Kindesmisshandlung: Der Fall Yagmur Beihilfe zum Hass

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Drei Jahre – älter ist Yagmur nicht geworden. Ihre Mutter Melek soll sie zu Tode misshandelt haben. Dabei wurde die Familie seit Geburt des Kindes von den Hamburger Jugendämtern betreut.

Rosen, Kerzen und Kuscheltiere liegen zum Gedenken an die  dreijährige Yagmur vor einem Hauseingang im Stadtteil Billstedt in Hamburg. Foto: dpa
Rosen, Kerzen und Kuscheltiere liegen zum Gedenken an die dreijährige Yagmur vor einem Hauseingang im Stadtteil Billstedt in Hamburg.Foto: dpa

Hamburg - Yagmur hat Glück. Zumindest die ersten zweieinviertel Jahre ihres Lebens. Sieben Tage ist das Baby mit den leuchtend blauen Augen auf der Welt, als Ines M. es im Oktober 2010 zu sich nimmt. Sie ist das Wunschpflegekind, der „Kindheitstraum“, der wahr wird für die 41-Jährige, die mit ihrem damals dreijährigen Sohn im Hamburger Grindelviertel lebt. Große Altbauwohnungen, kleine Genießerlokale, schöne Spielplätze und mittendrin Yagmur, die durch ihre außergewöhnliche Fröhlichkeit auffällt. Panik, Geschrei und Dramen gab es nach den Aussagen derer, die sie liebten, nur in einem Szenario: wenn ihre leiblichen Eltern, die als Obdach- und Arbeitslose der Pflegschaft zustimmten, sie zu Besuchen abholten.

Im Nachhinein ist allen Beteiligten klar, warum. Es gab nichts, wovor Yagmur mehr Angst haben musste als vor ihren Eltern – und vor dem Versagen der Jugendämter, die sie seit ihrer Geburt betreuten. Ihre 27-jährige Mutter Melek, was auf Türkisch „Engel“ bedeutet, muss sich vor dem Landgericht Hamburg wegen Mordes aus Grausamkeit verantworten. Sie soll das Kind gehasst haben. Der 26-jährige, wegen Körperverletzung vorbestrafte Vater Hüseyin Y. soll tatenlos zugesehen haben, wie seine Ehefrau Yagmur zu Tode quälte. Die Beziehung der beiden soll schon lange zerrüttet gewesen sein. Ihre Motive sind unklar, vor Gericht schweigen sie zu den Vorwürfen.

Zurück zu den leiblichen Eltern

Auf Initiative der Ämter war Yagmur von der Pflegemutter „zurückgeführt“ worden, wie es im besten Amtsdeutsch heißt. Zurück zu den leiblichen Eltern, die während des monatelangen Martyriums des Kindes weiterbetreut wurden. Ein Skandal, dem ein Parlamentarischer Untersuchungsausschuss der Hamburgischen Bürgerschaft in diesen Monaten auf den Grund geht. Zu mehrstündigen Sitzungen werden die Zuständigen als Zeugen geladen. Das ist längst nicht allen recht. Dem Leiter eines der drei beteiligten Jugendämter musste erst ein Ordnungsgeld angedroht werden, damit er aussagt.

Die „Mauer des Schweigens“ durchbrechen und die blinden Flecken im System finden – das will Christoph de Vries von der CDU-Bürgerschaftsfraktion, der den Ausschuss gegen Widerstände anderer Fraktionen initiiert hat. Ende des Jahres soll der Abschlussbericht vorliegen. Für de Vries ist schon jetzt klar: In Yagmurs Fall wurde aus Rücksicht auf die Eltern der Schutz des Kindes hintangestellt. Welche Fehler gemacht wurden? „Gott, da weiß man gar nicht, wo man anfangen soll.“

Kinderärztin rät dazu, „den Ball flach zu halten“

Da ist die Kinderärztin, die trotz auffälliger blauer Flecken rät, „den Ball flach zu halten“. Die Pflegekindbetreuerin, die die Eltern beschwört, „sich zusammenzureißen“. Die Pädagogin, die Yagmur in der Klinik, wo sie mit rasiertem Schädel und einer Riesennarbe am Kopf auf dem Bett sitzt, besucht und der „nichts auffällt“. Wie viele andere scheint auch sie sich nie die nächstliegenden Fragen gestellt zu haben: Was ist passiert? Wer war das? Vor allem aber gibt es da eine Justiz, die Erledigungsdienst macht, und Kinderschutzbehörden, die mutmaßlich nicht einmal ihren Aufgaben nachkamen. Gegen mehrere Jugendamtsangestellte und eine Erzieherin ermittelt die Staatsanwaltschaft.

