Legionellen im Trinkwasser Viele Vermieter gehen auf Tauchstation

Von Hildegund Oßwald 

Die Idee ist gut, doch bei der Umsetzung hapert es offenbar gewaltig: Warmwasseranlagen sollen auf Legionellen getestet werden. Aber der Aufwand dafür ist ziemlich groß – und viele Haus- und Wohnungseigentümer machen noch nicht mit.

Legionellen können beim Duschen gefährlich werden. Foto: AP
Legionellen können beim Duschen gefährlich werden.Foto: AP

Stuttgart - Die neue Trinkwasserverordnung zum Schutz vor Legionellen schlägt bei Vermietern weiterhin hohe Wellen und verursacht beim Gesundheitsamt jede Menge Überstunden, paradoxerweise droht sie aber in Stuttgart dennoch zum Flop zu werden. Der Grund: viele Vermieter gehen bisher beim Thema Warmwassertest auf Tauchstation, weil ihnen die Sache offensichtlich zu kompliziert und der Aufwand zu groß ist. Nach mehr als einem halben Jahr seit der „unverzüglichen“ Meldepflicht sind beim Gesundheitsamt erst gut 3000 größere Warmwasseraufbereitungsanlagen angezeigt und erst von 200 Gebäuden Prüfbefunde vorgelegt worden. In jedem vierten Fall muss nachgebessert werden.

Das Amt erwartet mittlerweile nicht nur geschätzte 10 000 Anzeigen von Warmwasseranlagen mit mehr als 400 Litern in vermieteten Gebäuden, sondern bis zu 30 000. „Es kommen täglich weitere Anzeigen hinzu, es gibt täglich auch 20 bis 30 Telefonanfragen sowie E-Mails zu der Problematik, aber es läuft insgesamt schleppend. Die Leute warten offenbar ab, ob es noch Veränderungen gib“, sagt Erich Zeller vom städtischen Gesundheitsamt. Denn beim Bundes­gesundheitsministerium plant man bereits Korrekturen an der neuen Ver­ordnung, die aufgrund ihrer vielen Vorgaben und knappen Fristen im Praxistest zu scheitern droht, Hausbesitzer wie Ämter überfordert. Im September wird sich der Bundesrat damit befassen. Nach Auskunft des Vereins Haus & Grund soll unter anderem die Anzeigepflicht möglicherweise ganz aufgehoben und die Prüffrist bis 31. Dezember 2013 verlängert werden. Bis jetzt gilt, dass die Prüfbefunde bereits bis zum 31. Oktober dieses Jahres beim Gesundheitsamt vorliegen müssen. „Wenn ein Mieter sich ab 1. November bei uns meldet und sagt, mein Vermieter hat die Anlage nicht geprüft, dann muss das Gesundheitsamt tätig werden“, erläutert Zeller die bisherige Rechtslage, die offensichtlich vielen Vermietern so gar nicht bewusst ist.

Der Aufwand für die Eigentümer ist hoch

Dass erst von 200 Gebäuden Prüfbefunde zur Warmwasseranlage vorliegen, führt Zeller auf den hohen Aufwand zurück. So müssten größere Hausverwaltungen erst Ausschreibungen machen und klären, wer die Proben nimmt und prüft. Und viele Eigentümergemeinschaften müssten erst eine Versammlung einberufen, denn auch wenn nur einzelne Wohnungen im Haus vermietet seien, bestehe eine Untersuchungspflicht. „Da gibt es viel Ärger, wenn Eigennutzer dafür nicht bezahlen wollen, dazu gehen oft Fragen ein“, so Zeller.

Beim Verein Haus & Grund heißt es allerdings, dies sei in der Beratung kein Thema. „Unsere Meinung ist aber, das sind Kosten der Gemeinschaft, weil ja alle vom Ergebnis profitieren“, sagt Geschäftsführer Ulrich Wecker. Auch habe die eigene Hausverwaltung eine klare Linie beim Thema Trinkwasserverordnung gezogen, um gar nicht erst Unruhe aufkommen zu lassen. Wecker: „Wir lassen durchgängig prüfen, egal ob vermietet ist oder nicht, weil wir ja nicht wissen, ob übers Jahr nicht doch ein Eigentümer anfängt zu vermieten.“ Zudem kooperiere man mit einem Institut, das den Vermietern alle Mühen von der Anzeigepflicht der Anlage bis zur Proben­entnahme und -prüfung sowie der Ergebnismeldung ans Amt abnimmt.

