Konflikt nach der Wahl Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21 zerbricht

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Bis zur Wahl haben sie durchgehalten, nun wird das tiefe Zerwürfnis im Lager der Projektgegner von Stuttgart 21 offenbar.   

Gangolf Stocker, Veteran des Stuttgart-21-Protests, zieht sich aus dem Aktionsbündnis zurück.  Foto: dapd
Gangolf Stocker, Veteran des Stuttgart-21-Protests, zieht sich aus dem Aktionsbündnis zurück. Foto: dapd

Stuttgart - Die Ablösung der schwarz-gelben Landesregierung ist eines der großen Ziele der Stuttgart-21-Gegner gewesen. Nun, da dies erreicht ist, bricht das aus zehn Gruppen und Parteien gebildete Aktionsbündnis gegen das Milliardenprojekt auseinander. Die Akteure machen sich gegenseitig heftige Vorwürfe, und Gangolf Stocker, Veteran des Stuttgart-21-Protests, zieht sich aus dem Bündnis zurück.

Am Montagabend, bei der 69. sogenannten Montagsdemo vor dem Hauptbahnhof, hatte Gangolf Stocker wieder einen Auftritt, vermutlich seinen letzten. Nicht, dass er in seinen Aktivitäten gegen Stuttgart 21 nachlassen wollte. Doch der Wahlsieg von Grün-Rot bedeute eine Zäsur, das Bündnis müsse sich "neu definieren". An die Zukunft der Montagsdemonstrationen, die er von Anfang an mitorganisiert hat und damit den Protest gegen das Projekt zu einer Massenbewegung gemacht hat, glaubt Stocker nicht. "Die Teilnehmerzahlen werden abbröckeln", so seine Prognose.

Es gibt aber einen nicht weniger wichtigen Grund, warum der SÖS-Stadtrat sich zurückzieht: der Konflikt mit den sogenannten aktiven Parkschützern um Matthias von Herrmann und "die Personen im Bündnis". Dass Stocker die Aktionen dieser Gruppe, die ebenfalls im Bündnis vertreten ist, missbilligt, ist nicht neu.

Erneuter Streitfall in der Wahlnacht

Noch in der Wahlnacht gab es aber einen neuen Streitfall, als hunderte Parkschützer den Bauzaun an der Nordseite des Hauptbahnhofes niederrissen und ein 18 Tonnen schweres Bohrgerät beschädigten, indem sie Zucker in den Tank füllten. Von Herrmann sagte am Montag: "Das war eine symbolische Aktion, dass der Baustopp beginnt."

Gangolf Stocker findet dafür deutliche Worte. "Nachts besoffen Bauzäune einreißen, das ist nicht mein Stil." Nicht abgesprochene Aktionen wie diese nach der "Mappschiedsparty" auf dem Schlossplatz habe es immer wieder gegeben. Auf der Montagsdemonstration machte er den Konflikt auch gegenüber den eigenen Anhängern nochmals deutlich. Die Aktion am Bahnhof habe dazu geführt, dass Leute ihre Profile auf der Internetseite der Parkschützer hätten löschen wollen. Die Parkschützer hätten aber nichts mit dem Sprecher der Aktivisten, von Herrmann, zu tun.

Vor Aktionen wie in der Wahlnacht hat am Montag auch der Tübinger OB Boris Palmer gewarnt. Wer jetzt "Selbstjustiz" betreibe, so der Grüne, werde "die Unterstützung der Bevölkerung verlieren". Der Ausstieg aus Stuttgart 21 könne nur geordnet verlaufen. Das dürften auch Werner Wölfle und Muhterem Aras so sehen, die, als sie sich am Sonntagabend auf dem Schlossplatz für ihre Wahl bedanken wollten, von Matthias von Herrmann nicht auf die Bühne gelassen wurden. Am Montagabend durfte Wölfle den Dank dann nachholen.

Hinter all dem steckt ein tiefes Zerwürfnis der Beteiligten im Bündnis, wobei die Frontlinie nicht einfach zwischen den Parkschützern und den anderen verläuft. "Die ewigen Debatten, der Umgang untereinander", das gibt Stocker als Hauptgründe für seinen Rückzug an. "Der war überfällig."

Massive Vorbehalte gegeneinander

Doch das bleibt nicht unwidersprochen. "Selbstherrlichkeit im Ton eines Oberbefehlshabers" und "persönliche Diffamierungen unterhalb der Gürtellinie" wirft Irmela Neipp-Gericke, die für die Grünen im Bündnis sitzt, Stocker vor. Mit einer kleinen Gruppe ergebener Gefolgsleute habe dieser "regelmäßig demokratische Beschlüsse des Bündnisses übergangen". Sylvia Heimsch von den aktiven Parkschützern spricht von Mobbing. "Menschlich war das richtig schlimm", sagt sie.

Wie es mit dem Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21 nun weitergeht, soll am Dienstag bei einem Treffen besprochen werden. Matthias von Herrmann hat vorab aber schon mal erklärt: "Das Projekt ist noch nicht am Ende, die Montagsdemos werden fortgesetzt." In welcher Form, das wiederum ist laut Gangolf Stocker völlig offen.

