InterviewLeben in Kabul Musiker Pouya: „Gerade ist es die Hölle“

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Der Musiker Pouya lebt seit fast drei Wochen wieder in Kabul. Er ist freiwillig ausgereist, um nicht abgeschoben zu werden. Er hält sich versteckt, um zu überleben. Ohne die Hilfe von Freunden könnte er sich nicht einmal mit Essen versorgen.

Pouya in seinem ersten Hotel in Kabul, in dem er längst nicht mehr ist. Er wechselt seinen Aufenthaltsort aus Scherheitsgründen häufig. Foto: Ginthör
Pouya in seinem ersten Hotel in Kabul, in dem er längst nicht mehr ist. Er wechselt seinen Aufenthaltsort aus Scherheitsgründen häufig. Foto: Ginthör

Kabul - Am 20. Januar hat der Musiker Ahmad Shakib Pouya Deutschland verlassen. Der Afghane wollte so seiner bevorstehenden Abschiebung zuvorkommen. Der 33-Jährige war 2008 aus seinem Heimatland geflüchtet und 2010 nach Deutschland gekommen. In Herat arbeitete er in der Klinik einer französischen Organisation. Zudem hatte er sich als Künstler exponiert und war so ins Visier der Taliban geraten. Sein Asylantrag wurde jedoch abgelehnt. Pouya gilt als bestens integriert in Deutschland. Er arbeitete für die IG-Metall in Frankfurt in der Flüchtlingsberatung und stand bei den Opernprojekten des Vereins „Zuflucht Kultur“ auf der Bühne. In Kabul versucht er nun zu überleben – und wartet auf die Bearbeitung seines Visums. Denn er will zurück nach Deutschland zu seiner Frau und seiner Arbeit.

Herr Pouya, Sie sind jetzt die dritte Woche in Kabul. Erst am Dienstag sind bei einem Selbstmordanschlag auf das oberste Gericht 20 Menschen ums Leben gekommen, viele Menschen wurden verletzt. Wie geht es Ihnen?
Es geht. Zum Glück bin ich immer noch am Leben.
Wie leben Sie denn gerade?
Es ist nicht leicht, mit Angst und Zittern zu leben. Aber irgendwie ertrage ich die Zeit.
Wie sehen Ihre Tage in Kabul aus?
Ich versuche, mich gut zu verstecken. Und ich teile die Informationen und Berichte über die Situation in Afghanistan auf Facebook, damit die Leute wissen, wie die Lage im sicheren Herkunftsland Afghanistan ist. Gerade ist es die Hölle. Mit Sicherheit hat es nichts zu tun.
Trauen Sie sich dann überhaupt raus?
Leider kann ich nicht auf die Straße gehen. Wenn ich das tue, müsste ich mit einem gepanzerten Auto unterwegs sein. Aber auch das ist nicht sicher.
Wie versorgen Sie sich dann?
Leider lebt niemand von meiner Familie hier. Bekannte helfen mir beim Einkaufen, damit ich etwas zu essen bekomme. Aber mehr können sie wegen der Sicherheitslage nicht für mich tun.
Wovon leben Sie?
Ich kriege ein bisschen Unterstützung aus Deutschland. Ohne die könnte ich hier nicht überleben. Ich kann hier auch sonst nichts tun ohne die Unterstützung durch Bekannte.
Haben Sie noch Kontakt zur deutschen Botschaft?
Nein. Ich warte auf ihren Anruf.
Was bekommen Sie von der Situation und der politischen Diskussion in Deutschland mit?
Ich habe leider keine Informationen aus Deutschland. Ich weiß jedoch, dass viele Menschen, Freunde und ein paar Politiker mir helfen wollen. Was aber genau geschieht, weiß ich nicht.