Kampagne in Biberach Biberachs neue „Aufpasser“

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Eine Facebook-Gruppe plant nächtliche Patrouillen zum Schutz von Frauen. Anlass sind die Vorfälle der Silvesternacht von Köln. Die Polizei ist hellhörig.

„Agieren statt reagieren“ wollen die Mitglieder der Gruppe „Biberach passt auf“. Wie das aussehen könnte, zeigt zum Beispiel dieser Eintrag .Entsetzt:  der SPD-Landtagskandidat Stefan Gretzinger. Foto: Screenshot
„Agieren statt reagieren“ wollen die Mitglieder der Gruppe „Biberach passt auf“. Wie das aussehen könnte, zeigt zum Beispiel dieser Eintrag .Entsetzt: der SPD-Landtagskandidat Stefan Gretzinger.Foto: Screenshot

Biberach - Wenige Tage nach den Vorfällen während der Silvesternacht in Köln hat sich im nahen Düsseldorf per Facebook eine Bürgerwehr namens „Düsseldorf passt auf“ organisiert, um vor allem nachts auf eigenen Faust gegen „Sex-Mobs“ vorzugehen. Ausgerechnet im oberschwäbischen Biberach, laut Polizei bisher einem Ort des überwiegend friedlichen Zusammenlebens zwischen Einheimischen und Flüchtlingen, hat sich jetzt eine Nachahmergruppe gefunden. Sie heißt „Biberach passt auf“ und verfügt, Stand Dienstag, über knapp 900 Facebook-Anhänger. „Agieren statt reagieren“ will der Organisator, ein Versicherungsmakler aus einer Nachbargemeinde. An „Wochenenden“ und „diversen Veranstaltungstagen“, so der Netzaufruf, solle „Präsenz“ gezeigt werden, um „unsere Familien zu beschützen“. Das alles sei streng unpolitisch, wird versichert.

Die Zusammenballung angeblich nur besorgter Bürger hat in der Mittelstadt bis in die Lokalpolitik hinein erhebliche Irritationen ausgelöst. Der 22-jährige SPD-Landtagskandidat Stefan Gretzinger zum Beispiel sieht bei der Gruppe nicht Besorgnis, sondern Hass und „Verachtung für das Grundgesetz“. Auf seiner eigenen Facebook-Seite schrieb der Jungpolitiker in einer Replik: „Ihr stellt Flüchtlinge – beziehungsweise jeden, von dem ihr vermutet, dass er Flüchtling ist – pauschal unter Generalverdacht, Vergewaltiger zu sein.“ Er sei „entsetzt“ gewesen, als ihm Einträge aus dem geschlossenen Forum der Gruppe zugespielt worden seien, sagte Gretzinger am Dienstag. Ein Bild, das Frauen mit der Pistole im Anschlag zeigt, sei da noch verhältnismäßig harmlos, meint der SPD-Mann. Auf privaten Seiten seien einzelne Unterstützer der Facebook-Gruppe vollends deutlich geworden. Dort sei von „Asys“ die Rede oder es würde gefordert: „Ofen an“. Gretzingers Fazit: Die Vorgänge von Köln könnten nicht entschuldigt werden, doch für die Biberacher Facebook-Agitatoren sei der Schutz von Frauenrechten jetzt nur der Vorwand, um mit „blankem, menschenfeindlichen Hass“ loszuziehen.

Die Polizei prüft die Einträge im Forum

Der Aufruf zur Gründung einer Bürgerwehr ist, wie das an vielen deutschen Orten Mode wurde, zugleich ein Misstrauensvotum gegen die Polizei, hier im Speziellen das für Biberach zuständige Polizeipräsidium Ulm . Ein Sprecher stellte am Dienstag klar: „Die Polizei ist für Sicherheit und Ordnung zuständig.“ Fachleute der Polizeibehörde seien derzeit mit der Auswertung der Einträge aus der geschlossenen Facebook-Gruppe beschäftigt. „Wir haben die Inhalte gelesen“, sagt der Sprecher. Ob Verfahren eingeleitet werden, zum Beispiel wegen des Straftatbestandes der Verhetzung, stehe noch nicht fest, heißt es aus Ulm. Strafanzeigen lägen bisher nicht vor.

