Kundgebung auf dem Schlossplatz in Stuttgart 7000 Menschen setzen ein Zeichen

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Bei einer Kundgebung auf dem Schlossplatz haben rund 7000 Bürger ein Zeichen gegen Rassismus und Gewalt gesetzt. Ein Bündnis aus 81 Organisationen hatte zur Teilnahme aufgerufen.

Auf dem Schlossplatz haben tausende Menschen gegen Rassismus demonstriert. Foto: Knut Krohn 17 Bilder
Auf dem Schlossplatz haben tausende Menschen gegen Rassismus demonstriert.Foto: Knut Krohn

Stuttgart - Mehrere tausend Menschen sind am Samstagvormittag auf den Schlossplatz geströmt – ihre Botschaft: Rassismus und Gewalt sollen keinen Platz in unserer Gesellschaft haben. „Ausländer lasst uns nicht allein mit diesen Deutschen“ haben sie auf Plakate geschrieben oder (in Anspielung auf die Übergriffe auf Frauen in der Silvesternacht) „Strafrechtliche Ahndung ja – aber Finger weg vom Asylrecht“. Irakische Flüchtlingskinder aus einer Unterkunft in Weilimdorf verteilten zudem Tulpen an Frauen. Einer hielt ein Plakat mit vier Worten auf Deutsch hoch: „Ich bin nicht Köln“.

Rund 7000 Menschen sind nach Angaben von Veranstalter und Polizei zu der Kundgebung gekommen. Aufgerufen hatte ein Bündnis von 81 Organisationen – in dieser Größe und Vielfalt ist das außergewöhnlich. Gewerkschaften und Arbeitgeber, Parteien und Stiftungen, christliche Kirchen, jüdische und islamische Glaubensgemeinschaften, Frauenverbände und Migrantenvereine – alle haben sich beteiligt. Erwartet worden waren sogar 10.000 Teilnehmer, doch die Organisatoren sind zufrieden. „Es ist ein großer Erfolg, dass so viele Menschen gekommen sind“, so die stellvertretende DGB-Vorsitzende Gabriele Frenzer-Wolf am Rande der Veranstaltung. „Wir sind die Vielen in unserer Gesellschaft, die nicht schweigen wollen angesichts zunehmender Übergriffe und Gewaltakte gegenüber Geflüchteten“, hatte sie kurz zuvor in ihrer Rede betont und vor der Landtagswahl klar gemacht, dass man „keinen Wahlkampf auf dem Rücken von geflüchteten Menschen“ wolle und dafür lauten Applaus geerntet. Angesichts der „widerwärtigen Taten in der Silvesternacht“ forderte sie, „genau zu analysieren und vor allem nicht zu pauschalisieren“.

Sorge über wachsenden Rassismus

Damit dürfte sie Magdalena Mannsperger aus der Seele gesprochen haben: „Man muss Köln differenziert betrachten“, meint die 26-jährige Studentin, die ärgert, dass das Thema Sexismus benutzt werde, um mehr Abschiebungen durchzusetzen. Sie sei mit Freunden zur Kundgebung gekommen, um den Pegida-Demos etwas entgegen zu setzen. Auch Bayhan Caffer, der aus der Türkei stammt und seit 44 Jahren in Deutschland lebt, hat Sorgen, dass der Rassismus zunimmt. Der Stuttgarter hat sich einen Button mit einer Friedenstaube an die Jacke gesteckt.

Die meisten offiziellen Redner gingen auf die aktuellen Entwicklungen seit der Silvesternacht ein. So sagte die Vorsitzende des Landesfrauenrats, Manuela Rukavina: „Wir verbitten uns als Frauen, dass sich solche rechtspopulistischen Gruppen und Anhänger immer nur dann für Frauen einsetzen, wenn man diese als Instrument im Kampf gegen Minderheitenrechte nutzen kann.“ Ihr werde es übel, wer sich zur Speerspitze der Rechte der Frau aufschwinge, sagte Rukavina und nannte Pegida und die AfD. Letztere ist die einzige Partei, die dem Bündnis nicht angehörte.

Arbeitgebervertreter verlangt ehrliche Antwort

„Ob es sich um feige Brandanschläge auf Asylbewerberheime, Jagd auf Ausländer oder um sexistische Gewalt handelt: Wir zeigen dem die rote Karte“, betonte Frank Otfried July, der evangelische Landesbischof. Wer das „Abendland“ verteidigen wolle, solle nicht „gotteslästerlich hinter schwarz-rot-goldenen Kreuzen herlaufen“, sondern an das Gebot und die Tradition der Nächstenliebe denken, forderte July. „Aggressive Abgrenzung und verweigerte Barmherzigkeit“ seien „nicht akzeptabel“, sagte auch Martina Kastner, die Vorsitzende des katholischen Diöseanrats Freiburg.

„In unserer Gesellschaft ist kein Platz für Rassismus, Diskriminierung, Sexismus oder gar Gewalt in jeglicher Form“, machte zudem Arbeitgebervertreter Stefan Wolf klar. Der Vorsitzende von Südwestmetall verlangte aber eine „ehrliche Antwort“ darauf, „ob irgendwann unsere Kapazitäten erschöpft sind und unser gesellschaftlicher Zusammenhalt unter den Belastungen leidet“. Wer sage, „wir schaffen das, muss auch sagen wie“, sagte Wolf in Richtung von Kanzlerin Angela Merkel.

