Genusswelt
Wein
 

„Lesestoff“-Kolumne Großes Theater

Kathrin Haasis, 03.05.2013 11:00 Uhr

Stuttgart - An dieser Stelle machen wir ja jede Menge Theater um den Wein. Da passt es ausgezeichnet, dass auch das Stuttgarter Theaterhaus Wein macht. Vor fünf Jahren sind die Kulturschaffenden auf diese Idee gekommen – beim Weintrinken am Belegschaftstisch. Damals blühte hinterm Haus plötzlich ein Schuttberg auf, der vom Umbau des Gebäudes auf dem Pragsattel übrig geblieben war. „Es war eine Pracht“, erzählt der Theaterhaus-Chef Werner Schretzmeier, „darüber hinaus hat dieser Berg den ganzen Tag Sonne pur – wenn sie scheint.“ Wie es Vorsitzende von Fördervereinen gerne tun, hat Heinz Frank die Arbeit übernommen. Er ließ einige Tonnen Erde auf den Berg schütten und pflanzte 2008 die Sorte Muscat Bleu. Das ist schlau, denn dabei handelt es sich um eine frühreife und pflegeleichte rote Rebe, die gegenüber Pilzen wie Mehltau sowie kalten Temperaturen recht resistent ist.

Wie es sich fürs Theater gehört, hat der Muscat Bleu einen ganz eigenen Charakter. Er duftet sehr aromatisch, erscheint zunächst lieblich, entwickelt dann aber Kraft und Tiefe. Wer die Umwelt schützen will, sollte sich mit solchen Sorten auseinandersetzen. Sie brauchen im Gegensatz zu Mainstream-Gewächsen viel weniger Mittel bis zur Reife. Und Werner Schretzmeier liefert noch einen guten Grund für den Muscat Bleu: „Man trinkt nicht nur einen interessanten Wein, man unterstützt damit auch die Existenz des Theaterhauses.“

Das Urteil der StZ-Weinrunde:

Harald Beck Der Parfümduft ist heftig, das Aroma des Theaterweins nun wirklich ziemlich blumig-wild. Ein äußerst spezieller Tropfen, über dessen künstlerischen Wert man gut streiten kann. Ich würde ihn eher nicht abonnieren.

Holger Gayer Zum Glück hat das Theaterhaus auch andere Weine im Angebot, einen vernünftigen Weißburgunder vom Staatsweingut Weinsberg zum Beispiel. Dieser Muscat Bleu ist dagegen ein eklatanter Fall von Gsälz im Glas, den ich nicht brauche.

Monte Theaterhaus Muscat Bleu, 12 Euro, Theaterhaus Stuttgart, Siemensstraße 11, Telefon 07 11/4 02 07 20; www.theaterhaus.de