Das Prozedere ist kompliziert

Dieser Aufwand ist es mitunter, der viele abschreckt. Schon allein die keimfreie Probenentnahme ist eine Prozedur, die auch die Innung Sanitär und Heizung stark gefordert hat. „Wir haben umfassend geschult, die Betriebe sind inzwischen gut vorbereitet auf die Trinkwasserverordnung“, sagt Wolfgang Treiber von der Innung Stuttgart. Im Schnitt müssten pro Anlage drei Probeentnahmestellen eingebaut werden, genommen würden die Proben dann meist von speziellen Labors. Bei Vermietern wie Hausverwaltern habe es zunächst große Unklarheiten über das Prozedere gegeben, noch immer kämen Anrufe. Dass jetzt an einer Novelle gearbeitet werde, sieht Treiber als „Wasser auf die Mühlen derjenigen, die bisher sagen, das hat seit 50 Jahren so funktioniert, wir warten ab“.

Die eigentlichen Probleme kommen auf die Handwerker aber erst noch zu. Was macht man, wenn sich herausstellt, dass die Warmwasseranlage mit Legionellen verkeimt ist und saniert werden muss? „Da laufen Schulungen, die Betriebe sind dabei, sich darauf vorzubereiten“, sagt Treiber. Einige Firmen hätten mit Sanierungen lange Erfahrungen, andere nicht.

Das Wasser sollte 60 Grad haben

Beim Gesundheitsamt sieht man die allgemeinen Erwartungen bezüglich 25 bis 30 Prozent auffälliger Anlagen bis jetzt bestätigt. „Von den 200 geprüften Gebäuden ist bei 150 die Wasseranlage okay, bei 50 muss man nachhaken, weil der technische Maßnahmewert von 100 Legionellen pro 100 Milliliter Wasserprobe erreicht oder überschritten ist“, sagt Erich Zeller. In vielen Fällen habe sich gezeigt, dass die Wassertemperatur zu niedrig sei, oft nur 45 Grad statt der empfohlenen 60 betragen habe. Zeller: „Viele Befunde sind aber auch bei niederen Temperaturen in Ordnung, das kommt immer auf den Einzelfall an. Nur wenn die Legionellen einmal da sind, kriegt man das Problem nicht in den Griff.“

Man habe bisher keine Anlage stilllegen müssen, habe aber viele Einzelmaßnahmen angeordnet, so Zeller. Das mache das Ganze für das Amt neben Anzeigenaufnahme und Informieren so arbeitsintensiv. So seien in einem Haus 25 Proben genommen worden, nur eine sei extrem auffällig gewesen. Die Ursache dafür sei ein Handwaschbecken in der Spitzgiebelwohnung gewesen, das selten benutzt wurde und daher verkeimt war. Keller: „Da haben wir empfohlen, die Wasserleitung in der darunter liegenden Wohnung abzutrennen und nur noch Kalt­wasser hochzuführen.“ Grundsätzlich empfehle sich als Faustregel, alle Warm­was­serstellen im Haus mindestens einmal pro Woche laufen zu lassen, um die Leitungen durchzuspülen.

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9 KommentareKommentar schreiben

@Balu59 Jaja, Kupfer.: Bis man dann feststellt, daß Kupfer giftig ist und dann kommt wieder der nächste Quatsch. Wissen Sie, was ich jetzt mache? Ein heißes Bad nehmen, damit Boiler und Leitung durchgespült werden.

Von wegen kompliziert: Die Probenahme ist eine Aktion, für die ein routinierter Probenehmer ca. 10 Minuten pro Probe benötigt - das meiste der Zeit geht für die erforderlichen Protokollnotizen drauf. Voraussetzung: es gibt die vorgeschriebenen Entnahmestellen. Aber ansonsten überhaupt kein Problem. Ein Problem ist eher, wenn durch unsachgemäße Steuerung des Warmwasserkreislaufes Mikroorganismen gedeihen können, die effektiv eine Gesundheitsgefährdung darstellen - wie z.B. die Legionellen. Und auch nach vorheriger Aufbereitung des Trinkwassers kann bis zum Verbraucher durch die überall vorkommenden Mikroorganismen wieder eine Verunreinigung erfolgen. Also nicht jammern - machen!!

