KommentarKommentar zu Managergehältern Es fehlt das Maß

Von  

Gehälter, wie sie beispielsweise VW-Vorstandschef Martin Winterkorn erhält, gefährden das Ansehen der Marktwirtschaft, schreibt StZ-Wirtschaftschef Michael Heller.

Martin Winterkorn ist Vorstandschef bei VW. Foto: dpa
Martin Winterkorn ist Vorstandschef bei VW.Foto: dpa

Stuttgart - In einer Hinsicht ist die Neuordnung des Vergütungssystems bei VW wirklich bemerkenswert. Vorstandschef Martin Winterkorn verzichtet auf Bezüge, die ihm laut Vertrag eigentlich zustehen. Damit zeigt der 65-Jährige immerhin, dass er anders als so mancher Managerkollege nicht völlig die Bodenhaftung verloren hat. Natürlich tut dem gebürtigen Leonberger der Verzicht nicht weh, schließlich verbleiben ihm 14,5 Millionen Euro. Deshalb muss ihn auch niemand mit Lob überschütten. Aber Winterkorn grenzt sich von Managern wie dem bisherigen Chef des Pharmakonzerns Daniel Vasella ab, der 58 Millionen Euro erhalten sollte, ohne etwas dafür tun zu müssen. Solche Exzesse gefährden die Akzeptanz unseres Wirtschaftssystems.

Nun ist VW nicht Novartis. In Wolfsburg hat die öffentliche Hand Anteile, und der Anspruch, ein in sozialer Hinsicht vorbildliches Unternehmen zu sein, wurde dort immer hoch gehalten. Aber auch bei VW sind die Verhältnisse aus der Balance geraten, fehlt das Maß. Niemand bestreitet, dass Winterkorn gute Arbeit leistet. Aber welchen Anteil am Erfolg hat er – zum Beispiel im Vergleich zu den Weichenstellungen von Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch? Niemand weiß das.

Manager sollten sich nicht an Fußball- und Filmstars orientieren, sondern an der Belegschaft. Ernst Abbe hat einst im Zeiss-Statut festgelegt, dass auch der Chef nicht mehr als das Zehnfache des Jahreslohns eines Arbeiters verdienen soll. Übertragen auf VW wären das etwa 420 000 Euro. Realistischer ist es womöglich, an die Verhältnisse in den USA bis Ende der siebziger Jahre zu erinnern. Ganz ohne Gesetz pendelten sich die Regeln in der Praxis so ein, dass niemand mehr als das Vierzigfache eines Durchschnittsverdieners erhielt. Für Winterkorn wären das immerhin 1,7 Millionen Euro. Das ist auch nicht wenig.

  Artikel teilen
18 KommentareKommentar schreiben

Verantwortung: Werter Alt-Sozi, vielen Dank für Ihre Rückmeldung. Es wäre überaus bedauerlich, wenn Menschen, die sich um die Arbeit in unserem Land Gedanken machen, nicht wenigstens irgendwo eine gemeinsame Basis fänden. In meinen Augen ist diese gemeinsame Basis jenseits ideologischer Prägungen die Verantwortung für sich selber, seine Nächsten und für die Gesellschaft. Es gibt die von Ihnen angesprochenen, nach allen Seiten von ihrer Verantwortung befreiten, weil abgesicherten Manager. Unter denen gibt es aber auch solche wie Herrn Winterkorn, der mit seiner Arbeitsleistung, seinen Ideen, seinen Strategien und Visionen Hunderttausenden sichere Arbeitsplätze verschafft. Und dann gibt es noch die Self-Made-Unternehmer wie beispielsweise den viel gescholtenen Herrn Herrenknecht, der mit einer Idee, eigenem Kapital und viel Mut zum Risiko ein Unternehmen aufgebaut hat, das mehreren Tausend Menschen und Familien ein Auskommen ermöglicht. Solche Menschen müssen wir als Gesellschaft loben. Bei denen, die medienwirksam ein Kirchendach in Berlin vergolden lassen, bin ich schon eher etwas zurückhaltender. Aber die Absahner in diesen Reihen, die gar nichts außer ihrem Job tun, sind aus meiner Sicht ein Thema. Beim Billiglohnthema sehe ich uns eher alle gefordert. Mit einem Klick im internet bekomme ich die Ware punktgenau am nächsten Tag um zehn Uhr ins Haus geliefert. Und das nur für ein paar Euro zusätzlich. Sachen, die ich möglicherweise aus Zeitmangel gar nicht sofort genießen kann. Für die sich aber ein Mensch krumm gemacht hat, nur damit ich sie rumliegen lassen kann. Jede/r, der/die möglichst viel für möglichst wenig haben will, muss akzeptieren, dass er/sie damit den modernen Sklavenhandel unterstützt oder bestenfalls nicht deklariertes Eselfleisch zu essen bekommt. Oder anders herum: die Dinge brauchen wieder einen Wert. Freundliche Grüße vom weiten Land.

