die Frage wird sein, ob die Politik das duldet.