Kommentar zur Psychiatrie Unruhe

Viola Volland, 29.12.2012 11:58 Uhr

Stuttgart - Das Zentrum für seelische Gesundheit ist ein freundliches Gebäude, hell und lichtdurchflutet. Wenn der Zentrumsleiter Martin Bürgy von einem „Unterschied wie Tag und Nacht“ im Vergleich zum Bürgerhospital spricht, bringt er diese Tatsache auf den Punkt. Die Atmosphäre im Haus ist ein Gewinn für die Patienten, die eine angenehme Umgebung brauchen, um zu genesen. Am Bürgerhospital waren die psychisch Kranken teils in Vier- und Fünfbettzimmern untergebracht. Es fehlten Rückzugsmöglichkeiten. Jetzt gibt es auch auf den Akutstationen, wo die Patienten im Schnitt nur eine Woche verbringen, gemeinsame Aufenthaltsräume. Eine Tischtennisplatte steht auf dem Flur. Das Klima, ist zu hören, sei weniger aggressiv als früher.

Doch dass jetzt Sicherheitsmängel öffentlich werden, wirft einen Schatten auf das neue Zentrum in Bad Cannstatt. Denn so wichtig die angenehme Atmosphäre ist – auch die Sicherheit muss in einer Psychiatrie natürlich stimmen. Das gilt vor allem für die geschlossenen Abteilungen. Schließlich besteht dort die Gefahr, dass sich die Patienten etwas antun oder andere gefährden. Zwar mag es eine absolute Ausnahme sein, dass ein Patient derart ausrastet wie der psychisch Kranke, der in seinem Wahn vor wenigen Tagen auf die Pflegekräfte mit einer Scherbe losging. Und natürlich weiß jeder, der in einer Psychiatrie arbeitet, dass er in seinem Berufsleben in eine gefährliche Situation geraten kann. Dennoch können die Mitarbeiter erwarten, dass die Standards eingehalten sind – und dazu gehört gemeinhin Sicherheitsglas auf den Akutstationen.

Mit großer Offenheit reagiert

Jetzt ist zwingend notwendig, dass wirklich schnell gehandelt wird. Immerhin: Angefangen wurde bereits, indem das Glas mit einer Spezialfolie überzogen wurde. Statt abzuwiegeln, hat der Zentrumsleiter Martin Bürgy zudem mit großer Offenheit auf die Vorwürfe reagiert. Das ist eine gute Voraussetzung dafür, dass wieder Ruhe einkehrt in die Psychiatrie in Bad Cannstatt.

Eine entscheidende Frage ist allerdings bisher noch nicht geklärt: Wie es überhaupt dazu kommen konnte, dass normales Glas statt Sicherheitsglas in die Türen gesetzt wurde. Sind hier die Planer schuld oder diejenigen, die das Projekt ausgeführt haben? Die am Bau Beteiligten werden hier noch einige Antworten liefern müssen.