KommentarKommunaler Wohnungsbau Mehr Geld zur Verfügung stellen

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Wer sich bei Immobilienportalen nach einer Wohnung umschaut, bekommt ein Gefühl für die dramatische Lage auf dem Stuttgarter Wohnungsmarkt. Die Stadt muss dringend intensiver in den kommunalen Wohnungsbau investieren, meint Redakteur Sven Hahn.

Selbst für gehobene  Durchschnittsverdiener bleibt der Bau eines Eigenheims in Stuttgart auch wegen der raren Bauplätze ein unerfüllbarer Traum. Foto: dpa
Selbst für gehobene Durchschnittsverdiener bleibt der Bau eines Eigenheims in Stuttgart auch wegen der raren Bauplätze ein unerfüllbarer Traum.Foto: dpa

Stuttgart - Wer sich bei den gängigen Immobilienportalen nach einer familientauglichen Wohnung – etwa mit vier Zimmern – für weniger als 1000 Euro Kaltmiete im Monat umschaut, der bekommt ein Gefühl für die dramatische Lage auf dem Stuttgarter Wohnungsmarkt. Denn es finden sich meist nicht mehr als sechs bis sieben Angebote. Und das bei einem Wohnungsbestand von rund 300 000 Einheiten. Das bedeutet: selbst Menschen mit einem durchschnittlichen Einkommen haben kaum noch eine Chance, in Stuttgart eine Wohnung zu finden. Betroffen sind besonders Familien.

Da muss die städtische Förderung ansetzen. Und vom Grundgedanken sind die verschiedenen Förderwege, die es in Stuttgart gibt, hervorragend ausgestaltet. Besserverdiener wie Sozialhilfeempfänger können in den Genuss einer jeweils passenden Förderung kommen – von der Sozialwohnung bis zum bezuschussten Eigenheim. Doch damit mit all den fein abgestimmten Subventionsprogrammen tatsächlich ein spürbarer Effekt erzielt wird, muss mehr Geld zur Verfügung stehen. Das wird spätestens beim Vergleich mit anderen Städten deutlich.

Zweckentfremdungsverbot allein genügt nicht

Dabei haben die Kommunen nur wenige Chancen, selbst Einfluss zu nehmen. Sämtliche nennenswerten Veränderungen auf dem Immobiliensektor der jüngeren Vergangenheit – die Mietpreisbremse, die abgesenkte Kappungsgrenze oder das Bestellerprinzip – sind Bundesgesetze. Der Spielraum der Stadtverwaltung beschränkt sich im Grund auf zwei Bereiche: den Kampf gegen Leerstand und die Höhe der eigenen Fördermittel. Ersteres hat OB Fritz Kuhn (Grüne) mit dem Zweckentfremdungsverbot inzwischen in Angriff genommen. Ob er damit zusätzliche Wohnungen auf den Markt bringen kann, wird sich erst noch zeigen müssen. Eine zweite Option, für mehr bezahlbaren Wohnraum zu sorgen, wäre es, mehr Geld in die Hand zu nehmen.

Dabei geben die Zahlen aus dem jüngst verabschiedeten Stadthaushalt wenig Anlass zur Hoffnung. Im Vergleich mit anderen Kommunen fällt die Förderung des Wohnungsbaus in Stuttgart gering aus. Wird künftig nicht mehr Geld investiert, sieht die Stadt weiter zu, wie Menschen aufgrund ihres zu geringen Einkommens verdrängt werden.

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7 KommentareKommentar schreiben

Kommunisten haben den Wohnungsmarkt schon immer reguliert.: Was dabei herausgekommen ist. Hat sich beim ersten Besuch in der DDR doch jedem offenbart. Reisen in den ehemaligen Ostblock zeigen noch heute Reste dieser Marktregulierungen. Nun geht's hier los. Mietpreisbremse, Nutzungszwang, Veränderungsverbot und X1000 Regulierungen. Glaubt den irgend jemand das wird diesmal ein anderes Ergebnis bringen?

Herr Schmidt, Sie haben völlig Recht: Kommunisten haben unseren Immobilienmarkt in den letzten Jahrzehnten völlig heruntergewirtschaftet. Wenn man sich nur das Europaviertel anschaut... Zeit, dass auch unser Stuttgart endlich von diesem Regulierungswahn befreit wird. (Ironie aus)

Da: schafft der Staat also erst durch Erhöhung der Immobilienbesteuerung und immer höhere Auflagen beim Wohnungsbau, gekoppelt mit einseitigen Mietergesetzen und dem billionenfachen (nicht milliardenfachen) Drucken von Geld gewaltige Probleme, von denen dann der Kommentator meint, der Staat müsse sie wieder lösen. Leider gibt es kein Facepalm-Smiley. Hier wäre es mehr als angebracht.

es wird allerhöchste zeit: die sache in die hand zu nehmen. im neckarpark MUSS die stadt die wohnungen selbst bauen. selbst betreuen und selbst vermieten. dringend

die stadt selbst: vollkommen richtig!

Mietwohnungen werden verknappt: Im Lehenviertel z.B. wurden in den letzten 25 Jahren etliche Häuser von Immobilienfritzen aufgekauft, etwas aufgehübscht und dann wurden die ehemaligen Mietwohnungen in Eigentumswohnungen umgewandelt. Dem müsste ein Riegel vorgeschoben werden. Die Situatin ist inzwischen so dramatisch, dass auch mehr Geld für die städtische Förderung nicht ausreicht. Was heißt "Besserverdiener wie Sozialhilfeempfänger können in den Genuss einer jeweils passenden Förderung kommen". Und wer kein Sozialhilfeempfänger ist, aber auch kein Besserverdienender?

Kreislauf: Auch Eigentumswohnungen sind Wohnraum. Das Geld dafür erspart auf der einen Seite später die Miete, auf der andren wird es ja wieder investiert. Das Problem ist nur: In was investieren? So wie die Stadt mit neuen Flächen geizt, geduldig auf das Freiwerden (oder Vertreiben) von Industrieflächen wartet, ist nicht viel zu erwarten. Die riesigen Schneisen für den Autoverkehr (mitsamt der Feinstaub-bedingten no-go-Areas) tun ihr übriges. Der Gemeinderat müsste sich nur dazu durchringen, vom SIM Abschied zu nehmen und endlich die Entwicklung eines neuen Stadtteils in Angriff nehmen.

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