Lichtenwald Wer Atomkraft meidet, erntet Windkraft

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Eine Husumer Firma plant zwei 200 Meter hohe Windräder an der Südseite des Schurwalds. Die Gemeinde Lichtenwald, vor deren Toren die Windräder stehen sollen, würde im Vorfeld gerne ein Wörtchen mitreden.

Zwei geplante Windräder (wie auf unserem Beispielbild) entzweien Lichtenwald und das Landwirtschaftsministerium. Foto: Horst Rudel
Zwei geplante Windräder (wie auf unserem Beispielbild) entzweien Lichtenwald und das Landwirtschaftsministerium.Foto: Horst Rudel

Lichtenwald - Die Gemeinde Reichenbach ist uneingeschränkt für die Windkraft, die Gemeinde Lichtenwald im Prinzip auch. Was sich gleich anhört, ist dennoch etwas verschiedenes. Beim Bau zweier Windräder an der Grenze beider Gemeinden gibt es noch Abstimmungsbedarf – vorsichtig formuliert.

Denn Ferdinand Rentschler, der Bürgermeister von Lichtenwald, ist zornig und findet es unverschämt, dass die Gemeinde nicht zum Angebotsverfahren gehört wurde. Der Zankapfel liegt auf der Gemarkung von Reichenbach nahe der Risshalde, wo ein Windkraftgebiet geplant ist mit zwei großen Anlagen. Das Gelände liegt zwar auf der Markung Reichenbach, aber mitten im Staatswald und gehört somit dem Land Baden-Württemberg. Die Forstverwaltung des Landes hat nun der Husumer Firma WKN in Aussicht gestellt, an diesem Standort zwei Windräder bauen zu können. Dazu wurde die Gemeinde Lichtenwald nicht befragt.

400 Meter vom Naturfreundehaus entfernt

Die Windräder liegen 700 Metern von der Wohnbebauung Lichtenwalds entfernt, aber nur 400 Metern vom Naturfreundehaus, das über einen Campingplatz verfügt und auch als Schullandheim genutzt wird. Die Gemeinde ist sich sicher, dass dieser kleine Naherholungspark von den Windrädern in Mitleidenschaft gezogen würde. Außerdem würde dort der Rotmilan brüten, ein geschützter Greifvogel, den die Windräder ebenfalls beeinträchtigen könnten. Generell sei Lichtenwald nicht gegen die Windkraft, betont Rentschler, aber die Gemeinde wolle in das Verfahren eingebunden werden.

Genau das hat das Landwirtschaftsministerium zurückgewiesen. Das Vorgehen in Reichenbach entspreche einem Standardverfahren, dass bereits 40 Mal in Baden-Württemberg durchgeführt worden sei, heißt es in einer Stellungnahme. Weil das Gebiet auf der Markung von Reichenbach liege, sei Lichtenwald vom Angebotsverfahren ausgeschlossen gewesen. Selbstverständlich werde Lichtenwald gehört, wenn das Genehmigungsverfahren laufe. Die planungsrechtliche Grundlage liege beim Regionalverband Stuttgart, sagt das Ministerium weiter, zu dem auch Lichtenwald gehöre. Und auch das ist ein Ärgernis für Rentschler, denn vom Regionalverband sei er auch nicht informiert worden.

Bürgerbeteiligung ist geplant

Das Angebot, bei dem Rentschler gerne mitgesprochen hätte, hat die Firma WKN in Husum erhalten. Deren Pressesprecherin Catrin Petersen spricht von zwei Windkraftwerken vom Typ Nordex, die etwa 200 Meter hoch sind, die Höhe der Nabe liege in 140 Metern Höhe. Doch auch die WKN müsse erst das Genehmigungsverfahren abwarten. Es müsse nicht nur der Vogelschutz geprüft werden, sagt die Pressesprecherin weiter, das Unternehmen werde auch in die Bürgerbeteiligung gehen, um die Akzeptanz der beiden Windräder zu steigern. Die Husumer Firma hofft, die erforderlichen Genehmigung bis 2016 in der Tasche zu haben, im Jahr 2017 könne dann gebaut werden. Nicht vergessen dürfe man, sagt Catrin Petersen, dass die beiden Windräder Teil eines Nachhaltigkeitskonzepts seien, das die Gemeinde Reichenbach in Auftrag gegeben habe.

Dieses Konzept hat die Firma Zunag erstellt, und es besitzt in den Augen des Reichenbacher Bürgermeisters Bernhard Richter eine Menge Charme. Wenn die Windräder gebaut sind, kann die Gemeinde zusammen mit den Leistungen aus der Wasserkraft an der Fils tatsächlich ihren gesamten Strombedarf auf erneuerbaren Energien decken. „Wer gegen Atomkraft ist“, sagt Bernhard Richter, „der muss die Windkraft zulassen.“