Kommentare im Internet Ein Spitzenbeamter vergreift sich im Ton

Andreas Müller, 18.04.2012 20:34 Uhr

Stuttgart - Mit seinen 38 Jahren ist Daniel Rousta einer der jüngsten Spitzenbeamten Deutschlands. Entsprechend versiert bewegt sich der Ministerialdirektor im Landeswirtschaftsministerium von Nils Schmid (beide SPD) in den sozialen Netzwerken. Auf seiner Facebook-Seite berichtet er im Plauderton über seine Amtsgeschäfte und kommentiert schon mal etwas flapsig das politische Geschehen. Über den Einträgen prangt das große Landeswappen, was dem Ganzen einen offiziösen Anstrich gibt.

Nun aber hat sich Rousta eindeutig zu unstaatsmännisch ausgelassen und damit prompt Ärger eingebrockt. Gemeinsam mit Schmid hatte er in Bund-Länder-Verhandlungen für die Schlecker-Transfergesellschaft gekämpft – und war letztlich am Widerstand der FDP gescheitert. Seinen Frust darüber ließ er im Kommentar zu einem Artikel auf „Spiegel-Online“ (Titel: „FDP ist pleite“) raus, in dem es um das taktische Kalkül der Freidemokraten ging. „Überschrift des Jahres“, frohlockte der hohe Beamte, der zuvor SPD-Wahlkampfleiter war, und fuhr hämisch fort: „Netter kleiner shitstorm, der da gerade über die FDPisser hereinbricht.“ Dummerweise lasen die Liberalen im Stuttgarter Landtag mit, waren wenig amüsiert und machten den Fauxpas öffentlich. Nicht nur einmal, monierte der Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke, habe sich der Topbeamte auf Facebook „in Vulgärsprache beleidigend über politische Wettbewerber geäußert“. Auch die Vertriebenenpräsidentin Erika Steinbach (CDU) habe es getroffen. Eine Einladung ihres Verbandes kommentierte Rousta mit den Worten, da habe er „garantiert einen anderen Termin – zur Not Zahnarzt“.

Umgehend ruderte der Amtschef zurück. In einer „emotional aufgewühlten Situation“, postete er von einer Russlandreise aus, sei ihm „einfach der Gaul durchgegangen“. Der inzwischen gelöschte Eintrag „war blöd ... und hat viele FDP-Mitglieder verletzt“, entschuldigte er sich demütig: „Sorry, Herr Rülke!“ Doch dem Oberliberalen geht es nicht so sehr um sich, sondern darum, „welches Bild das Land abgibt, wenn seine Spitzenbeamten öffentlich pöbeln“. Per Landtagsanfrage will er nun wissen, was Nils Schmid eigentlich vom „Stilgefühl“ seines Ministerialdirektors und dessen Attacken unter dem Landeswappen hält.

 
 
Kommentare (17)
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APR
19
BuntstattGrau, 22:49 Uhr

Gegen F r a u e n hetzt man nicht, ...

... Herr Rousta, und für die FDP gilt h o f f e n t l i c h bald: 'de mortuis nil nisi bene'.

APR
19
Interessierter vom Land, 20:20 Uhr

Ist das ein FDP-Thema ?

Was geht es die FDP an, wenn sich einer in Russland eine blutige Sozen-Rotznase holt ? Dass Politik provozieren muss, geschenkt. Das gab es auch mit Strauß und Wehner, da war aber immer viel Respekt vor dem Gegner dabei. Dieses facebook-Gesülze ist einfach nur noch respektlos, bedauerlich, dass leitende Landesbeamte nicht mehr wissen, wie man sich benimmt. Dass Schlecker, Gauck und Vorratsdatenspeicherung völlig richtige Positionen der FDP sind, werden die euphorisierten Besserwisser erst dann merken, wenn niemand mehr diese Positionen vertritt. Die Piraten sind zu dämlich dafür, auch wenn sie es liebend gerne können würden. Viel Freude mit den ahnungslosen Heilsbringern. Freundliche Grüße vom weiten Land.

APR
19
Markus Lochmann, 14:21 Uhr

So what?

Also mal ehrlich - was soll daran bitte so schlimm sein? Da sind wir in der FDP ganz andere Sachen gewohnt, mittlerweile. Es ist nunmal der Shitstorm-Tonfall im Netz - ob es der politisch korrekten Öffentlichkeit nun gefällt oder nicht. Und warum sollten da Beamte oder Politiker anders sein als andere Menschen auch? In der Politik geht es auch mal um Emotionen. So what? Immer locker bleiben. Meine ich.

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