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Leonberg-Eltingen Kaputte Häuser nach Erdwärme-Bohrung

Michael Schmidt, vom 08.08.2011 19:20 Uhr
In Leonberg-Eltingen sind die Häuser nach einer Erdwärme-Bohrung regelrecht zerrissen. Foto: dpa
In Leonberg-Eltingen sind die Häuser nach einer Erdwärme-Bohrung regelrecht zerrissen. Foto: dpa
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Leonberg - Mit der Nachtruhe ist es für Rüdiger Braun nicht weit her gewesen. Urplötzlich habe sich mit lautem Knarren und Krachen das Haus bewegt, berichtet Braun: Kacheln sprangen von der Wand, das Laminat im Wohnzimmer zerriss, den Rissen in der Wand habe man beim Wachsen zusehen können. "Es hat richtige Schläge getan", sagt der Mann aus Leonberg-Eltingen (Kreis Böblingen). Braun ist nicht der Einzige, dessen Haus beschädigt ist. Innerhalb von zwei Tagen sind Ende Juli erhebliche Gebäudeschäden in der Thomas-Mann-Straße entstanden. Für die geschädigten Bewohner liegt die Ursache auf der Hand: Schuld seien die Bohrmaschinen auf dem Grundstück eines nahe gelegenen Hauses. Dort war nach Erdwärme gesucht worden.

Vor rund zwei Wochen rückte eine riesige Spezialbohrmaschine in der Thomas-Mann-Straße an. Drei Tage später wurden die Nachbarn jäh aus dem Schlaf gerissen, in den darauffolgenden Tagen sackte die Erde um mehrere Zentimeter ab, im besten Fall neigten sich Häuser wenige Zentimeter, im schlimmsten Fall durchziehen Risse die Häuser vom Keller bis zum Dachstock und gefährden die Statik. Der Schaden könnte in die Millionen gehen. Inzwischen haben sich 24 betroffene Hausbesitzer gemeldet.

Entsetzt und verwundert

Das Landratsamt Böblingen hatte die Erdbohrung einer Renninger Spezialfirma genehmigt. Sie ist auf rund 80 Meter Tiefe begrenzt und sei die erste von bisher rund 700 im Kreis, bei der "unmittelbar danach solche Schäden auftreten", teilte die Behörde mit. Auch für die Bohrfirma, die seit 1974 Erdbohrungen für Geothermie-Anlagen anbietet, hat es noch nie Probleme gegeben. Der Geschäftsführer Sebastiano Ragusa ist entsetzt und verwundert: So etwas sei der Firma, noch nie passiert. Zur möglichen Ursache will der Geschäftsführer nichts sagen, bevor Gutachter zu einem Urteil gekommen sind.

Auf deren Expertise wartet nun auch das Landratsamt. Bevor sie nicht vorliege, könne weder die Ursache noch die Haftung bestimmt werden, so das offizielle Statement der Behörde, die eben jene Gutachter eingeschaltet hat. Auch das Landesbergamt in Freiburg hat Fachleute in die Eltinger Thomas-Mann-Straße entsandt. Die Behörde hätte eigentlich erst bei einer Bohrung, die tiefer als 100 Meter geht, eingeschaltet müssen. Doch weil in Leonberg offenbar einiges schiefgelaufen ist, sind die Freiburger trotzdem mit dem Vorfall betraut. Für den Stadtrat Bernd Mörk ist die Sache hingegen längst klar: "Die Schäden hätten vermieden werden können, hätten dort keine Sondenbohrungen stattgefunden", sagt der scheidende Fraktionschef der Neuen Liste.

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Kommentare (32)
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AUG
22
18:14 Uhr, geschrieben von Bernd
Erdwärme
Ich habe seit 2004 eine 150m tiefe Bohrung vor dem Haus. Bislang habe ich ausser den üblichen Setzungsrissen keine Schäden feststellen können. Dumm ist, daß die anderen Energieversorger dieses Risiko wohl zukünftig in ihrer Preisgestaltung berücksichtigen werden, was heisst, daß es noch teurer wird, zu heizen.
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AUG
13
20:13 Uhr, geschrieben von Bergfan
Alles aus der Erde
@ Berggeist, klar hast Du recht das Raubbau an der Erde getrieben wird. Aber es stimmt nun einmal auch, dass wir beinahe alles aus der Erde für unser täglichen Bedarf herausholen. Egal ob Öl, Gas, Erdwärme. Auch für unsere Lebensmittelproduktion wird die Erde "ausgelaugt". Die betrifft aber auch Silizium für Solarzellen, Eisenerze für Winkraftanlagen, Zement für Stauseen. Auch Dein PV von dem Du deinen Kommentar geschrieben hast, stammt zu 100% aus Material, welches aus den Tiefen unserer Erde stammt. Seltene Erden für Handys, Glas für Fenster, Eisen & Kupfer für Stomleitungen, Gold für PC-Leiter, Kies und Sand für den Hausbau, usw., Die Erde hat erst dann ihren "Frieden", wenn der Mensch von ihr verschwindet. So ärgerlich der Fall in Leonberg ist, aber durch Erdwärme ist noch kein Mensch verletzt oder geötet worden, ganz im Gegensatz zu den derzeit am häufigsten genutzen Heizungsarten (Gas, Öl, Holz). Jedes Jahr sterben Handwerker, weil sie vom Dach bei der Insallation einer Solaranalge abstürzen. Risiko ist also immer relativ zu sehen.
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AUG
12
13:05 Uhr, geschrieben von +/-
Erdwärmenutzung und Risiken
aus eigener Erfahrung würde ich NIEMALS mehr diese Energiequelle in Erwägung ziehen und auch niemandem anraten diese zu nutzen. Als Bauherr, der NICHTS, aber auch GARNICHTS von Gesteinsschichten, Bohrungen, etc. versteht bangt man um sein noch nicht mal genutztes Eigentum (weil noch im Bauprozess), die Kredite sitzen im Nacken, die genehmigende Behörde und das Bohrunternehmen weisen KATEGORISCH alle Schuld von sich und sprechen noch von dem Bauherrenrisiko im Bezug auf sein schuldenbelastetes Eigentum und für die Haftbarkeit für die Schäden Dritter!!! Mir stehen die Haare zu Berge! Da möchte man doch nur gleich von der höchsten Stelle des Behördenbaus in die Tiefe springen...
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