@Interessierter vom Land: Werter Interessierter, da liegen wir ja nicht so weit auseinander. Ihr Zitat 'Woran ich appelliere ist, in dieser Gesellschaft einen Konsens zu finden, wohin sich diese entwickeln soll, verbunden mit der Verpflichtung aller, an diesem Ziel zu arbeiten. Und denjenigen, die meinen, sich dieser entziehen zu müssen - entweder durch Steuerhinterziehung oder durch Sozialbetrug - klare Grenzen aufzuzeigen. ' könnte von mir sein :-). Ich selbst benutze 'Besserverdiener' auch nicht als Schimpfwort. Wer sein Geld VERDIENT, soll es auch bekommen. Auch das gilt aber für die sog. kleinen Leute genauso wie für die 'oberen Zehntausend'! Solange Millionen von Menschen in diesem reichen Land nicht von einer vollen Stelle leben und ihre Familie ernähren können, solange sind Gehälter, die die Millionengrenze deutlich überstiegen (und auf eine oder zwei Millionen kommt es mir hier nicht an) einfach nur obszön. H. Winterkorn und VW ist da vielleicht das unpassendere Beispiel, andere kriegen zwar nicht so viel Geld, sind aber noch raffgieriger. Aber irgendwo muss einem doch der Anstand sagen, dass ein durch Haftpflichtversicherungen abgesicherter angestellter Manager nicht das 400fache des Durchschnittslohns eines seiner Mitarbeiter kassieren darf, während anderswo Menschen mit 3,50 € in der Stunde abgespeist werden. Freundliche Grüße aus der großen Stadt!

Danke Herr Heller, ein treffender Kommentar: Allein die Überschrift trifft genau den Kern dieser, schon seit Jahren andauernden Auswüchse in unserer Gesellschaft, nicht nur in Deutschland und schon lange nicht nur auf Managergehälter begrenzt. Besonders im Bereich Sport und Unterhaltung gibt es ähnliche Auswüchse. Sicher, der VW Konzern ist neben einigen Anderen im Land, fast schon ein Vor-bildbetrieb, in denen das Gehaltgefüge weitgehend noch von Verantwortung und Fairness geprägt ist. Aber ist das Wirklich so, wie sieht die Situation der Leiharbeiter aus oder in den unzähligen Zuliefer-Firmen oder in den Produktionsbetrieben im Ausland ? Ich will diese bedenkliche und gefährliche Entwicklung gar nicht an VW festschreiben, das wäre genau so albern als wäre Amazon die einzige Firma am anderen Ende dieser Problematik. Die Kernursache ist, WIR (Politik und Gesellschaft) lassen Regularien und Strukturen zu, die solche Exzesse legal möglich machen. Mir ist auch klar, Deutschland ist schon lange keine Insel mehr und es ist (fast) unmöglich in einer weltweit verwobenen Wirtschaft verbindliche, kontrollierbare und vor allem sanktionierbare Standards zu schaffen. Wir haben es ja gerade erlebt, wie zäh dieser Prozess allein in Europa abläuft.(Stichwort Transaktionsteuer). Bleibt uns wirklich nur die beinahe hilflose Alternative und in jedem Einzelfall an Verantwortung, Ethik und Moral zu appellieren und damit auf Bescheidenheit zu hoffen. Das mag vielleicht im Einzelfall auf Einsicht stoßen, aber vorwiegend bei der Generation, die noch geprägt wurde von einer Bundesrepublik mit soliden und fairen Wertekompass u.a. mit Verantwortung und sozialen Gewissen. Man muß kein LINKER Fundamentalist sein um zu erkennen, dass dies markante Indizien für eine Fehlentwicklung sind, die mittelfristig sogar den soziale Frieden bedrohen, denn die Vorstufe davon ist, wie es im Artikel steht, “solche Exzesse gefährden die Akzeptanz unseres Wirtschaftssystems“. Übrg., um es klar zu sagen, ich lasse mir bei dieser Diskussion nicht von irgendwelchen dümmlich-neidischen Gedanken leiten, es macht mir eher große Sorge um den Zusammenhalt und die Zukunft unserer zivilen Gesellschaft. Und um auch das zu sagen, es muss sogar Unterschiede geben, um Anreiz für faire und verantwortungsvolle Leistung zu schaffen, ABER, es ist wie mit dem Salz in der Suppe oder wie es in der Überschrift steht, eine Frage des Maßes.

Keine Sorge um die armen Kinder, die treffen nicht mit den ach-so-neidischen anderen zusammen.: Für die gibt es Privatschulen, denn das staatliche Schulsystem ist längst nicht gut genug. Und wird es auch nicht mehr, so lange öffentliche Gelder zum Stützen der Finanzwirtschaft verwendet werden...

Immer wieder gerne: Werter Alt-Sozi, ich werde mit Ihnen keine Diskussion darüber beginnen, wer zuerst da war, die Henne oder das Ei. Ich habe auch mit keinem Wort geschrieben, dass unsere Gutverdiener vorbildliche Steuerzahler wären. Woran ich appeliere ist, in dieser Gesellschaft einen Konsens zu finden, wohin sich diese entwickeln soll, verbunden mit der Verpflichtung aller, an diesem Ziel zu arbeiten. Und denjenigen, die meinen, sich dieser entziehen zu müssen - entweder durch Steuerhinterziehung oder durch Sozialbetrug - klare Grenzen aufzuzeigen. Dann kann man auch die Mehrleister loben und die Anderen anspornen. Wer aber 'Besserverdiener' quasi als Schimpfwort verwendet, werter Alt-Sozi, der wird den Minderleistern immer ein Alibi dafür liefern, es sich doch lieber bequem zu machen. Wer möchte schon gern beschimpft werden. Die Sozen-CDs sind übrigens albern und dem überkommenen Links-Rechts-Denken geschuldet. Die Zukunft gehört den Vorwärtsdenkenden, die Rückwärtsgerichteten müssen auf der Strecke bleiben. Freundliche Grüße vom weiten Land.

Artikel kommentieren

Melden Sie sich jetzt an!
Um Artikel kommentieren zu können, ist eine Registrierung erforderlich. Sie müssen dabei Ihren Namen sowie eine gültige E-Mail-Adresse (wird nicht veröffentlicht) angeben. Bei Abgabe Ihrer Kommentare wird Ihr Name angezeigt. Alternativ können Sie sich mit Ihrem Facebook-Account anmelden.