Kreisverkehr Olgastraße Dem Platz fehlt der passende Platz

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Das Engagement der rund 100 Stiftungen Stuttgarts soll mit einem Kreisverkehr gewürdigt werden.

Auf dem Kreisverkehr an der Kreuzung der Wilhelm- zur Olgastraße soll das Fundament für eine Skulptur ausgehoben werden. Der Ort fiel im Bezirksrat durch. Foto: Zweygarth
Auf dem Kreisverkehr an der Kreuzung der Wilhelm- zur Olgastraße soll das Fundament für eine Skulptur ausgehoben werden. Der Ort fiel im Bezirksrat durch.Foto: Zweygarth

S-Mitte - Die Absicht ist eine hehre, die Namen der Beteiligten sind durchaus prominent, und der Aufwand war schon bisher enorm. Das offenbart bereits der Blick auf ein eigens produziertes Büchlein zum Thema, feinster Druck auf festem Papier, eingebunden in Hartgummi. Auf den Seiten sind – samt Fotomontagen – die Ergebnisse eines Wettbewerbs erklärt.

Letzteren hatte die Helmut-Nanz-Stiftung ausgelobt, die Kunst und Kultur fördert. Beteiligt war die Kunstakademie, mit deren Rektorin Petra von Olschowski und der Professor Werner Pokorny. Der Namensgeber der Stiftung, dessen Vermögen auf mehrere hundert Millionen Euro geschätzt wird, hat selbst im Bezirksbeirat den tieferen Sinn allen Aufwands erklärt und für seine Pläne geworben.

Jener tiefere Sinn ist nicht, irgendwo irgendeine Skulptur aufzustellen, sondern mit einem eigens zu gründenden „Platz der Stuttgarter Stiftungen“ darauf aufmerksam zu machen, dass in Stuttgart das organisierte Wohltätigkeitswesen so verbreitet ist wie in kaum einer anderen deutschen Großstadt. Dies ist auch kein Wunsch der Nanz-Stiftung, es ist ein Wunsch des „Initiativkreises Stuttgarter Stiftungen“, des Dachverbands, in dem rund 100 Organisationen zusammengeschlossen sind.

„Ein Kreisverkehr ist kein Platz“

Künstler waren in dem Wettbewerb also dazu aufgerufen, sich über die Verschönerung eines Platzes mittels einer Skulptur Gedanken zu machen. 40 Vorschläge wurden eingereicht. Zum Gewinner hat die Jury Lee Sang Yong erklärt, der zwischen senkrechten Metallstreben eine Männerfigur platziert hat, die einen Regenschirm hält. Auf Platz zwei kam ein Gemeinschaftswerk von David Baur und Philipp Dittus, die in den Wagenhallen werken. Der laut Jury drittbeste Vorschlag stammt von Anne Römpp.

Die Absicht, daran hegt zumindest im Bezirksbeirat niemand Zweifel, ist lobenswert. Das Vorhaben ist finanziert und an allen erdenklichen Stellen vorbereitet. Selbst mit der EnBW wurde der Plan schon besprochen. Allerdings fehlt für den Platz der Stiftungen das Entscheidende: der passende Platz. In gemeinsamen Sitzungen mit dem Baubürgermeister Matthias Hahn und seinen Mitarbeitern „haben wir sicher 80, 90 Alternativen durchgeguckt“, sagt Nanz. Am Ende blieb der Kreisverkehr, an dem die Olgastraße die Wilhelmstraße kreuzt. Dort also will die Stadt zwischen Reinigung und Billardkneipe mittels eines vom Freiersuchverkehr umkurvten Kreisels ihre Förderer würdigen.

Ein Kreisverkehr „ist kein Platz, da fahren nur die Autos drumrum“, sagt Annegret Breitenbücher für die Grünen im Bezirksbeirat. Der Christdemokrat Paul Eckert will sich „nicht festlegen, ob das der richtige Platz ist“. Einmal davon abgesehen, dass auf dem Kreisverkehr ein Baum gefällt werden müsste, um für die Skulptur Raum zu schaffen – was in der Stadtmitte bisher stets und auch dieses Mal den Unmut der Nachbarschaft erregt. Lediglich die Sozialdemokraten hatten keinen Zweifel an der Wahl. Selbst Nanz wäre „dankbar, wenn Sie mir sagen, wir haben an einer anderen Stelle einen tollen Platz. Uns ist einfach nichts Besseres eingefallen“.

Die Anwohner des Gerberviertels haben laut der Grünen-Beirätin Andrea Leonetti bereits eine Alternative vorgeschlagen. Wenn es schon ein Kreisverkehr sein soll, meint die Bezirksvorsteherin Veronika Kienzle, „dann wenigstens einer, an dem Fußgänger vorbeikommen“. Wie jener an der Kreuzung vor dem Tagblattturm, die zum Kreisel umgebaut werden soll. Dieser Gedanke scheitert aber womöglich am Christopher Street Day. Mancher Festwagen der Schwulen und Lesben ist zu groß, um einen Kreisverkehr zu umrunden und muss über ihn rumpeln können. Ganz abgesehen davon, dass im ganzen Land Skulpturen auf Kreisverkehren wieder abgebaut werden – aus Sicherheitsgründen.

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