Kommentar zum Burschentag Museale Zirkel

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Beim Burschentag in Stuttgart hätte ein liberaler Neustart stattfinden können. Diese Chance ist verpasst, findet StZ-Redakteur Christoph Link.

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Stuttgart - Burschenschaften hatten im 19. Jahrhundert ihre Verdienste im Ringen um die Einheit Deutschlands, gegen Despotenwillkür, für Meinungs- und Pressefreiheit. Was sie heute noch für einen Sinn in einer modernen Universitätsstadt haben, wo Wissenschaft und Forschung im globalen Wettbewerb stehen und Internationalität zum Lebenselixier gehört, das erschließt sich dem Außenstehenden nicht. Es mag sein, dass mancher Student, verzweifelnd an hohen Mieten, Zuflucht bei einer Burschenschaft sucht und bei ihr ein billiges Zimmer in bester City-Lage findet. Als Existenzberechtigung ist das wenig, diese Vereine erinnern an museale Zirkel.

Das Sondertreffen des Dachverbandes Deutsche Burschenschaft hätte die Gelegenheit geboten, sich vom rechten Ballast mit harten Schnitten zu befreien. Es gibt die Stuttgarter Initiative von Burschenschaften, die eine liberale und weniger „völkische“ Linie dieser Studentenverbindungen anstrebt. Allein, es siegten beim Treffen in der Untertürkheimer Sängerhalle die Ultrakonservativen. Zwar ist der unter „braunem“ Verdacht stehende Chefredakteur der Verbandspostille gefeuert worden, und man beschloss, dass Einzelne nicht Mitglied in Burschenschaften sein können, wenn sie auch in einer Organisation sind, die nationalsozialistische Ziele verfolgt. Sehr fortschrittlich, könnte man ironisch bemerken. Andererseits fand sich keine Mehrheit für den Antrag, die Mitgliedschaft in einer verfassungsfeindlichen Organisation – auch rechtsextremen – für unvereinbar mit dem Wirken von Burschenschaften zu erklären. Dass der Verfassungsschutz ein Auge auf Burschenschaften werfen sollte , liegt da nahe. Bisher ist der Verband Deutsche Burschenschaft nicht als politische Stimme in Erscheinung getreten. Nach der Erfahrung von Stuttgart kann man nur sagen: Das ist auch gut so.

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9 KommentareKommentar schreiben

nicht tragbar: auch ich war in stuttgart jahrelang nachbar einer burschenschaft. und ich kann die aussagen meines vorredners nur bestätigen. auch bei unseren ach so gebildeten nachbarn ist es damals regelmäßig zu regelrechten gelage gekommen. besoffene burschen lagen bei uns im garten und ab und zu ist ein bierkrug an unserer hauswand zerschellt... das die polizei trotz vielfacher 'besuche' ein konsequentes durchgreifen vermissen liess, hat vermutlich mit gut geschmierten verknüpfungen zu tun...

Betreff Nachbarn: Dass der Nachbar vom Deutschlandleid spricht, ist eh das interessanteste. Abschaffen?!

Deutscher Burschentag: die Kommentare zeigen auf, daß es hier wenig Kenntnis von Burschenschaften gibt. Auch die genannten Trinkgelage finde ich bei jedem Fussball - und Handballverein in meiner Nachbarschaft. Allerdings habe ich öfters den Eindruck, diese wissen nicht wieviel sie vertragen. Natürlich gibt es auch unter den Mitgliedern von Burschaften einige, die noch üben müssen. Ansonsten kann ich nur sagen: wo können junge Leute heute noch üben, eine Veranstaltung zu planen und zu führen, ferner auch der Kontakt zu im Beruf erfahrenen Personen pflegen und reflektiert zu bekommen, bei denen Sie lernen können, welche Kenntnisse, Fähigkeiten und gesellschaftliches Verhalten (Erziehung) erwünscht sind. Die Verbindung stellt ihnen hierzu eine Platform dar - wie in den oftmals rezitierten Übungsfirmen dargestellt wird. Während meiner aktiven Zeit hat der 'linke Asta' an unserer Hochschule mich auch als 'rechten Bierschwenker' bezeichnet. Nunja, Bier wird nicht geschwenkt, das macht man mit Cognac. Auch bereits vor über 30 Jahren, wussten die 'Linken' nicht, was der Knigge empfiehlt. Und auch in anderen Parteien gibt es deutlich sehr unterschiedliche Positionen. Und noch eines, meine Verbindung wurde 1933 ebenfalls verboten und unseres Alten Herren bekammen einigen Ärger mit der 'Obrigkeit'.

ich habe den 'Nachbarn' und sein Anliegen gut verstanden: und Schreibfehler kommen halt mal vor, @Stuttgarter Freund der braunen Sippschaft.

Ein Nachbar einer Burschenschaft, 13:12 Uhr: Wenn Sie so reden, wie Sie schreiben, werden Sie sich vermutlich auch mündlich nicht verständlich ausdrücken können.

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