Zugleich hat die Polizei ihre Streifenbeamten aufgefordert, gezielt nach Zivilpatrouillen im Biberacher Stadtgebiet Ausschau zu halten. Bisher gebe es die selbst ernannten Aufpasser offenbar nur im Internet, so der Polizeisprecher. Vor allem bei den angelaufenen Fasnetsveranstaltungen in der Region sei bisher alles ruhig geblieben. Personen, die sich als „selbst ernannte Ordnungshüter aufspielen“, so die Ulmer Polizei, würden nicht geduldet. „Da gäbe es von uns selbstverständlich eine Ansage.“

Aus der Kriminalstatistik spricht Frieden

Laut der örtlichen Kriminalstatistik sind in Biberach bisher Flüchtlinge in keinem auffälligen Maß straffällig geworden. Mit Vorfällen wie in Köln oder Stuttgart an Silvester sei das Kriminalitätsgeschehen vor Ort schon gar nicht vergleichbar, so die Auskunft der Polizei. Selbst nach dem Anschwellen der Flüchtlingszahlen im Landkreis während des Jahres 2015 sei keine „Häufung“ von Straftaten gegenüber Vorjahren festzustellen gewesen.

Um so überraschter hat sich auch der parteilose Biberacher Oberbürgermeister Norbert Zeidler geäußert – ebenfalls über Facebook. Die Debatte, die von den Aufpassern angezettelt wurde, hält Zeidler für völlig „anlassbefreit“. Über die „Biberacher Bürgerwehr“ schreibt er: „In unserer Stadt WIRD AUFGEPASST – und zwar so gut wie möglich von Polizei, Verwaltung und (bereits heute) aufmerksamen Bürgern!“

Der Oberbürgermeister wird deutlich

Wenn schon mehr Bürgerengagement zur Hebung des Sicherheitsgefühls, sagt Zeidler, dann womöglich mit einem Biberacher Modell der „Nachtwanderer“ wie in Konstanz. Dort sind, unter Federführung der Arbeiterwohlfahrt, nachts bei Veranstaltungen Helfer in Westen unterwegs, die Jugendlichen als Ansprechpartner zur Verfügung stehen. „Rambos“ und „Möchtegern-Sheriffs“ seien dort nicht willkommen, so Zeidler. „Also, liebe Leute“, schreibt der OB, „lasst den Quatsch von ,wehrfähiger’ Bürgerwehr, von ,Lügenpresse’ und von ,was hier in BC abläuft, geht gar nicht’!“

