Kommentar zum Burschentag Museale Zirkel

Christoph Link, 25.11.2012 12:45 Uhr

Stuttgart - Burschenschaften hatten im 19. Jahrhundert ihre Verdienste im Ringen um die Einheit Deutschlands, gegen Despotenwillkür, für Meinungs- und Pressefreiheit. Was sie heute noch für einen Sinn in einer modernen Universitätsstadt haben, wo Wissenschaft und Forschung im globalen Wettbewerb stehen und Internationalität zum Lebenselixier gehört, das erschließt sich dem Außenstehenden nicht. Es mag sein, dass mancher Student, verzweifelnd an hohen Mieten, Zuflucht bei einer Burschenschaft sucht und bei ihr ein billiges Zimmer in bester City-Lage findet. Als Existenzberechtigung ist das wenig, diese Vereine erinnern an museale Zirkel.

Das Sondertreffen des Dachverbandes Deutsche Burschenschaft hätte die Gelegenheit geboten, sich vom rechten Ballast mit harten Schnitten zu befreien. Es gibt die Stuttgarter Initiative von Burschenschaften, die eine liberale und weniger „völkische“ Linie dieser Studentenverbindungen anstrebt. Allein, es siegten beim Treffen in der Untertürkheimer Sängerhalle die Ultrakonservativen. Zwar ist der unter „braunem“ Verdacht stehende Chefredakteur der Verbandspostille gefeuert worden, und man beschloss, dass Einzelne nicht Mitglied in Burschenschaften sein können, wenn sie auch in einer Organisation sind, die nationalsozialistische Ziele verfolgt. Sehr fortschrittlich, könnte man ironisch bemerken. Andererseits fand sich keine Mehrheit für den Antrag, die Mitgliedschaft in einer verfassungsfeindlichen Organisation – auch rechtsextremen – für unvereinbar mit dem Wirken von Burschenschaften zu erklären. Dass der Verfassungsschutz ein Auge auf Burschenschaften werfen sollte , liegt da nahe. Bisher ist der Verband Deutsche Burschenschaft nicht als politische Stimme in Erscheinung getreten. Nach der Erfahrung von Stuttgart kann man nur sagen: Das ist auch gut so.