Melek und Hüseyin Y. sind diejenigen, die Yagmurs rosarote Welt von Anfang an durch blaue Flecken trüben. Ines M. bekommt den sieben Monate alten Säugling zurück mit blau geschlagenem Kopf. Sie sei im Schwimmbad ausgerutscht, das Baby gegen die Wand geknallt, sagt Melek. Massive Vorfälle meldet Ines stets dem Amt. Selbst Ines’ Mutter, die in Italien lebt und selten da ist, ahnt etwas. „Sie warnte, ich sei zu gutgläubig“, sagt die blonde Designerin, die im Prozess erstmals nach Yagmurs Tod auf die Frau trifft, die sie bis dahin mit „Alles gut“-SMS beruhigte.

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5 KommentareKommentar schreiben

Gesetze und Vorschriften sind einzuhalten: Leider ist es nicht so einfach: Die MA der Jugendämter sind stellentechnisch im Ausnahmezustand ( bewusst kaputtgespart!!) . Alle MA müssen sich an die geltenden gesetzl. Vorgaben halten und diese Gesetze regulieren die MA zum Beobacheten und Kosten einsparen. Das heißt, das Bundeskinderschutzgesetz und gegenläufige VerfassungsGrundsätze schützen eher die Erwachsenen, die Unversehrtheit der Familie, satt die Kinder. Und sollte ein besonderer kultureller Hintergrund vorliegen, müssen sich die MA in Klein Klein- Auseinandersetzungen aufreiben und sich Anfeindungen durch Dritte aussetzen. Die tägliche Arbeit der MA wird leider nicht gesehen, sondern nur, wenn Todesfälle zu beklagen sind. M.E. wird in D eher der Tierschutz vorangebracht. Sollte eine ensthafte Reform der Kinderschutzgesetzte auf den Weg gebracht werden und sich die Gesellschaft nicht um die Folgekosten drücken wollen, wird manifest werden, wie unglaublich " verkommen " und unkontrolliert manche Familien leben. Aber dies will niemand genau wissen und erleben wollen. Jeder kennt Zeitungsberichte, wenn anscheinend unbescholtenen Eltern die Kinder entzogen werden (sollen) ; dann tinglen diese Menschen sogar durch Talkshows und dürfen sich gegen die JÄ positionieren und sich an den Honoraren bereichern. Zur Klarstellung: Ich bin kein MA des JA !!!

Wer arbeitet in den Jugendämtern: Dieser Bericht macht mich wütend. Die vollkommene Inkompetenz, das abgrundtiefe Versagen derjenigen die dafür da sind um exakt dieses Grauen zu verhindern. Alle beteiligten, absolut alle, die hier in ihrem selbstgefälligen Handeln, mitbeigetragen haben dass dieses Kind derart grausam ermordet wird, sind zu bestrafen. Und nein, nicht nur so, dass der Empörung der Öffentlichkeit Genüge getan wird - nein, mit der Ausschöpfung des gesamten verfügbaren Strafmaßes. Warum? Weil dieses klägliche Versagen dieser Ämter kein Einzelfall ist, und auch nicht regional begrenzt. Dieses Nichtstun, diese bodenlose Unwilligkeit, diese persönliche Unfähigkeit zieht sich wie ein roter Faden durch das ganze Land - an ihm aufgereiht unzählige solcher und ähnlicher grauenhafter Schicksale. Wenn ein verantwortlicher Leiter eines Amtes erst durch ein Ordnungsgeld dazu bewegt werden kann, hier zur Aufklärung dieses erschütternden Schicksals beizutragen, dann ist dies Ausdruck der Verwahrlosung, der charakterlichen Zerrüttung, die in solchen Menschen steckt; mag er auch noch in einem sozialen Beruf tätig sein. In vielen Gesprächen und Kontakten mit Beamten/Angestellten, welche in diesen Ämtern (pädagogische Richtung) kam ich zu dem Schluss, dass diese Menschen diese Berufe nicht gewählt haben, um Gutes zu bewirken, sondern weil sie selbst in einem permanenten persönlichen, psychischen , sozialen Ausnahmezustand sind - und der Beruf hilft ihnen sich selbst zu therapieren ohne viel machen zu müssen. Hochachtung vor den tatsächlich mit aller Kraft engagierten Menschen, die tatsächlich etwas tun - diese sind jedoch die Ausnahme.

