Kochbuch-Biografie Zeitreise mit Vollpension

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Die Grafikerin Christina Schmid hat eine Kochbiografie über ihre Oma Heidi verfasst und via Crowdfunding finanziert. Es enthält Rezepte fürs Leben, für die probate Hausmannskost und frei nach dem Ayurveda.

Viele einträchtige Stunden verbrachten Oma und Enkelin in der Küche. Foto: privat 10 Bilder
Viele einträchtige Stunden verbrachten Oma und Enkelin in der Küche. Foto: privat

S-West - Christina Schmids Oma kocht gern. Wenn sie Pilze putzt, Rüben Schält und Zwiebeln zerteilt, dann steigen ihr die Erinnerungen in die Nase, und sie beginnt, aus ihrem Leben zu erzählen. Die Enkelin war verzaubert von diesen Geschichten und wollte sie aufschreiben. Doch ein trockenes Druckwerk aus Daten und Fakten würde den sinnlichen Stunden, in denen sie mit der Großmutter in der Küche stand, nicht gerecht. Sie beschloss stattdessen eine Kochbiografie über die Großmama, Jahrgang 1944, zu verfassen.

Eine Verneigung vor Generationen

Die 30-jährige Grafikdesignerin aus dem Stuttgarter Westen machte sich daran, die Gespräche beim Kochen mit Omi aufzuzeichnen. Sie protokollierte Rezepte, schoss Fotos und suchte für das Buch alte Familienaufnahmen zusammen. Jetzt fehlte bloß noch das Geld für den Druck. Schmid startete einen Crowdfunding-Aufruf und promotete ihr Buchprojekt durch Kochlesungen mit Oma. Christina Schmids Rechnung ist aufgegangen, das 200 Seiten umfassende Buch liegt vor.

In die Hand nimmt man nicht nur ein praktisches Kochbuch von aufreizend schöner grafischer Gestaltung. Sondern zugleich ein Lesebuch mit Zeitreise in der Vollpension-Variante. „Wir haben heute meist vergessen, wie stark Mangel und Entbehrung den Alltag der Generationen unserer Großeltern und Urgroßeltern geprägt hat“, schreibt Basil Rogger, Dozent an der Zürcher Hochschule der Künste, im Klappentext. Das Buch sei eine Verneigung vor dem Tun und dem Wissen von Generationen von Frauen, „repräsentiert in der Person von Oma Heidi“.

Evergreens an Ayurveda

Kochen kann man mit „Oma Heidis Kochbiografie in Gesprächen“ natürlich auch. Erwartungsgemäß findet sich darin viel deftige Hausmannskost schwäbischer und bayerischer Provenienz. Wichtige Klassiker wie Schupfnudeln, Quarknocken und Bärentatzen sind enthalten. Aber Oma hat im Laufe der Jahrzehnte auch experimentiert. So schleichen sich mediterrane Momente ein und bricht sich an mancher Stelle der Ayurveda Bahn. Bei Oma Heidi sollte man auf alles gefasst sein, kann sich aber darauf verlassen, dass alles vielfach erprobt und für lecker befunden wurde.

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