54 Kommentare Kommentar schreiben

Biberach passt auf: Mein Ansinnen war und ist es, in einer Gruppe gleicher Meinung mein Unverständnis gegenüber den Verantwortlichen für diese Vorfälle in der Silvesternacht zum Ausdruck zu bringen. Auch gegenüber der Oberbürgermeisterin der Stadt Köln, deren Stellungnahme ja wohl völlig daneben ist. U.A. deren Aussage "....eine Armlänge Abstand halten..." ist für mich eine Verhöhnung aller Opfer und hat erst Recht die Wut hochkochen lassen. Wieso kann so etwas geschehen wie es in der letzten Silvsternacht geschah. Da reicht es nicht einen Polizeioberen in den Vorruhestand zu beordern und schon gar nicht befremdliche Anweisungen zu geben. Es ist eine Bankrotterklärung eines Staates, wenn Frauen, die nun mal nicht unbedingt über die Physis verfügen, mehrere Männer auf Abstand zuhalten, von Staats wegen allein im Regen stehen gelassen werden. Gewalt gegen Frauen ist alltäglich, aber in der Dimension eine Apokalypse. Und auch bin ich der Auffassung, das Recht zu haben, mich als Bürgerin frei äußern zu dürfen, ohne direkt einer Verfemung anheim zu fallen. Sagt irgend jemand zu diesen Vorkommnissen seine Meinung wird gegen ihn gehetzt und er der Hetze bezichtigt. Also sind auch die Kritiker z. B. meiner Kritik nicht kritikfähig. Leider hat die deutsche Gesellschaft den vernünftigen Dialog mangels guter Vorbilder in Politik und Presse verlernt. Kritik an dem Mainstream ist unerwünscht. Fakt ist und bleibt ein Fehlen der Einräumung grober Fehler seitens der Politik und die Blindäugigkeit der Presse gegenüber dieser Fehler unserer Saatsdiener auf allen Ebenen. Ich als Frau und mündige Bürgerin will jedenfalls nicht zum Freiwild werden durch das Versagen der Staatsorgane. Und wenn die es nicht richten können, dann richten die Bürger es selbst. Das ist eine natürliche Reaktion, heißt aber noch lange nicht, dass hier irgendwelche Schlägertruppen wahllos Jagd auf unbescholtene und ausländisch aussehende Mitbürger oder Flüchtlinge machen wollen. Es ist an der Zeit, dass die Politik die Bürger/Innen endlich ernst nimmt und nicht über deren Köpfe Entscheidungen trifft, derer Verantwortung sie sich letztendlich entziehen...

Doch, genau das heißt es, werte Mitkommentatorin: Genau solche "Schlägertrupps" würden dann irgendwann anfangen, Jagd auf ausländisch aussehende Mitbürger zu machen. Genau das heißt es. Das sehen Sie absolut richtig. Und deswegen gibt es nicht den geringsten Grund, über solch einen Blödsinn auch nur nachzudenken. das Gewaltmonopol liegt beim Staate Deutschland. So etwas sollen die Russen oder die Texaner bei sich zu Hause machen aber nicht hier in diesem Land.

Biberach passt auf: Sie lieben es wohl über alles, in Extremen zu denken. Für sie ist etwas entweder gut oder schlecht, wertvoll oder wertlos, schwarz oder weiß. Kennen sie Mittelmaß und Durchschnitt nicht? Für sie besteht die Welt nur aus Extremen ohne jegliche Grautöne oder Farben. Sie wollen weismachen, dass es nur einen richtigen Weg gibt, eine Sache anzupacken und zu bewältigen. Wählt jemand einen anderen Weg, dann kann dieser nur falsch sein. Und noch zum Schluß etwas, was Fakt ist, nämlich die Tatsache, dass diese Land grundsätzlich zur Aufnahme von Verfolgten bei erfolgter Feststellung der Identität bereit ist, nicht aber unter Mißachtung einiger bestehender Gesetzte diesen Landes und der Europäischen Union. Die , die zu Unrecht um Asyl bitten und sich in unserem Land nicht zu benehmen wissen, haben ihr Aufenthaltsrecht verwirkt und gehören ausgewiesen oder sie sollten mindestens die ganze Härte unseres Strafgesetzes zu spüren bekommen. Denn am Ende bezahlen auch die wirklichen Flüchtlinge und die restlichen Bedürftigen die Zeche, die hier herzlich willkommen sind! Und jeder hier sollte (s)einenTeil zu Integration beitragen, denn damit ist uns allen geholfen! So passt Biberach (Deutschland) wirklich auf!