Kindeswohl: Wissentlich ( Kinder -und Jugend-Hilfe Ausschuss der Stadt Stuttgart ) sind die Mitarbeiter der Jugendämter wegen ihres Betreuungsschlüssels ( vereinzelt: 1 zu 62 !!!) total überfordert; zudem sind diese MA auch fachlich nicht kompetent und somit inhaltlich überfordert; kompetentes psychologisches Personal ist der Gesellsachaft leider " zu teuer"! Hinzu kommt die verborgene Tatsache, dass die MA " von oben" angewiesen werden, teure Fremdunterbringungen unbedingt zu vermeiden. Das Rückführungsmanagement der JÄ ist allein der Einsparung geschuldet. Die MA "wissen" an welche frühgestörte Eltern sie die Kinder wirder zurückgegeben werden. Doch es finden keine Bindungstheoretischen Massnahmen statt, oder gar die Erkenntnis: Diese Eltern erhalten ihre Kinder nicht mehr. Zudem muss dringend überlegt werden, welche psychologischen Maßnahmen möglich sind, weiterm "Kinderwunsch" entgegen zu wirken. Wenn ein Kind getötet wird, ist ein Aufschrei zu hören. Verantwortliche Sozialpolitiker schwingen sich medienwirksam auf, um bald wieder zu landen: Nix passiert. In D sind Kinder die am geringsten geschütze Gruppe!

Kindesmisshandlung: Der Fall Yagmur Beihilfe zum Hass: Das Jugendämter ein Fall für sich sind - diese Erfahrung durften wir ebenfalls schon machen. Als Stiefvater hat man keine Forderungen zu stellen - so die zuständige Leiterin - und der nette Herr, welcher uns als Hilfe bzw. Unterstützung zugeteilt wurde, erlaubte sich unseren Junior in Abwesenheit der leiblichen Mutter als "Arsch" zu bezeichnen. Damit hatte dieser nette Herr sein eigenes Urteil gefällt. Krönung des Ganzen war die Frage der zuständigen Leiterin, was für eine Hilfe wir eigentlich bekommen wollten. Tatsächliche Hilfe, Unterstützung bzw. Tips bekamen wir von unserer örtlichen Diakonie, welche über das Treiben besagter Leiterin im Bilde ist, aber ohne Eltern nichts unternehmen kann. Und welcher Anwalt klagt schon gerne gegen das Jugendamt? ... Wirklich gute Hilfe durften wir mal bei einem Fall in Stuttgart erleben. Aber das ist eher die Ausnahme. Ergo: es ist nur dann einer in der Lage tatsächlich zu helfen sofern er sich mit der selbstgewählten und gestellten Aufgabe identifizieren kann. Unsere zuständige Leiterin brüstet sich lediglich mit ihrem Studium und zugehörigem Titel (legal erworben?) sowie ihrem viel zu großen, von unseren Steuergeldern bezahlten Auto.

Kinderfürsorge: und Jugendämter, sowie beteiligte Ämter, wie so schön beschrieben. Anmassende, arrogante Behörde, die nichts sieht, nichts hört und immer total überlastet ist. In der eigenen Familie können Kinder ruhig mishandelt werden. Aber wehe, es geht mal um eine Adoption, um Pflege nicht eigener Kinder, dann hast Du jeden Tag jemanden da stehen, die alles Mögliche kontrollieren. Es ist schon beschämend, dass Kinde rin den eigenen Familien zu Schaden kommen. Und die Jugendbehörden schlafen, dösen und wollen am besten nichts wahrnehmen. Einige Mitarbeiter der beteiligten Behörden sollte man wegen unterlassener Hilfeleistung einsperren. Selbst Hinweise von Ärzten werden nicht wirklich wahr genommen. Eine traurige Gesellschaft. Aber alle sind erhaben und tun alles zum Wohl der Kinder..

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