Lange Nacht der Museen in Stuttgart Lange Museumsnacht ohne Staatsgalerie

Adrienne Braun, 06.03.2013 10:31 Uhr

Stuttgart - Die Staatsgalerie Stuttgart wird sich nicht mehr an der Langen Nacht der Museen beteiligen. Am 16. März werden wieder neunzig Kunst- und Kulturinstitutionen bis in die Nacht geöffnet haben, Shuttlebusse werden die Besucherinnen und Besucher zu den verschiedenen Stationen und Veranstaltungen bringen. Die Staatsgalerie aber, die seit der ersten Langen Nacht der Museen vor 16 Jahren immer dabei war, vermeldet auf ihrer Homepage, dass das Haus an diesem Tag wie gewöhnlich um 18 Uhr schließen werde – auch wenn die Staatsgalerie in Vorankündigungen zur Museumsnacht noch als Teilnehmer auftauche.

„Die finanziellen Verluste sind für uns in einem schlechten Verhältnis zum nachhaltigen Besuchererfolg“, erklärt Dirk Rieker, der kaufmännische Geschäftsführer der Staatsgalerie. Er moniert, dass die Museen enorme Kosten und viel Aufwand durch die Organisation hätten und sich durch ihre Angebote auch inhaltlich für das Gelingen der Langen Nacht einsetzten. Davon profitiere aber vor allem der Veranstalter.

Die Aufteilung der Einnahmen sei nicht nachvollziehbar

Die Lange Nacht der Museen und die Kulturnacht im Herbst wird vom PV Projekt Verlag veranstaltet, der das Stadtmagazin „Lift“ herausgibt. Die „Aufteilung der Einnahmen durch ,Lift‘“ seien „nicht nachvollziehbar und nicht angemessen“, meint Rieker. Deshalb sei es „nur konsequent“, die Teilnahme zu beenden.

25.000 bis 30.000 Besucherinnen und Besucher kommen jährlich zur Langen Nacht der Museen, der Eintritt kostet pro Person 16 Euro und beinhaltet freien Eintritt in sämtliche Häuser und freie Fahrt in den Bussen. Die Museen erhalten einen Anteil von jenen Karten, die bei ihnen im Haus verkauft werden. „Damit sollen die Häuser belohnt werden, zu denen mehr Leute kommen“, sagt Gerald Domdey, der Geschäftsführer des Verlags. In den Vorjahren gab es allerdings Kritik, weil der zentrale Knotenpunkt der Veranstaltung an der Planie lag – und mehr Karten im Landesmuseum und im Kunstmuseum gekauft wurden als in den außerhalb liegenden Häusern. „Deshalb haben wir schon 2012 mehrere Knotenpunkte eingerichtet“, sagt Domdey. Davon habe die Staatsgalerie profitiert – und fünfzig Prozent mehr Karten verkauft als in den Vorjahren.

Domdey bedauert, dass die Staatsgalerie nun dennoch aussteigt. Die Entscheidung sei in der Zeit vor dem Amtsantritt der neuen Direktorin Christiane Lange gefallen. Aber so wichtig das Museum für die Stadt und die Veranstaltung sei, „wir werden das System jetzt nicht über den Haufen werfen“, sagt Domdey, „zumal der Vorverkauf sehr gut ist in diesem Jahr“.

„Für uns ist das ein Supermarketing“

Domdey lässt keinen Zweifel: „Wir sind eine Firma, die nur überleben kann, wenn Geld verdient wird.“ Bei den Museumsnächten gebe es „Jahre, wo etwas hängen bleibt und Jahre, wo es mehr oder weniger aufgeht“. Wichtiger sei für den PV Projekt Verlag aber der Werbeeffekt. „Für uns ist das ein Supermarketing.“ Aber auch die Museen würden von der Langen Nacht der Museen profitieren, „auch wenn sie wissen, dass nicht die Kassen klingeln“. So hätten mehrere Untersuchungen der Umbra Markt- und Sozialforschung ergeben, dass die Lange Nacht der Museen eine Art Türöffner ist – und viele Besucher nach diesem ersten Kontakt häufiger kämen. „Das bestätigen auch Umfragen aus anderen Städten“, sagt Domdey, „und die Häuser in der Stadt merken das auch.“

Dirk Rieker sieht dagegen keinen „nachhaltigen Besuchererfolg“ für die Staats­galerie und hält die eigenen Kunstnächte, die man veranstaltet, für sinnvoller. „Unsere Besucher schätzen dieses Angebot und kommen regelmäßig wieder.“

Eine Stellungnahme, ob Riekers Entscheidung auch im Sinne der neuen Direktorin Christiane Lange ist, gibt es derzeit nicht. Gerald Domdey will alsbald den Kontakt zu ihr suchen und ist zuversichtlich, dass die Staatsgalerie 2014 wieder dabei sein könnte. „Wir werden einen neuen Anlauf nehmen“, sagt er und macht deutlich, dass die Lange Nacht in Stuttgart anders als in anderen Städten „keine Halligalliparty ist“, sondern auf Inhalte setze. „Wenn nur Partypublikum käme, wäre die Veranstaltung nach drei Jahren tot.“

 
 
Kommentare (5)
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MRZ
07
ad, 09:27 Uhr

Falsche Entscheidung, falscher Zeitpunkt!

Ich halte die Entscheidung der Staatsgalerie für falsch aus folgenden 2 Gründen: 1. Stuttgart ist eine dynamische Stadt mit einem breiten kulturellen Angebot. Gerade deswegen ist es wichtig daß sich ein öffentliches Haus den Jungen, Bilungsfremden und Zugezogenen mit einem niederschwelligen Angebot bekannt macht und sein Portfolio aufzeigt. Dies ist ein öffentlicher Auftrag! 2. Nur noch im eigenen Saft zu köcheln und nur noch Programm für Bestandsbesucher zu machen ist mittelfristig der Tod einer solchen Institution. Mein Rat: Geht raus, seid jung und frech und zeigt euch! Dann kann Hochkultur auch in Zukunft in Stuttgart eine Daseins-Berechtigung haben, denn das sind die Besucher der Zukunft!

MRZ
06
derwolf, 12:52 Uhr

Man sollte den Wert dieser Veranstaltung nicht in Zahlen messen. Es ist für die Museen und die Stadt vielmehr eine wunderbare Möglichkeit, den Menschen die Kunst und die Kultur in Stuttgart auf eine erfrischende Art und Weise näher zu bringen.

Ich finde es übrigens bemerkenswert das der Entschluss der Staatsgalerie erst jetzt bekannt wird. Außerdem würde ich gerne wissen, wer diese Entscheidung getroffen hat. Denn das wird aus dem Artikel leider nicht ersichtlich. Vielleicht ist das letzte Wort ja noch nicht gesprochen ;-)

MRZ
06
Rempler, 12:47 Uhr

RICHTIG !

Diese Partyabende sind für ein Haus wie die Staatsaglerie völlig unsinnig. Es geht beim trendigen Museums-Hopping darum, möglichst viele Locations abzuhaken. Ums Dabeisein. Die Inhalte der Galerien und Museen sind eher unwichtig. Für ein Haus mit Niveau kann es nur heissen : Schluss mit dem Unfug.

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