KommentarKommentar zur Neubaustrecke Zwei Welten

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Das Verhältnis der Stuttgart-21-Partner ist zerrüttet. Die Versöhnung muss die Bahn einleiten, meint StZ-Lokalchef Holger Gayer.

Keine besten Freunde:  Volker Kefer (links) und Winfried Hermann. Foto: Zweygarth
Keine besten Freunde: Volker Kefer (links) und Winfried Hermann.Foto: Zweygarth

Stuttgart - Wenn in Stuttgart bereits im Januar das Wort des Jahres 2013 zu küren wäre, die Wahl würde wohl auf die Vokabel „Vertrauenskrise“ fallen. Das Schauspiel, das die Bahn-Vorstände Grube und Kefer sowie die Grünen-Verantwortungsträger Hermann (Land) und Kuhn (Stadt) darbieten, zeigt jedenfalls, dass die Kluft zwischen den vermeintlichen Projektpartnern von Stuttgart 21 so groß ist wie die Entfernung von der Erde zum Mond. Nicht einmal die kleinste Gemeinsamkeit ist noch zu erkennen vor dem heutigen Aufeinandertreffen der Herren. Statt konstruktiv nach Lösungen zu suchen, überziehen einander die vertraglich aneinandergeketteten Kontrahenten mit Vorwürfen – und demonstrieren so wieder einmal, dass sie in zwei Welten leben.

In der einen, jener der Bahn, herrscht der nachvollziehbare Zorn auf die Politiker, die ihnen einen Gutteil der Suppe eingebrockt haben. Das waren zunächst die CDU-Granden Oettinger und Schuster, die einst ein Projekt wiederbelebt haben, das die Bahn fast schon begraben hatte. Später, als die Finanzierungsvereinbarung unterzeichnet war, kamen jene an die Macht, die den Tiefbahnhof ohnehin nie wollten. Aber genau mit denen muss die Bahn jetzt kooperieren. Das ist nicht einfach.

Mit knappen Dementis nährt der Konzern Zweifel

In der anderen Welt leben jene, die nicht nur am Sinn des Projekts zweifeln, sondern vor allem an der Fähigkeit der Bahn, den Tiefbahnhof und die Neubaustrecke sowohl planerisch als auch baulich und vor allem finanziell zu realisieren. Diese Gruppe ist in den vergangenen Jahren stetig gewachsen, und es sollte der Bahn zu denken geben, dass traditionell das größte Reservoir der S-21-Gegner im Lager der Befürworter schlummert. Nach der erneuten Kostenexplosion hat kein Geringerer als der Stuttgarter CDU-Chef Stefan Kaufmann gesagt, dass die Bahn großes Talent darin habe, aus Befürwortern Gegner zu machen. Das stimmt. Und mit knappen Dementis – wie jetzt wieder bei der Frage nach Mehrkosten bei der Neubaustrecke – nährt der Konzern weitere Zweifel. Zu oft hat man diese Widerworte schon gehört, um später festzustellen, dass doch gestimmt hat, was die Skeptiker vorausgesagt hatten. Deswegen hat die Bahn nur eine Chance, um die tiefe Vertrauenskrise zu überwinden: Sie muss Transparenz herstellen.

Darin hat sie leider keine Übung.

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119 KommentareKommentar schreiben

