Kernkraft Pannen beunruhigen Experten
Andreas Müller, 17.03.2011 14:10 Uhr
 Foto: dpa
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Stuttgart - Die nicht gemeldeten Pannen im Kernkraftwerk Philippsburg werden von Experten weitaus gravierender eingeschätzt als von der für die Atomaufsicht zuständigen Umweltministerin Tanja Gönner (CDU). Der frühere Chef der Atomaufsicht im Bundesumweltministerium, Wolfgang Renneberg, zeigte sich verwundert über Gönners Aussage, die Vorfälle seien "nicht sicherheitsrelevant".

Im ZDF-Magazin "Frontal 21" sagte Renneberg: "Selbstverständlich ist ein solcher Vorgang sicherheitsrelevant. Sicherheitsrelevant sind alle Fragen, die die Zuverlässigkeit des Personals betreffen, denn wenn das Personal nicht zuverlässig handelt, dann kann eine solche Anlage auch nicht richtig und sicher betrieben werden." Deswegen verstehe er Gönners Behauptung "überhaupt nicht", fügte Renneberg hinzu.

Auch der Greenpeace-Atomexperte Heinz Smital sprach gegenüber "Frontal 21" von einem "sehr sicherheitsrelevanten Vorfall". Zum Verlust von 280000 Liter Reaktorwasser aus dem Brennelementebecken sagte er: "Wenn noch mehr Wasser ausgelaufen wäre, wären die Brennelemente vielleicht frei gelegen. Das ist ein sehr gefährlicher Zustand, das ist sicherlich meldepflichtig." Nach der internationalen Skala könnte es sich sogar um ein Ereignis der Kategorien Ines 1 oder Ines 2 handeln. Dies deckt sich mit der Einschätzung anderer unabhängiger Atomexperten gegenüber der StZ. "Meiner Meinung nach hat das Ministerium hier den Vorfall vertuscht", sagte Smital.

Ministerium wartet Ermittlungen ab

Tanja Gönners Atomaufsicht hatte in allen drei Fällen eine Meldepflicht verneint. Nach den Hinweisen eines Insiders, der mehrere Grünen-Politiker alarmiert hatte, prüfen Bund und Land inzwischen die Vorfälle. Zumindest ein Ereignis sei möglicherweise doch meldepflichtig gewesen, wird bereits eingeräumt. Das Bundesumweltministerium von Norbert Röttgen (CDU) hatte bei Gönners Ressort umgehend einen Bericht angefordert. Erst nach Abschluss der "Ermittlungen" durch das Land werde man selbst eine Bewertung vornehmen, sagte ein Sprecher des Ministeriums.

Zugleich wies er den Verdacht zurück, die Aufklärung werde wegen der Landtagswahl in Baden-Württemberg verzögert: "Der Eindruck wäre unbegründet, da die Aufklärung ohne Zögern erfolgt." Allerdings gebe es dafür keine Zeitvorgaben, weil die Untersuchung gründlich erfolgen müsse, "um alle notwendigen Lernprozesse einleiten zu können". Eine Sprecher Gönners sagte laut dpa, die Aufarbeitung werde wenige Wochen dauern.

Auf der Internetseite der EnBW sind inzwischen die meldepflichtigen Ereignisse in den Atomkraftwerken aus dem Jahr 2010 abrufbar. In der Übersicht über alle Vorfälle seit 2002 hatte das zurückliegende Jahr bis vor kurzem komplett gefehlt. Auf die Anfrage nach den Gründen erhielt die Stuttgarter Zeitung von der EnBW keine Auskunft. Auf der Homepage des Landesumweltministeriums waren die gemeldeten Vorfälle dagegen auch für das vergangene Jahr aufgeführt.

Kommentare (26)
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MRZ
19
fritzi, 00:18 Uhr

nicht Sicherheitsrelevant

Liebe Mitbürger in Baden-Württemberg ,ich verstehe nicht wie sich eine Person das heraus nehmen kann ,die von Atomenergie soviel Ahnung hat wie eine Kuh vom fliegen,gefährliche Vorkommnisse in einem Atomkraftwerk als nicht sicherheitsrelevant abzuwiegeln. Das ist ein Ding der Unmöglichkeit und für unser Land nicht mehr tragbar. mit freundlichem Gruß ein Baden - Württemberger

MRZ
18
sunshine-bee, 08:43 Uhr

Huiuiuiui ....

soviele Experten, so vie know-how, soviele Menschen die auf einmal eine Ahnung von Kernenergie haben .... toll ganz toll! WO wart ihr BESSERWISSER denn als es um die neue Auslegung der Kernkraftwerke ging??? Warum kommen jetzt ehemalige Staatsbeamte die genau diese Kernkraftwerke betreut haben (Als AUFSICHT) und sind auf einmal der Meinung alles ist unsicher? Mann regt mich das auf! Nun zu Frau Gönner, auch da bin ich der Meinung es gibt ein regelwerk, wann "Störfälle" zu melden sind, die kann auch jeder mündige Bürger nachlesen und auch sie hat Kontrollorgane, welche die Kernkraftwerke überprüfen, was soll sie denn noch tun - reingehen und alles selber prüfen - also bitte!!!! Möge der liebe Gott allen diesen Panikmachern ein wenig Hirn geben und diese dazu bringen mal emotionslos die Fakten zu diskutieren ... egal welche einstellung man zur Kernenergie hat!

MRZ
18
Bernd martin, 04:04 Uhr

Störfall-CDU

Der ENBW-Milliardär Mappus und die CDU-Störfall-Ministerin Gönner haben eine rekordverdächtige Vertuschungs- und Fehl-Leistungsbilanz. Am 27. März - nach der ersten Hochrechnung: Landesweite Paty - im Stuttgarter Schloßgarten, in der Bahnhofsalle, in Neckarwestheim und an südbadischen Baggerseen. Sowie an vielen anderen Stellen an denen Mappus und Co. Spuren hinterlasssen haben.

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