So ein Unsinn: Es wäre sicher kein Problem die Warmwasseranlagen so zu konfigurieren da sie einmal wöchentlich/monatlich das gesamte Umlaufwasser z. B. Nachts auf über 60° aufheizen um so etwaige Keime unschädlich zu machen, somit wären die Prüfungen obsolet! In meiner Wohnung habe ich eine Stockwerksterme, und der Heizungsprüfer selbst gab mir diesen Tip das man nicht andauernd das Wasser so heiß halten muss, sondern ich ab und an mal die Temperatur hochdrehen solle und so Gas spare! Außerdem, meinte er, setzen sich Legionellen nicht fest so lange das Wasser bewegt und verbrauch wird! Soweit ich weiß duschen die meisten Menschen Heutzutage täglich!?

Legionellen: @Legionelle of Death, die Handwerker sind eben nicht erfreud einerseits ist es eine kontrolle wie der Trinkwassererwärme ausgelegt ist (größe), dann hängt es vom Betreiber ab mit welcher Temperatur er ihn betreibt empfolen wird 60°, wird er darunter betrieben vermehren sich die Legionellen, dann würde eine Spezielle Steuerung benötigt die den Speicher in interwallen auf mindestens 60° aufheizt um die Legionellen wieder auf ein mindestmass absterben lassen. Im übrigen befinden sich die Legionellen auch im Kaltwasser bei einer fachlich richtig installierten Anlage. Hier geht es um die Menge der Legionellen im Trinkwasser. Mir erschließt sich nicht wie an einem Handwaschbecken, im Dachgeschoss, geduscht werden kann. Da der Wasserstrahl ja gebündelt ist und es relativ wenig Tröpfchenbildung geben kann den man dann auch noch einatmen muß. Beim Gesicht waschen unter fliesendem Wasser, schließt man den Mund und Atmet beim Waschen auch nicht durch die Nase, ich auf jeden fall nicht. Abhilfe wäre auch das was im Bericht schon geschrieben ist, das Warmwasser ein paar Minuten laufen zu lassen dies wäre auch gut gewessen vor der entnahme der Probe und auf wundersamer weise wäre die Entnahmestelle nicht zu Beanstanden. Die Legionellen wären den Ablauf-Tod gestorben. Im übrigen hängt das Legionellenproblem nicht nur mit dem Trinkwassererwärmer zusammen sondern auch an der gesamten Hauswasserinstallation, Stillgelegte Leitungen bei Badumbauten oder Raumänderungen desweiteren spielt auch das Rohrmaterial an sich eine wichtige Rolle. So sollen Kupferrohrinstallation des Legionellens tod sein (Laut Deutsches Kupferinstitut einfach mal Googlen). Meine persönliche Meinung: und wieder wird eine Sau durchs Dorf getrieben. Natürlich werden die neuen Erkenntnisse bei Neubau und Umbau umgesetzt schon seit jahren bzw Jahrzente den so lange weis man schon von den Legionellen. Man weis aber auch das meist nur die Schwachen also ältere, kranke und Kinder betroffen sind, wenn sie überhaupt mit einer Ansammlung von Legionellen in Berührung kommen und dann müßen sie dies nicht nur Trinken was unbedenklich ist sondern Einatmen und in ihre Lungen bekommen.

V wie Viel Blabla: Ja, tatsächlich, die Menschheit existiert immer noch. Bitte richten Sie Ihre tröstenden Worte an die Hinterbliebenen der Bedauernswerten, die nach ihrer Legionellenerkrankung nun nicht mehr 'existieren'. Vielleicht wollten Sie mit Ihrem Kommentar aber auch nur ein gewisses Grundwissen unter Beweis stellen, nach dem Motto: 'Herr Lehrer, Herr Lehrer ich weiß was, und ich bin auch viel schlauer als der Zeitungsonkel'!

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