Um den Verschwörungserzählungen entgegen zu wirken, setzt sich Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach für eine Aufarbeitung der Corona-Politik ein. Der Bundestag müsse sich damit befassen.

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hält mit Blick auf die Debatte über die Maßnahmen zur Corona-Pandemie eine nachträgliche Parlamentsbefassung für geboten. Aufarbeitung und Transparenz seien notwendig, „damit sich nicht noch mehr Verschwörungstheorien um die damalige Zeit herum aufbauen“, sagte Lauterbach am Donnerstag im Deutschlandfunk. Caritas-Präsidentin Eva Maria Welskop-Deffaa zeigte sich indes besorgt, dass es bei der Aufarbeitung von Fehlern zu nachträglichen Schuldzuweisungen kommen könnte.

 

„Es darf nicht der Eindruck entstehen, dass etwas verborgen bleibt“, sagte Lauterbach, der bis Ende 2021 als Gesundheitspolitiker in der SPD-Bundestagsfraktion tätig war, bevor er zum Minister im Kabinett von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) berufen wurde. „Wir haben damals besten Wissens gehandelt“, betont er. Aber es sei nicht alles richtig gewesen. Als Regierungsmitglied wolle er aber dem Bundestag keine Vorschläge machen, wie das Parlament vorgehen solle.

Lauterbach räumt Fehler ein

Der Mediziner Lauterbach räumte erneut ein, dass Maßnahmen wie Schulschließungen und Kontaktbeschränkungen für Kinder zu weit gegangen seien, wenngleich sie sie dem damaligen Stand der Wissenschaft entsprochen hätten. „Ich glaube, dass das der zentrale Fehler vielleicht gewesen ist“, sagte der SPD-Politiker.

Caritas-Präsidentin Welskop-Deffaa warnte vor einer Aufarbeitung, die rückwirkend Schuldzuweisungen und Verdächtigungen in den Mittelpunkt stelle. „Dieser Wettstreit ist toxisch“, sagte sie den Zeitungen der Essener Funke Mediengruppe (Online Donnerstag). Dadurch würden Menschen bei der nächsten Krise weniger bereit sein, „unter riskanten Bedingungen zupackend Entscheidungen zu treffen“, mahnte sie.

Wer sind die Helden der Corona-Krise?

Die Chefin des katholischen Wohlfahrtsverbandes forderte stattdessen, „einen Wettstreit bei der Suche nach den Namen der ungezählten Heldinnen und Helden der Corona-Krise“. In den Altenhilfeeinrichtungen, in Krankenhäusern, in Sozialberatungsstellen, aber auch in den Verwaltungen der Sozial- und Gesundheitsbehörden hätten Menschen in der Pandemie selbstlos Verantwortung übernommen.

„Wenn wir aus Corona lernen wollen, darf sich der Blick nicht auf mögliche Fehler verengen, sondern es gilt darauf zu schauen, dass und warum Menschen bereit waren, Verantwortung zu tragen und solidarisch zu sein“, sagte Welskop-Deffaa.

Vor vier Jahren hatte sich das Coronavirus binnen weniger Wochen weltweit ausgebreitet. In Deutschland entschied sich die Politik damals unter anderem für Schulschließungen und umfassende Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen. Die FDP verlangt sei längerem die Einsetzung einer Enquete-Kommission des Bundestages, um das Management in der Pandemie aufzuarbeiten.