Klage gegen Brüdergemeinde Korntal Die Sicht der Brüdergemeinde

Von und Julia Schweizer 

Die Beklagten - „Es drängt uns, an die Öffentlichkeit zu gehen“, sagt der weltliche Vorsteher Klaus Andersen. Doch das sei ein Spagat. Die juristische Aufarbeitung der Missbrauchsvorwürfe stehe ihrer moralischen Bewertung gegenüber. Thematisiert wird das in einer Stellungnahme in einem Magazin der Brüdergemeinde. Darin wird auf die 2013 gegründete Kommission zur Aufarbeitung der Heimerziehung verwiesen. Schon davor habe es aber Anfragen ehemaliger Heimkinder nach Akteneinsicht gegeben, 60 Stück waren es laut Andersen seit Februar 2012. Detlev Zander steche dabei deutlich heraus.

„Wir befassen uns kritisch mit Herrn Zander“, sagt der Anwalt Martin Hirschmüller. Die Forderung von aktuell 1,1 Millionen Euro Schmerzensgeld sei „außerhalb dessen, was deutsche Gerichte zusprechen“, sagt Hirschmüller. Von den Akten her ergebe sich zudem nicht, dass er korrekte Angaben gemacht habe. Speziell der Vorwurf der Zwangsarbeit „ist richtig Käse“, Feldarbeit sei damals üblich gewesen. Es habe mit „der Frage der Traumatisierung wenig zu tun“, dass Zander das Abitur nicht gemacht habe, wie dieser ursprünglich angegeben hatte. Man habe bereits mehrere Zeitzeugen gehört. Diese hätten von anderen Erfahrungen berichtet. Nach all den Jahren sei die Recherche schwierig. „Es war nicht alles Kinderhölle Korntal“, sagt Andersen mit Verweis auf einen Medienbericht. Mit heute sei die Situation nicht vergleichbar.

Doch wie stellt man heute den Schutz sicher? Alle Mitarbeiter müssen dem Landesjugendamt mit ihrer Qualifikation und erweitertem polizeilichen Führungszeugnis gemeldet werden, zudem überprüft die Aufsichtsbehörde jede Wohngruppe. Einmal im Jahr gibt es zudem ein Qualitätssicherungsgespräch, alle sechs Monate ein ähnliches Gespräch mit dem Landkreis, erklärt der Leiter der Jugendhilfe Korntal, Joachim Friz. Ebenfalls alle sechs Monate gibt es mit dem Kreis-Jugendamt ein Hilfeplangespräch für jedes Kind. Aktuell betreut die Jugendhilfe Korntal rund 400 Kinder und Jugendliche.

Speziell für die Opfer sexuellen Missbrauchs gibt es zudem eine Fachkraft und eine Checkliste. Diese lege fest, wie mit den gepeinigten Kindern umzugehen ist und wer wie informiert werden muss. Das gelte für alle, die mit ihnen zu tun hätten. Die Betroffenen bekämen zudem – wie alle anderen – einen Aufnahmeordner mit ihren Rechten und Telefonnummern, die sie im Notfall wählen und die sie sich auch selbst aussuchen könnten.