Ich hab jetzt viele Kommentare gelesen...: denke, einigen hier würde es gut tun, statt sich stundenlang damit zu beschäftigen, eine digital angelesene "eigene Meinung" hier hinein zu posten wie zu interpretieren, erst mal wieder komplett analog über Jahre unter die Menschen zu gehen und sich eben nicht von der Digitalisierung unserer Welt immer mehr in die Matrix der tatsächlichen wie organisierten Ahnungslosigkeit hineinziehen zu lassen. Und noch mal. Die Flüchtlinge sind aus meiner Sicht nicht unser Problem. Unser Problem ist inzwischen die Allianz zw. Politik und Finanzwelt und deren Interessen. Und zwar global wie vor Ort z.B. in Biberach. Erster Schritt zur Lösung der Probleme wäre, zu erkennen, das wir gesellschaftspolitisch sowohl national wie international zu handeln haben. Die Flüchtlingsströme nach Europa zu lotsen ist unredlich bis verwerflich und ein bewusst in Kauf genommener desaströser Politikentwurf der westlichen Welt, die seit Jahren Flüchtlingsströme sehen konnten, so Sie denn wollten. Den flüchtenden Menschen muss vor Ort ihre Souveränität zurückgegeben werden. Wenn dies aber durch monetäre Gewinnnteressen der reg. Administratoren wie Industrien in USA, Frankreich, Großbritannien,Russland und Deutschland verhindert wird, sind sozusagen, Biberachs neue "Aufpasser" eben sauschlecht informiert, wo Sie tatsächlich aufpassen sollten. Es muss ein Ende haben mit der schlussendlich militärisch untermauerten Umverteilung von Unten nach Oben. International.

Polizei, Bürgerwehr und Bürger: Das Problem ist nicht die Bürgerwehr an sich. So etwas darf es nicht geben. Es ist die Überheblichkeit der Polizei und insbesondere auch derer Gewerkschaft. Kritik an der Polizei ist in unserem Land nicht geduldet, wird zurückgewiesen und lächerlich gemacht. Die Organisation wird als fehlerlos dargestellt und es gibt keinen Grund etwas zu ändern. Bestes Beispiel ist der Polizeieinsatz im Schlossgarten vor mehr als fünf Jahren. Das Vetrauen in die Polizei ist bei vielen Leuten sehr gering. Ich habe mir noch nichts zu schulden kommen lassen, habe aber leider schon ehr oft negative Erfahrung mit der Polizeit gemacht. um Glück oft nur aus der Beobachterrolle heraus. Die Einsatzkräfte sind nahezu unantastbar (und im Fall der Hundertschaften auch nicht identifizierbar). Dazu kommen strukturelle Probleme, wo zwei, drei Polizisten mehrere Dörfer mit zigtausenden Einwohnern schützen sollen. Das kann nicht funktionieren. Die Bürgerwehr ist zum scheitern verurteilt, da diese gerne von Leuten aus dem rechten Rand inszeniert oder ausgentzt wird und insbesondere die Presse und offizielle Vertreter der Regierungen nicht in der Lage sind, Skepsis von Hass zu unterscheiden.

Grüne Wendung: Jetzt müssen Asylproblematik und Polizei auch noch herhalten, um bei ein paar S 21-Frustrierten als Sündenbock zu dienen. Und wieder hat Kretschmann die Kursrichtung geändert und die Seinen getäuscht: Von der Registrierung und Nummerierierung der Polizisten hört man seit 2 Wochen nichts mehr von ihm. Das ist allein der Landtagswahl geschuldet.

Ach nochwas: Wenn das Problem mit den Überfällen erledigt ist nimmt die Bürgerwehr das dann selbst in die Hand! Die wollen ja weiter Streife laufen!

Bürgerwehr?: Ich nenne das ganze Aufruf zur Selbstjustiz !!!!! Fehlt nur noch teeren und federn und anschließend der Ruf hängt ihn oder sie auf! Aber das ist ja ganz im Sinne der oder des aufrufenden, denn diese haben dann bestimmt Schlagringe, Totschläger, Baseballschläger und ander Schlagwerkeuge dabei. Ehrlich, ich habe denke, das sind die gleichen die weiland Geschäfte von Juden gestürmt haben und andere wie Sinti und Roma verfolgt haben! Aber der Staat ist mitschuld, hat er doch bedingt durch Personalabbau bei der Polizei manche Sicherungstätigkeit an private Firmen delegiert (Lobby läässt grüßen) und die halten auch nicht viel von Recht und Gesetz!

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