KommentarLohnforderung im öffentlichen Dienst Keine Zeit für große Wünsche

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Verdi-Chef Bsirske und der Beamtenbund preschen vor: Sechs Prozent beträgt die Lohnforderung für den öffentlichen Dienst. Das ist eine Kampfansage mitten in der Flüchtlingskrise, die die Kommunen sehr belastet, wie Matthias Schiermeyer meint.

Verdi-Chef Frank Bsirske lässt keine Zweifel an seiner Entschlossenheit. Foto: dpa
Verdi-Chef Frank Bsirske lässt keine Zweifel an seiner Entschlossenheit.Foto: dpa

Stuttgart - Der Vergleich drängt sich auf: Während die vorsichtig gewordene IG Metall mit ihrer Lohnforderung in diesem Jahr über fünf Prozent nicht hinausgehen wird, lassen Verdi und der Beamtenbund im öffentlichen Dienst keine Zweifel am Vorwärtsdrang. Ihre sechs Prozent sind eine Kampfansage an die Arbeitgeber von Bund und Kommunen und eine Botschaft an die eigenen Reihen. Denn ohne massive Mobilisierung werden die Gewerkschaften kein Ergebnis erreichen, das die Beschäftigten zufriedenstellt. Verdi-Chef Frank Bsirske setzt wieder einmal voll auf Offensive. Das ist in jüngerer Vergangenheit nicht immer gut gegangen – erinnert sei nur an die Kita-Streikbewegung.

Flüchtlingskrise belastet die Kommunen schwer

Die Gewerkschaften erwischen die Kommunen in einer sehr brisanten Phase. Viele von ihnen sind hoch verschuldet; 51 Milliarden Euro betragen die Kassenkredite. Diesen Einwand kennen die Gewerkschaften zur Genüge, doch Reich und Arm driften immer weiter auseinander. Zudem haben die Städte und Gemeinden gerade noch größere Sorgen: die Flüchtlingskrise beansprucht sämtliche Kapazitäten und frisst neue Löcher in die Sozialhaushalte. Dagegen zu argumentieren, werden es Verdi und der Beamtenbund schwer haben. Die Leistung der Beschäftigten muss honoriert werden, aber eine moderatere Forderung wäre wohl taktisch klüger gewesen.

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2 Kommentare Kommentar schreiben

Wann hat einer der Kommentatoren: der Stuttgarter Zeitung mal die Tatsache, dass die Schere in diesem Lande in geradezu obszöner Weise auseinandergeht, zum Anlaß genommen, bei gewerkschaftlichen Lohnforderungen die Politik der letzten Jahrzehnte aufs Korn zu nehmen und sie daran zu erinnern, dass die Kommunen kein Geld haben, weil die Vermögenden nicht zur Kasse gebeten werden und sich den Gemeinschaftsaufgaben nahezu vollständig entziehen. Zur Adenauer-Zeit haben diese Herrschaften 95% Steuern gezahlt! Stattdessen wird in sich ständig wiederholenden und altgewohnter Manier die Forderung der Gewerkschaft für ad absurdum erklärt und das angesichts der Tatsache, daß die Löhne seit zwei Jahrzehnten stagnieren. Schämen sich diese Journalisten nicht? Warum werden diese Zusammenhänge nicht dargestellt?

Meine volle Zustimmung: Und da bei den Printmedien Stellen gestrichen werden, sollten eigentlich Journalisten aus eigener Erfahrung den Schluss ziehen, dass der gewerkschaftliche Zusammenschluss auch für sie nötig ist.

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