Kommentar zum Rücktritt Benedikts XVI. Der Papst setzt ein Zeichen

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Für seine einsame und einzigartige Entscheidung, zurückzutreten, wird Papst Benedikt XVI. nochmals viel Anerkennung ernten, meint der StZ-Redakteur Mirko Weber. Doch er war den Herausforderungen seines Amtes nicht immer gewachsen.

Ein historischer Entschluss: Papst Benedikt XVI. kündigt seinen Rücktritt an. Foto: dpa 27 Bilder
Ein historischer Entschluss: Papst Benedikt XVI. kündigt seinen Rücktritt an.Foto: dpa

Stuttgart - Selbst wer „religiös unmusikalisch“ ist, wie der große Denker Jürgen Habermas das für sich und andere freundlich formuliert hat, kann sich oft gewissen Zeichen nicht verschließen, mögen sie nun einer höheren Ordnung folgen oder nicht. Als ein solches Zeichen könnte man nehmen, dass Papst Benedikt XVI. die Ankündigung seines Rücktritts am Rosenmontag ausspricht, an dem sich in vielen europäischen Ländern im Fasching kurz vor Aschermittwoch betont heidnische Bräuche breitmachen. Man tanzt da ja immer auch im Bewusstsein, dass der Tod (nach katholischer Glaubenslehre) zwar Erlösung bereithält, aber jeweils auch simpel das individuelle Ende auf der Erde bedeutet: Schluss mit lebenslustig.

Über praktische Bezüge hinaus – ein neuer Papst kann vom Konklave in Rom rechtzeitig vor Ostern gewählt werden – drängt sich auch noch ein anderer biografischer Bezugspunkt auf. Am Freitag vergangener Woche ist im Alter von 91 Jahren Kurt Hübner gestorben, ein in Prag geborener Philosoph, dessen Werke Papst Benedikt schon immer außerordentlich wertschätzte und förderte.

Vernunft und Glaube müssen korrelieren

Von Hübner unter anderen hatte der Theologe Joseph Ratzinger Thesen zu einem Gedankenmodell bekommen, um das er auch als Papst Benedikt XVI. immer wieder rhetorisch kreiste. Wohl wissend, dass „Pathologien in der Religion“ existieren, die es nötig machen, „das göttliche Licht der Vernunft sozusagen als Kontrollorgan anzusehen“, zeigte er sich überzeugt, dass es auch „Pathologien der Vernunft“ gebe. Gegen eine solche „Hybris der Vernunft“ – ein Beispiel dafür war stets die Atombombe – helfe der Glaube. Vernunft und Glaube, das war Ratzingers Credo, könnten, ja müssten korrelieren. So weit – und stark verkürzt – die Theorie.

Es traf nun aber der selbst apostrophierte „einfache Arbeiter im Weinberg des Herrn“, als der Papst Benedikt XVI. – innerlich schon auch widerstrebend – im April 2005 antrat, auf einen Grund, der praktisch schwer zu beackern war. Keiner wusste das besser als der deutsche Papst selber. Er kannte seine Scheu und seine Abneigung vor zu großer Show. Andererseits hatte er in der letzten Zeit unter dem todkranken Johannes Paul II. dermaßen viele vatikanische Fäden in der Hand, dass die Mitbrüder vom hohen Klerus ihre Kirche bei ihm vorläufig am besten aufgehoben sahen. Doch nicht immer war der Wissenschaftler Ratzinger dem Amt des Papstes Benedikt gewachsen.

Den Status quo wollte Benedikt konservieren

Als er bei seiner ersten umfänglichen Deutschlandreise in Regensburg den Propheten Mohammed fast ketzerisch und jedenfalls sehr von oben herab problematisierte, stand er zwar in einem Hörsaal auf vermeintlich sicherem Boden, brachte aber das empfindliche Gefüge zwischen den Weltreligionen augenblicklich schwer ins Wanken. Entsprechende Bemerkungen zur Ausnahmestellung des Katholizismus beförderten den Gedanken der Ökumene auch nicht unbedingt. Trotz vieler Auslandsreisen und Initiativen ist Benedikt XVI. den Ruch nicht losgeworden, dass er in vielen Positionen am liebsten den Status quo, wenn nicht den Status quo ante der Kirche konserviert hätte. Katastrophal war darüber hinaus, wie lange es dauerte, bis sich Rom den monströsen Missbrauchsfällen in der Kirche stellte.

