Lokale Kultur Stimmen schaffen mehr als einen Klangteppich

Von Ute Gerteis 

„Rock 4“ geben Schülern ein eigenes A-cappella-Konzert am Morgen.

„Rock 4“ auf der Bühne. Foto: factum/Bach
„Rock 4“ auf der Bühne.Foto: factum/Bach

Rutesheim - Erwartungsvoll strömten am Mittwochvormittag mehr als 350 Schülerinnen und Schüler in die Aula des Schulzentrums, in der ihnen ein außerordentliches musikalisches Highlight geboten wurde. Der Förderverein der Schule hatte auf Initiative von Matthias Trück, dem künstlerischen Leiter der Cello Akademie Rutesheim, das niederländische Vokalensemble „Rock 4“ dafür gewinnen können, neben dem am Abend stattfindenden Konzert auch eine Matinée für Schüler zu geben. Für den erschwinglichen Betrag von drei Euro, so Schulleiter Jürgen Schwarz, sollte den Schülern der zehnten Klassen, sowie der ältesten Klassenstufen J1 und J2, das Erlebnis eines Live-Konzerts ermöglicht und eine Gelegenheit für die Begegnung mit professionellen Künstlern geschaffen werden.

Das Ensemble begeistert bei seinen Tourneen sein Publikum von Barcelona über Graz, Wien und Montreux bis hin zu Singapur, Taipeh und Kiew mit seinen einfallsreichen und speziellen Arrangements bekannter Pop- und Rocksongs. Allein mit ihren Stimmen erzeugen Björn Sterzenbach (Bass), Lucas Blommers (Tenor), Luc Nelissen (Bariton) und Luc Devens (facettenreicher Tenor) ein wahrhaft akustisches Klangfeuerwerk, das zu keiner Minute Instrumente vermissen lässt. Auch ihre jungen Konzertgäste ziehen die lässig auf Barhockern sitzenden Sänger gleich mit dem ersten Song von Phil Collins „In the Air Tonight“ in ihren Bann. Luc Devens ungeheuer flexible Stimme verwandelt sich scheinbar mühelos in die Klangfarben unterschiedlicher Sänger, von Phil Collins über Sting in „Every Breath You Take“ bis zu Adeles „Rolling in the Deep“, und erzeugt eine zauberhafte Atmosphäre. Das neue Konzertprogramm, mit dem das Ensemble zurzeit auf Tournee ist, heißt nicht umsonst „Voices“.

Für einen authentischen Klangeindruck sorgt nicht zuletzt auch das hervorragende Arrangement der Songs von Luc Nelissen, der auch als Beatboxer, wie in „Looking out for Love“, die Zahl der Künstler auf der Bühne akustisch zu vervielfältigen scheint. Die wundervoll warme Baritonstimme von Björn Sterzenbach und der feine, klassisch geschulte Tenor von Lucas Blommers sind dabei weit mehr als ein sauber singender Klangteppich. Leider war das Mikrofon für das Beatboxen, bei dem Percussionsrhythmen, seltener auch weitere Instrumente und andere Klänge mit Mund, Nase und Rachen imitiert werden, stellenweise zu laut, so dass der Gesang manchmal zugedeckt wurde.

Dass sie auch ganz ohne Technik singen können, stellten die Sänger mit dem gefühlvoll gesungenen „Who Wants to Live Forever“ von Freddy Mercury unter Beweis. Es war mucksmäuschenstill im Saal als die Sänger auf diese Weise veranschaulichten, dass sauberes Singen und aufeinander Hören die Basis allen Gesangs ist. Die Schüler lauschten dem Konzert aufmerksam und hingerissen, trauten sich jedoch kaum, den Musikern Fragen zu stellen. Immerhin erzählte Sterzenbach, der einzige Deutsche, wie er zum Ensemble gekommen ist, und Nelissen beschrieb, wie auch er mit kleinen Auftritten auf Familienfeiern seine musikalische Laufbahn begonnen hat. Beim letzten Song immerhin trauten sich ein paar Schüler auf die Bühne und es wurde eifrig mit den Handys gefilmt und fotografiert.

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