Josef Eisele, 20:22 Uhr: >>>Tübinger, sie schreiben, die beiden berühmtesten Objekte von herrn Sobek seien die Einfamilienhäuser R 128 in Stuttgart und D10 In Biberach.<<< Falsch. Erstens schreibe ich das nicht, sondern Wikpedia und zweitens handelt es sich bei den genannten Objekten um seine Bauten als Architekt. Bei S21 geht es um seine Funktion als Ingenieur. Ich zitiere: 'Im Jahr 1992 gründete er das Büro Werner Sobek, das mittlerweile neben seinem Hauptstandort in Stuttgart auch in Frankfurt am Main, Moskau, New York, Kairo und Dubai vertreten ist. Bereits 1991 wurde er zum Professor und Leiter des Instituts für Tragwerksentwurf und Bauweisenforschung an der Universität Hannover (Nachfolge Bernhard Tokarz) berufen. Seit 1994 ist Sobek Professor an der Universität Stuttgart als Nachfolger von Frei Otto und Direktor des Instituts für Leichte Flächentragwerke und des Zentrallabors des Konstruktiven Ingenieurbaus. Im Jahr 1998 wurde er Mitglied des Vorstands der Ingenieurkammer Baden-Württemberg und zum Prüfingenieur für Baustatik für alle Fachrichtungen ernannt. Im Jahr 2000 übernahm er einen zweiten Lehrstuhl als Nachfolger von Prof. Dr. Jörg Schlaich und gründete das Institut für Leichtbau Entwerfen und Konstruieren (ILEK). Im selben Jahr: Shanghai Engineering License. Von 2000 bis 2001 war er Gastprofessor an der Universität Graz. Seit 2002 ist er Mitglied der Architektenkammer Baden-Württemberg, außerordentliches Mitglied des BDA und Mitglied der Deutschen Akademie für Städtebau und Landesplanung. Im Jahr 2003 wurde Werner Sobek zum Peer Review Engineer in Chicago ernannt. Im Jahr 2004 würdigte die Pinakothek der Moderne in München sein Schaffen mit der Ausstellung „show me the future – wege in die zukunft. engineering und design von werner sobek“. Im Jahr 2009 folgte eine große Ausstellung in der Ringturm-Galerie in Wien unter dem Titel 'Skizzen für die Zukunft - Werner Sobek und das ILEK'. Diese Ausstellung wurde auch im Rahmen der Architekturbiennale 2010 in Moskau gezeigt, wo sie eine Auszeichnung als beste Gastausstellung erhielt. Er ist seit 2006 Mitglied des Forschungs- und Technologiebeirats der TU Graz und Vorsitzender des Hochschulrats der neu gegründeten Hafen City Universität in Hamburg. In 2007-2008 hatte Werner Sobek eine Gastprofessur an der GSD (Graduate School of Design) in Harvard inne. Im April 2008 wurde Werner Sobek zum Präsident der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen e.V. ([DGNB]) gewählt, zu deren Gründungsmitgliedern er gehört. Dieses Amt hatte er bis zum 21. Juni 2010 inne. Seit Sommer 2008 ist Werner Sobek darüber hinaus auch Mies van der Rohe Professor am Illinois Institute of Technology in Chicago. Am 10. Juni 2009 verlieh ihm die TU Dresden für seine Verdienste um die Entwicklung der modernen Architektur, insbesondere im Hinblick auf das schöpferische Zusammenwirken von Architekten und Ingenieuren und sein Engagement für ein Umdenken im Bauen für die Zukunft den akademischen Grad „Doktor der Ingenieurwissenschaften Ehren halber“ (Dr.-Ing. E. h.). Im Jahr 2012 ist Werner Sobek als Professor und Inhaber einer Firmengruppe mit über 200 Mitarbeitern sowie als Prüfingenieur für Baustatik aller Fachrichtungen tätig. Das von Werner Sobek geleitete Institut für Leichtbau Entwerfen und Konstruieren (ILEK) der Universität Stuttgart vereinigt in Forschung und Lehre die in der Architektur dominanten Bereiche des Entwerfens und Gestaltens mit den im Bauingenieurwesen im Mittelpunkt stehenden Bereichen der Analyse und Konstruktion sowie der Materialwissenschaft. Auf der Grundlage einer zielorientierten und interdisziplinären Vorgehensweise befasst sich das Institut mit der konzeptionellen und werkstoffübergreifenden Entwicklung von allen Arten von Bauweisen und Tragstrukturen. Der Bogen der Arbeitsgebiete spannt dabei vom Bauen mit Textilien und Glas bis zu neuen Strukturen in Stahl- und Spannbeton. Vom einzelnen Detail bis zur gesamten Struktur geht es um die Optimierung von Form und Konstruktion hinsichtlich Material- und Energieaufwand, Dauerhaftigkeit und Zuverlässigkeit, Rezyklierbarkeit und Umweltverträglichkeit. Werner Sobek ist Mitglied im Stiftungsrat der Bundesstiftung Baukultur.[1] Im Dezember 2011 gründete Werner Sobek mit anderen den Stuttgart Institute of Sustainability Stiftung e.V. [2], ein gemeinnütziger Verein, dessen Ziel die Förderung von Forschung über nachhaltige Bautechniken ist.'