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44 KommentareKommentar schreiben

Pressehetze: Nun, da die Grünen sich an die Macht geputscht haben, glauben ihre Anhänger und die sog. Parkschützer sie könnten jetzt Tabula-Rasa mit dem 'alten, verhassten System' machen. Als erstes muss die Presse dran glauben. Über Monate hinweg wurde die StZ und die StN von den Anhängern der Grünen mürbe gemacht und sturmreif geschossen. Nunn glauben sie, wenn man so manche Kommentare hier liest, sie könnten der unabhängigen Stuttgarter Presse den Todesstoß verpassen. Nur weiter so.....

Was auch gut zu Gesicht stünde…: …wäre, bei dieser Zeitung auch mal ein Schritt weg von der Vielfalt der Einfalt zu tätigen. Ich sehe hier mal wieder eine die Wirklichkeit verzerrende Headline ausgedruckt über Menschen, die man nicht in die Hall of Fame heben muss, da wollen Sie bestimmt auch gar nicht hin, aber man sollte Sie ob ihres Tuns respektieren. Und wenn Sie Herr Bury eben keinen 'Draht' haben, über das Aktionsbündnis objektiv zu berichten, dann sollten Sie es einfach sein lassen, darüber zu schreiben. Ein Tipp, sagt Ihnen 'verschärfter Sozialabbau' irgend etwas? Oder die Agenda 2020? Oder politisch-ökonomische, kapitalorientierte Gründe für einen nächsten, alternativlosen Raubzug, dessen ideologischer Tross schon in den nach wie vor neoliberalen Startlöchern steht? Keine Ahnung wovon ich spreche? Wir werden sehen.

Es war eine große Leistung: des Aktionsbündnisses über ein Jahr lang den 'bunten Laden zusammenzuhalten' und sie waren erfolgreich,siehe Wahlergebnis und heute verfügter S21-Baustopp. So hätte die SZ auch schreiben können,eigentlich müssen. Kann oder darf 'Sie' aber(noch?)nicht.Schade. Bei den vielen großen und kleinen Demos haben wir mal geschwitzt,manchmal gefroren.Sind trotzdem immer mehr geworden. Haben Unterschriften gesammelt,Flyers verteilt,Info-Veranstaltungen organisiert,Proler-Pöbeleien ausgehalten und den 'Schwarzen Donnerstag' durchgestanden. Aber nie die Hoffnung verloren,dass wir Bürger,wenn wir unseren friedlichen Widerstand durchhalten,etwas bewegen und erreichen werden. Das Wahlergebnis vom 27.März war der erste Etappensieg. Der heute verfügte S21-Bau-und Vergabe-Stopp der Zweite. Das S21-Kartell der Lobbyisten und Profiteure,die hier schon verzweifelt schreibenden S21-Proler,pfeifen doch auf dem letzten Loch. Frau Gönner und Herr Mappus,die 'alternativlosen',glühenden S21-Befürworter, sind zu normalen Abgeordneten degradiert geworden.Dies bestärkt alle Demokraten. Die neue Regierung wird nun das Wahnsinns-Projekt S21 vollends nach rechtstaatlichen Kriterien 'abwickeln'-sprich beerdigen können. Aber den Grundstein dafür,legten wir unerschütterlichen 'Berufs-Demonstranten'.Und darauf dürfen wir stolz sein! Das Aktions-Bündnis kann deshalb nun Geschichte werden.Es hat seinen Zweck erfüllt. Mag die SZ schreiben was sie will.

Bitter!: Bei einigen Kommentaren unserer Wutbürger liege ich lachend unter dem Schreibtisch. Nun ist also die Zeitung schuld!!! Uiuiui - tendenziös, voreingenommen? Soll es nun mit unseren 'Basisdemokraten' nun auch an die Pressefreiheit gehen? Wundern würde mich das ja alles nicht mehr. Wer Demokratie auf eine Trillerpfeiffe reduziert wünscht sicherlich auch eine genehme Presse für den eigenen totalitären Ansatz. Und ja, liebe Wutbürger. Ihr wurdet natürlich nur benutzt - auch wenn es weh tut das jetzt so zu erfahren. Ziel der 'Bewegung' war die Abwahl der CDU/FDP. Ihr habt eure Schuldigkeit getan und dürft ab jetzt wieder Kaffeefahrten machen. Ist beim Durchschnittsalter der Demoteilnehmer wohl auch eine prima Option.

Lächerlich: Jetzt ist mal wieder die böse Stuttgarter Zeitung schuld!! Wie lächerlich ist das denn ??? Solange diese Zeitung gegen Mappus wetterte war sie prima, kaum kommt mal was wo negativ für die Gegernschaft ist, ist sie mal wieder ein Provinzblatt : Warum schreibt ihr den hier noch was rein ? Ihr seit so peinlich !!!!

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