Ludwigsburg Sechs Räume, sechs Themen

Von lai 

Die ersten Exponate in der Dauerausstellung des neuen Stadtmuseums von Ludwigsburg hängen bereits. Die Reise geht von der Feudal- zur Bürgerstadt.

Museumsleiterin Alke Hollwedel im Lichtschacht des neuen Hauses. Foto: factum/Weise
Museumsleiterin Alke Hollwedel im Lichtschacht des neuen Hauses.Foto: factum/Weise

Ludwigsburg - Noch hängen nur wenige Exponate an der Wand des großen Licht- und Luftschachtes, in dem Galerie und Museum aufeinandertreffen, doch die Aussage ist schon sehr klar: Mit dem Neubau an der Eberhardstraße wird das Stadtmuseum auch neue Wege beschreiten. Die Leiterin Alke Hollwedel spricht von „Fundstücken“. Jedes für sich soll Assoziationen wecken. Es reicht von Zeugnissen der frühesten Stadtgeschichte bis zur Gegenwart, von verlorenen Schlüsseln über den steinernen – inzwischen verstummten – Blüba-Papagei bis zum Modell des Lufthansa-Fliegers, der auf den Namen Ludwigsburg getauft worden ist.

Keine bösen Überraschungen

„Wir haben die Hundert-Tage-Marke schon genommen“, sagt Hollwedel. Soll heißen: es sind nur noch kapp 90 Tage bis zur Eröffnung des MIK – das Kürzel steht für Museum, Information und Kunst – am 12. Mai zum Internationalen Museumstag. „Die Nervosität ist groß“, sagt Bürgermeister Hans Schmid. Die Bauhandwerker müssen kurz zurücktreten, um den sogenannten Bestückern Platz zu machen. Insgesamt drei Wochen lang gehört das renovierte Barockgebäude den Experten für die Innenausstattung von Museen. Danach müssen erneut die Elektriker und die Installateure für Heizung und Telekommunikation ran. Die Zeit bis zur Eröffnung werde bestimmt reichen, meint Schmid. „Es gibt keine Überraschungen – auch keine bösen.“ Seit Sommer 2012 ist bekannt, dass der Kostenrahmen von 8,2 Millionen Euro um etwa 100 000 Euro überschritten wird. Eine weitere Steigerung habe es seither aber nicht gegeben, versichert der Baubürgermeister.

Parallel zum Innenausbau wird die Eber­hardstraße im Bereich des MIK saniert. Die Fahrbahn wird verengt, der Gehweg entsprechend verbreitert und zum Teil gepflastert. Die Arbeiter warten auf frostfreie Tage. „Zwar ist die Bauwirtschaft auch im 21. Jahrhundert von der Witterung abhängig, aber wir haben einen Puffer von vier Wochen“, sagt Schmid.

Auch wenn die Bauarbeiten vor und in der 1731 erbauten ehemaligen Vogtei abgeschlossen sein werden, bleibt ein Hauch von Rohbau erhalten: Die Wände im historischen Haus werden nicht glatt verputzt, die Spuren von Umbau, Kabelverlegung und Bleistiftkritzeleien der Handwerker werden nicht verwischt. „Dadurch soll der Alt- vom Neubau unterschieden werden“, sagt Hollwedel. „Das Historische bleibt groß, die Wände im Galerieneubau werden weiß.“ Im Kontrast dazu wirken die reinen Ausstellungsflächen und -vitrinen umso prächtiger. Ganz besonders der mit Blattgold ausgelegt Raum, der den Arbeitstitel „Der Gute Fürst“ trägt. Hier wird die Geschichte des Schlosses, seines Erbauers und zahlreicher Bewohner erzählt.

Unbekannte Ludwigsburger in Schwarz-weiß

Insgesamt haben die Museumsplaner sechs Themenräume für die ständige Ausstellung konzipiert. Neben dem Fürstensaal gibt es zum Beispiel den der Idealen Stadt, in dem die Ludwigsburger Architektur und die einst darin lebenden Bürger vorgestellt werden. Daneben gibt es aber auch einen Raum, der sich der Militärgeschichte widmet, sowie je einen, der die lokalen Künstler und Literaten wie auch die Tüftler und Erfinder aufs Podest hievt.

Für die Dokumentation der zeitgenössischen Bürgerstadt Ludwigsburg stützt sich die Museumsleiterin auf Schwarz-Weiß-Fotografien. Dazu hat sie zwei Serien aus verschiedenen Epochen gemischt: Zum einen sind Bilder von Loredana Nemes zu sehen. Die Berliner Künstlerin war 2011 Artist in Residence in der Karlskaserne und hat in dieser Zeit unbekannte Ludwigsburger fotografiert. Zwischen diesen Großformaten hängen viele kleine Porträts, die aus dem Nachlass eines Fotoateliers stammen. Die Aufnahmen zeigen ebenfalls namenlose Menschen – allerdings aus den vierziger und fünfziger Jahren.

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