Herzilein-EB – „Opa Kolja“ hat doch recht: Der Filderaufstiegstunnel, wie er hier genannt wird, ist S21 zuzuschlagen, da es die City mit dem Gebiet Flughafen verbinden soll. Der Scharnhäuser Tunnel soll den Kopfbahnhof mit der evt. zu bauenden NBS verbinden. Au weija, die Probleme von Herzilein-EB hätte ich gerne. Ach ja, und im weiteren Verlauf seiner Absonderungen stellt sich Herzilein-EB in Sachen K20/21 mal wieder richtig dumm, um von den Schwierigkeiten bei S21 und der NBS abzulenken. Da braucht man sich auch nicht mehr aufhalten. – Oben bleiben!

Tübinger 16:52 Uhr Was nützt Sobek dem Tiefbahnhof?: Tübinger, sie schreiben, die beiden berühmtesten Objekte von herrn Sobek seien die Einfamilienhäuser R 128 in Stuttgart und D10 In Biberach. Aber glauben Sie, dass damit und mit dem beeindruckenden Netzwerk, in dem Herr Sobek sich bewegt, auch nur einer der Mängel des Tiefbahnhofes kompensiert ist? Ich meine seine Neigung, seine nicht erweiterbare Kapazität aus räumlichen Gründen, seine derzeitig schlechte Figur in Sachen Brandschutz bei wiederum nicht erweiterbarer Größe, seine Gründungsprobleme wegen dieses dussligen Mineralwassers, ebenso störend wie die stehengeblibene Fassade der Bahndirektion.Kann die Tatsache der Mitwirkung bekannter Architekten aus einem Gebäude mit voraussichtlich ungenügenden Funktion für den Bahnknoten Stuttgart so etwas wie ein dennoch wertvolles Gebilde machen? Immerhin wird seine Herstellung noch viel Geld kosten.Macht so etwas ein Gebäude und seine Architekten berühmt?

Transparenz, und dann?: 'Deswegen hat die Bahn nur eine Chance, um die tiefe Vertrauenskrise zu überwinden: Sie muss Transparenz herstellen'. Wenn das stimmt, ist das Projekt verloren. Es konnte nur so weit kommen mit Intransparenz, falschen Versprechungen, Manipulationen bei den Kostenberechnungen, der Leistungsfähigkeit, den Risiken und der Notwendigkeit. Der Fallschirmspringer ist noch nicht im freien Fall, noch also könnte er sich Gedanken machen über den zu kleinen Schirm. Wenn er gesprungen ist, kann er das immer noch. Aber nicht mehr lange. Und ob die Retter am Boden ihn dann retten können, ist nicht ausgemacht. Oben bleiben. Fliegen ist schöner als abstürzen.

Bahnfahrer, 13:17 Uhr: Was schreiben Sie denn da Merkwürdiges?: „Jetzt hat das Volk gesprochen und keiner von den Grünen will ganz offensichtlich das Volk hören.“ Haben Sie nicht mitbekommen, dass Kretschmann und Hermann ständig verkünden: Die Volksabstimmung gilt? Wo leben Sie? „Diese ständigen Querschüsse aus dem Verkehrsministerium lähmen und verteuern das Projekt völlig unnötig.“ Nennen Sie einen einzigen Querschuss! Ach, Sie können nicht? Warum behaupten Sie es dann?

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