OB Fritz Kuhn (Grüne) verfolgte die Kundgebung von ganz vorne bei der Bühne. Er war von der Eröffnung der Urlaubsmesse CMT zum Schlossplatz geeilt. „Stuttgart ist die Stadt der Integration, da halte ich es für wichtig, dass die Stadt ein Zeichen setzt.“ Integration sei auch mit Anstrengungen verbunden, so Kuhn. „Aber die meisten wollen sich integrieren.“

 

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32 KommentareKommentar schreiben

@Uwe Iber: Sie schreiben, vielen gehe es gar nicht um Frauenrechte und den Schutz der Frauen vor sexuellen Übergriffen, sondern darum, eine Legitimation für Ihre Fremdenfeindlichkeit zu erhalten. - Das lässt sich mit Leserkommentaren hier belegen: Da kritisiert eine Frau (bis dahin die einzige Frau bei den Kommentaren zu dem Artikel Leserreaktionen) die Prostitution und die Gesetzgebung und „dass Pornos, in denen Frauen erniedrigt werden, legal sind.“ Sie schreibt „Das bestärkt Männer, die als Machos erzogen worden sind.“ Die Reaktion von den männlichen Leserkommentatoren: Ihr wird unterstellt, sie „vergleiche“ die legale Prostitution mit den Ereignissen in Köln, was sie überhaupt nicht gemacht hat. Das sei eine Verhöhnung der Opfer. Dann weiter – ZITAT1: „Tatsache ist doch das die Frauen die in diesen Pornos mitmachen, dies freiwillig tun und das ist ganz alleine ihre Sache und ist auch legal !!!“ Also wenn Frauen in erniedrigenden Situation dargestellt werden, ist das in Ordnung? ZITAT2: „Pornografie ist auch legal !!! ++ Hier den Staat aufzurufen das zu verbieten geht doch weit, … dann ade Demokartie und die grundrechtlich Garantie auf die Freie Entfaltung = GG Artikel 2.“ Aha, Pornografie mit erniedrigten Frauen gehört also zur freien Entfaltung?! ZITAT3: „Das versaut den Mädels die legal und freiwillig Ihrem Job nachgehen die Preise. D a s ist das was ich zu kritisieren habe.“ ZITAT4: „Wenn alle bestehenden rechtlichen Limitierungen eingehalten werden, gibt es weder moralisch noch rechtlich, einen Grund den Kunden irgendwie dämlich zu kommen!“ ZITATE-ENDE Schon interessant, was manche der Männer so denken, die sich in den Kommentaren hier angeblich für Frauenrechte einsetzen.

Diese komische Demo geht mal wieder in die falsche Richtung! : Sie richtet sich wie immer gegen böse Deutsche, die es wagen, die massive Ausländergewalt für ihre Zwecke zu "missbrauchen"!

81 Organisationen und nur knapp 7000 Mennschen : so hat jede Organisationen knapp 86 Mitglieder auf die Beine gebracht Wahnsinn ! Die schweigende Mehrheit wird wohl am 13.03 bei der nächsten Landtagswahl der Politik "wir schaffen das " einen Abfuhr erteilen . Die Gutmenschen auf dem Schlossplatz müssen auch nicht jeden Tag die Auswirkungen dieser verfehlten Asylpolitik ertragen .

ulrichruth@gmx.de: Wir sind nicht Köln! Toll, so ein Spruch, aber leider gilt: Köln ist überall!

Heuchelei: Mehrere tausend Frauen mehrheitlich nicht-deutscher Nationalität werden hier in Deutschland jedes Jahr Opfer von Zwangsprostitution. Wer empört sich darüber? Und wohin weisen wir die deutschen Männer aus, die dieses menschenverachtende Spiel mitspielen? Den vielen hier, die meinen, im Namen der in Köln belästigten Frauen einen härteren Kurs gegen „die Flüchtlinge“ fahren zu müssen, ist eine rassistische Denkweise vorzuhalten. Es geht ihnen nicht um Frauenrechte und den Schutz der Frauen vor sexuellen Übergriffen, sondern darum, eine Legitimation für Ihre Xenophobie zu erhalten. Wenn die Mehrheit der Deutschen sich allen Lebensbereichen so stark und eindeutig für den Schutz von Frauen vor sexueller Gewalt und sexistischen Übergriffen einsetzen würde, wäre die Hemmschwelle für Männer wesentlich größer ein solches Verhalten an den Tag zu legen. Unabhängig von ihrer Herkunft.

Bin kein Kenner der Szene: aber angesichts von Zeitungsberichten über die Strukturen im Bereich Zwangsprostitution könnte eine Empörung als rassistisch gedeutet werden. 2013 gab es 625 Tatverdächtige. 77% Männer. Herkunfts- länder: 176 aus Deutschland, davon 31 nicht in D geboren. Über die in D Geborenen möchte ich nicht weiter spekulieren. Bulgarien: 144, Rumänien 93, Afrika 20. Die Kundschaft wird auch nicht nur aus Schrumpfgermanen bestehen. Empören Sie sich!

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