Leichtathletik Am Ehrentag lässt er das Training sausen

Von Nathalie Mainka 

An seinem runden Geburtstag hat er sich einen trainingsfreien Tag gegönnt. Edmund Schlenker feierte am Donnerstag im Kreise der Familie seinen 70sten. Doch schon am nächsten Tag saß der Läufer wieder auf dem Rad. Zu Fuß geht’s bei dem Heimsheimer Langstreckenspezialist derzeit nicht so rund. Vor drei Wochen hat es ihn unterhalb der Wade erwischt. Trotzdem startet er am 6. September bei der Berglauf-WM.

Edmund      Schlenker in seinem Element. Foto: Andreas   Gorr
Edmund Schlenker in seinem Element. Foto: Andreas Gorr

Heimsheim - An seinem runden Geburtstag hat er sich einen trainingsfreien Tag gegönnt. Edmund Schlenker feierte am Donnerstag im Kreise der Familie seinen 70sten. Doch schon am nächsten Tag saß der Läufer wieder auf dem Rad. Zu Fuß geht’s bei dem Heimsheimer Langstreckenspezialist derzeit nicht so rund. Vor drei Wochen hat es ihn unterhalb der Wade erwischt. „Ich denke, das sind Bänder, die überdehnt sind, das geht Richtung Achillessehne “, sagt Schlenker. Wenn er in die Pedale tritt, könne er wenigstens seine Oberschenkelmuskulatur und das Herz-Kreislaufsystem fordern. Denn das braucht der Jubilar am 6. September, wenn im österreichischen Telfes die Weltmeisterschaften im Berglauf stattfinden. 7,2 Kilometer und 760 Höhenmeter werden dort gefordert sein. Edmund Schlenker hatte im Stubaital eigentlich mit dem Titel spekuliert. „Doch mit meiner Verletzung weiß ich nicht mal, ob ich die Chance habe, durchzukommen.“

Bereits im Juni, bei der deutschen Meisterschaft in Aichach über 10 000 Meter auf der Bahn, musste er wegen einer Wadenverletzung aufgeben. Dabei hatte er sich in diesem Jahr, seinem ersten in der Altersklasse M 70, vorgenommen, sämtliche Titel zu holen und Rekorde zu brechen. Einiges ist ihm auch schon gelungen. So ist er zweifacher Deutscher Meister (im Crosslauf sowie im Halbmarathon) und dreifacher Landesmeister (Berglauf, 3000 Meter in der Halle und im Crosslauf). Begonnen hat Edmund Schlenker erst recht spät mit dem Laufen. „Damals war ich 38 Jahre und hatte eine Scheidung hinter mir.“ Ein Nachbar nahm ihn erstmals zum joggen mit. Der Heimsheimer hatte so viel Spaß und entwickelte schnell Ehrgeiz, auch weil er merkte, dass was voran ging. Den ersten Marathon lief er 1981 im Bühlertal in spektakulären 2:47 Stunden. In den 35 Jahren, die er nun schon aktiv ist, hat der ehemalige Justizbeamte, der in der Vollzugsanstalt in Heimsheim in der Verwaltung arbeitete, 34 Deutsche Meistertitel in den unterschiedlichsten Disziplinen errungen. Sein schönstes Erlebnis waren 1999 die Marathon-Weltmeisterschaften in Australien. In Brisbane holte er bei 33 Grad den Titel. Nach 2:43 Stunden blieb die Uhr stehen. Seine Bestzeit mit 2:26 Stunden über die 42 Kilometer war er in den 80er Jahren gelaufen.

Edmund Schlenker tanzt in seiner Familie aus der Reihe. „Meine drei Geschwister haben mit Sport nichts am Hut“, sagt er und lacht. Vielleicht habe er seine Zähigkeit von der Mutter geerbt, die mit 93 Jahren verstorben ist. Vier Kinder hatte sie alleine aufgezogen. Seinen Vater, der nicht aus dem Krieg zurückkam, hatte er nie kennengelernt. Geboren ist Edmund Schlenker 1944 in Westpreußen. Die Mutter flüchtete mit ihren Kindern 1945 mit einem der letzten Schiffe über Danzig nach Dänemark. Zunächst landete die Familie in Kiel, dann in Dürrenstetten auf der Schwäbischen Alb. Später zogen sie nach Münsingen. Damals spielte der Schlenker in der Kreisklasse B Fußball. Im Winter hatte er großen Spaß beim Skilanglauf. Geld für eigene Bretter war nicht vorhanden. Also lieh er sich welche vom Verein. „Kondition hatte ich schon immer, ich wurde Jugend- und Juniorenmeister.“ Beruflich verschlug es ihn dann nach Heimsheim.

Jetzt hofft Schlenker, dass die Bänder bei der Berglauf-WM halten. Am 18. Oktober will er dann bei den deutschen Berglaufmeisterschaften in Bergen starten, und am 27. September bei den Landesmeisterschaften über zehn Kilometer im badischen Eschenbach.