Für seine sehr einsame, kirchenhistorisch fast einzigartige Entscheidung wird Papst Benedikt XVI. Mut gebraucht haben, der ihm aber umgekehrt noch einmal hohe Anerkennung garantiert. Seine Kirche könnte diesen Akt als Zeichen verstehen: mit einer quasirevolutionären, souveränen Geste gibt das Oberhaupt zu verstehen, dass Vernunft und Glauben sehr wohl auf einen Nenner gehen. Nur derart reformiert und belebt wird die katholische Kirche im Auftrag von Jesus Christus im 21. Jahrhundert ankommen können, ohne sich mit der Zeit gemein machen zu müssen.

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8 KommentareKommentar schreiben

Papst tritt zurück: Also ehrlich, das hätte ich nicht von ihm erwartet - bei der Sturheit, die er bei Themen, die die katholische Kirche unbedingt angehen und dem Fortschritt anpassen sollte, an den Tag gelegt hat. Bleibt zu hoffen, daß sich die Wähler des neuen Papstes (die ja zum Großteil auch nicht die Jüngsten sind) darauf besinnen, daß wir zwischenzeitlich im 21. Jh. leben.

Zitat StZ: ' Vernunft und Glaube, das war Ratzingers Credo, könnten, ja müssten korrelieren. So weit – und stark verkürzt – die Theorie.': Und das passt eben nicht in das Evangelium, dessen Kernbotschaft die Bergpredigt ist. Da kann man sich den Kopf zermartern wie man möchte. Werden jene geistigen Übungen befolgt, wie sie Christus in der Bergpredigt niedergelegt hat, dann braucht es nur die Vernunft der Bergpredigt, weil das Ziel dieser Übungen die höchste Vernunft selbst ist, die nur durch sich selbst erfahren werden kann, sich in sich selbst genügt, von aussen nichts mehr braucht und daher selig machend ist. Hegel hat versucht, den Prozess des Werdens dieser Vernunft in seiner Phänomenologie zu fassen. Die, die mit mir sind, so soll Christus gesagt haben (nicht kanonisiert), haben mich nicht verstanden. Und die ganz frühe christliche Kirche hat diese Vernunft, die Christus meinte, gleich zu Beginn ins völlige Abseits gestellt, indem sie Judas, der Christus nach den von seinem Evangelium bekannten Fragmenten her zu urteilen in der Lehre am nächsten stand, als den durch das Schicksal bestimmten Verräter des Herrn in einem gefälschten, aber demnach offensichtlich ganz bewusst und mit Absicht so kanonisierten Evangelium denunzierte. Damit wurde Judas samt Lehre zum Sinnbild des Verräters der lebendigen Lehre und ein christlicher Paria. Der Weg wurde frei zu kirchlichen Besitztümern im Geist und in der Welt und den dazu notwendigen Fälschungen des Neuen Testamentes, damit Vernunft und Glauben auf die Reihe kommen. Und da wären wir da, wo wir heute sind. Ecce homo! Und schön, dass mich hier niemand versteht. Und gut, dass das Christentum nicht der Islam ist bzw. dass die bürgerlichen Rechte die Religion streng in das Private verweisen. Und dort sollte sie bleiben zum Schutze des Menschen vor dessen eigener religiösen Vernunft und seinem religiösen Glauben.

Tja, Weihnachten ist noch weit, aber wenn sie das Christkind das ganze Jahr über so intensiv bitten wie Sie träumen........: 'FEB 11 B. Holsten, 18:13 Uhr Der Papst tritt zurück „Ich muss mein Unvermögen erkennen“ ...' Merkel tritt zurück „Ich muss mein Unvermögen erkennen' Gauck tritt zurück „Ich muss mein Unvermögen erkennen“ - oh schöner Traum!'

Carissimi fratelli , liebe Brüderinnen und Brüder: ist es nicht furchtbar ? Zwei Tage nach Frau Schavan tritt der Papst zurück. Wenn die Serie anhält, gebe ich Frau Merkel auch nicht mehr lange.

Schade: Schade. Er war ein super Papst. Leider beschäftigen sich die meisten deutschen Medien nur mit Unwichtigkeiten, welche aufgebauscht werden. Zum Glück kann man via Satellit auch ein neutrales Bild in der RAI erhalten. Auch mir als sogenannter Protestant hat der bayerische Papst sehr gut gefallen. Er hat auch unpopuläre Themen angesprochen, welche der linken gegenderten Gutmenschenwelt die Maske runtergerissen hat und ihre teuflische Fratze offenbart hat. Ich hoffe, dass sein Nachfolger diesen Weg noch konsequenter fortführt und sich lautstark zu Wort meldet.

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