Kommentar zur Bahn Servicewüste Bahnhof
Thomas Wüpper, 20.08.2011 09:33 Uhr
 Foto: dpa
Foto: dpa
Weitere Artikel
zum Thema

Stuttgart - Der Kunde ist König, der Service steht ganz oben. Das betont Bahn-Chef Rüdiger Grube gerne und oft. Doch in den Bahnhöfen tut die Bahn seit vielen Jahren das Gegenteil. Viele Schalter wurden dichtgemacht, Öffnungszeiten verkürzt, Personal ausgedünnt. Sogar einen Bedienzuschlag sollten alle Kunden am Schalter zahlen. Seither werden die Warteschlangen immer länger - oder die Kunden bleiben gleich weg.

Das ist der falsche Weg für ein Massenverkehrsmittel wie die Bahn, das möglichst viele Menschen schon aus Umweltgründen nutzen sollten. Wenn viele Bahnhöfe nur noch trostlose Servicewüsten sind anstatt attraktive Visitenkarten, verfehlt der Staatskonzern im Spar- und Renditewahn das wichtigste Ziel der Bahnreform: mehr Verkehr auf die Schiene zu bringen. Die Hoffnung war groß, dass Grube das erkannt hat und die Politik seines Vorgängers Hartmut Mehdorn zumindest in diesem Punkt ändert. Der Bahn-Chef stoppte zunächst sogar Kürzungspläne des Vertriebs, um das katastrophale Image des Konzerns zu verbessern. Schließlich hat Grube Kunden und Politikern mehr Service versprochen.

Doch Abbau fast jeder dritten Stelle am Schalter, der nun bis zum Jahr 2016 geplant ist, wäre das genaue Gegenteil dieses Versprechens. Grube würde damit sein Wort brechen. Denn die Beratung beim Schalterverkauf ist weder durch Automaten noch durch das Internet zu ersetzen. Die Technik kann nur eine sinnvolle und willkommene Ergänzung sein. Die radikale Ausdünnung und die Schließung von 600 Reisezentren im letzten Jahrzehnt sind schlicht ein Skandal. Die Bahn braucht nicht weniger, sondern mehr Servicekräfte am Schalter, die kompetent und gut geschult sind - und die ausreichend Zeit haben, die Kunden ausführlich zu beraten. Stattdessen stehen die verbliebenen Verkäufer schon heute mangels Personal und angesichts langer Warteschlangen unter hohem Zeitdruck. Bahn-Chef Grube sollte die Streichpläne seiner Kostensenker im Vertrieb also schleunigst stoppen. Und das besser heute als morgen.

Kommentare (27)
Anzeigen
AUG
25
Dagmar Fried, 18:41 Uhr

13:30 Uhr "Komisch" geschrieben von Zukunft

So ist Zukunft: Nur noch Online-Buchungen möglich, wachsende Kriminalität im Internet (übrigens schon heute, in Zukunft noch mehr), Schröpfung des Kontostandes durch Krimininelle (auch schon heute und in Zukunft noch öfters)

0
Kommentar bewerten
AUG
21
Bahnvielfahrerin, 22:13 Uhr

@ Tipp für hamamama: EC Karte

Das Lamento über die zu großen Scheine ist eine an den Haaren herbei gezogene wortreiche Finte: Sie können an allen Automaten mit Ihrer EC-Karte zahlen. Die habe Sie ja bestimmt immer dabei. Oder nicht? Da staunst du, gell?

-12
Kommentar bewerten
AUG
21
Cajo Kutzbach, 20:49 Uhr

Service, nicht dass ich wüsste!

Ausdruck einer Fahrplanauskunft: Beim Preis steht: "Normalpreis" 15,85 Euro, bzw. später sogar 16,50. Daneben "Verfügbare Sparangebote" 31.- Euro, bzw. 49 Euro! Wenn die Bahn solche Angebote macht, fühlt sich der Kunde nicht ersnt genommen und wundert sich nicht, wenn er feststellt, dass die angebotene Fahrt nicht die günstigste ist: Es wird einem (Wieder Ausdruck einer Fahrplanauskunft) eine ICE-Verbindung angeboten, aber verschwiegen, dass 10 Minuten früher ein Regionalexpress fährt, der vier Minuten vor dem ICE ankommt. Ich habe letztes Jahr für eine Bahnreise nach England mit Fähre zwei Besuche im Reisebüro benötigt und insgsam Acht Stunden Recherchen, bis ich genau das Agnebot hatte, wwas ich wollte. Wenn das eine Sekretärin für ihren Chef machen würde, bekäme sie Ärger, weil sie so lange braucht. Dass die Bahnmitarbeiter zu 70 % keine Lust mehr haben, verstehe ich sofort. Sie müssen ausbaden, was Politik und Geschäftsführung - offebar ohne profunde Kenntnisse - austüfteln und sollen den entnervten Kunden gegenüber auch stets freundlich sein, obwohl man ihnen immer mehr Arbeit aufgehalst hat. Man sollte nach englsichem Vorbild das Netz wieder verstaatlichen und dann die Bahn mit anderen privaten Anbietern konkurrieren lassen. Bei der Vergabe müsste auch die Kundenzufriedenheit eine Rolle spielen, dann würden sich die Zustände bald ändern.

20
Kommentar bewerten
Kommentar-Seite 1  von  9