Genusswelt
Wein
 

Lesestoff Auswärtssieg

Holger Gayer, 26.04.2013 10:00 Uhr

Stuttgart - Ach, die Klischees. Ich weiß gar nicht, warum wir Schwaben immer wieder aufheulen, wenn uns irgendein daher gelaufener Thierse dumm von der Seite anmacht. Ich mag Maultaschen mit Trollinger und an Festtagen auch mal Rostbraten mit einem herzhaften Lemberger. Das sind Spezialitäten, die mir sagen, dass ich jetzt kein Hochdeutsch mehr simulieren muss, sondern einfach daheim bin.

Aufpassen muss man freilich, dass der Lokalpatriotismus nicht in Ignoranz oder gar Intoleranz abdriftet. Das gilt fürs wirkliche Leben – und für das genießerische auch ein bisschen. Man muss zum Beispiel nicht argwöhnisch sein, wenn sich ein badischer Winzer an einem Lemberger probiert. Im Fall von Philipp Plag kann man dessen Weine sogar zum Vorbild nehmen. Nachdem der Mann aus der Zonenrandgemeinde Kürnbach (liegt im Kraichgau an der imaginären Grenze zwischen Baden und Württemberg) beim Deutschen Lemberger-Preis schon zweimal aufs Podium gekommen ist, hat er in diesem Jahr mit seinem Excellance die Königsklasse „Barrique“ gewonnen. Im Blick auf das Preis-Leistungs-Verhältnis finde ich seinen 2010er Lemberger Premium S aber noch beeindruckender. Für 9,50 Euro bekomme ich da einen Wein, der sein volles Waldfruchtaroma mit dem Geschmack nach feinen Gewürzen kombiniert und damit sogar einen sparsamen Schwaben zu einem weiteren Schluck animiert.

Das Urteil der StZ-Weinrunde:

Kathrin Haasis Viel Wein fürs Geld bietet der Badener mit seinem Lemberger in der Tat. Er ist sehr dicht und kräftig und erinnert mich wegen seiner Johannisbeer-Noten an einen Cabernet. Leider hinterlässt er beim Abgang einen Bitterton.

Harald Beck Ein ziemlich bestimmender Vanilleton fällt bei dem Lemberger zunächst auf und eine gewisse bittere Schärfe hinten raus. Der Tropfen braucht viel Luft, dann wird die Sache beim zweiten Schluck runder. Bei dem Preis – alle Achtung.

2010er Lemberger Premium S, 9,50 Euro, Weingut Plag, Kürnbach, Telefon 0 72 58/234