KommentarKommentar zu Nürtingen Der Graben in der Stadt wird größer

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Nürtingen in einer fortwährenden Krise: der Gemeinderat verliert das Vertrauen in die Verwaltung – und, noch schlimmer, in sich selbst.

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Nürtingen - Mit euch nicht! Das ist die Botschaft, die CDU, Freie Wähler, Junge Bürger und FDP an die Nürtinger Liste/Grüne und die SPD senden. Die neue Allianz ist offenbar der Überzeugung, dass diese beiden Fraktionen den Weg aus der Verschuldung nicht mitgehen. Der viel beschworene Neuanfang in den Beziehungen zwischen den einzelnen Gruppierungen ist damit schon im Keim erstickt.

Der Streit über das geplante Gewerbegebiet Großer Forst, der Zoff um den Wohnpark Wörth, die Zerwürfnisse rund um die Oberbürgermeisterwahl, die der Amtsinhaber Otmar Heirich im Oktober im zweiten Anlauf mit nur knapp 50 Prozent gewinnen konnte - trotz der ganzen Querelen bestand die Hoffnung, der Gemeinderat und die Verwaltungsspitze würden sich zum Wohl der Stadt zusammenraufen. Sogar der Vorschlag stand im Raum, ein Mediator könnte, wie im Rosenkrieg, dem zerstrittenen Paar wieder auf die Sprünge helfen.

Warum kommt Nürtingen nicht alleine klar?

Allein der größere Block glaubt nicht mehr an ein gemeinsames Glück und schreibt das kleinere Drittel des Gemeinderates ab. Wenn der CDU-Vorsitzende Thaddäus Kunzmann in Aussicht stellt, die Fraktion Nürtinger Liste/Grüne eventuell doch irgendwann wieder mit ins Boot zu holen, klingt das mit Blick auf die belasteten Beziehungen wenig überzeugend. Das Vertrauen geht immer mehr verloren. Die Allianz traut den anderen Fraktionen keine echten Sparanstrengungen zu, der Verwaltung nicht die Reformfähigkeit - und sich nicht genügend Kraft. Und: auch dem Rathaus wird nicht zugetraut, dass es den Laden wieder auf Vordermann bringt.

Stefanie Hinz vom Städtetag hat recht, wenn sie sagt, dass der Blick einer externen Beratungsfirma hilfreich sein könne. Die Frage ist, warum es Nürtingen nicht wie andere Städte schafft, alleine klarzukommen. Zu hohe Kosten und zu geringe Einnahmen: die Hölderlinstadt auf dem Weg in die strukturell bedingte Schuldenfalle? "Wir sind mit unserem Latein am Ende", bekennt Kunzmann. Nun sollen Technokraten die Kohlen aus dem Feuer holen. Das klingt nach Italien und Griechenland und ist ein Armutszeugnis für die Demokratie.

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3 KommentareKommentar schreiben

Kunzmann sieht keine Zukunft - ich für ihn auch nicht.: Diese ewigen Nörgler der Pseudo-Bürgerlichen, in Wirklichkeit der Spießbürgerlichen, müssen abgewählt werden. Sie haben den Unfrieden im Nürtinger Rathaus ausgelöst.

Problem: Wer schon mal in einer Gemeinderatssitzung in Nürtingen war wundert sich nicht. Gemeinderat und OB mit Verwaltung ein einziges Armutszeugnis für Kommunalpolitiker und deren Fähigkeiten. Eine Ansammlung von Selbstdarstellern, die sich zu keinem Zeitpunkt mit einem Problem auseinandersetzen. Man ist ja Politiker und kein Technokrat.

Die CDU will immer nur recht behalten. Von Gesprächsbereitschaft haben sich die Schwarz-Gelben selbst abgewählt.: Sowas in der Stadt Hölderlins - eine CDU, die vor Rechthaberei die Füße nicht mehr unter den Boden bekommt. Ich würde mich schämen, für diese Partei bei einer GR-Wahl je gestimmt zu haben.

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