Lukas Günther fotografiert seine Mahlzeiten Speisen auf Reisen

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Auf Fotos sehen Mahlzeiten meistens appetitlicher aus als in der Realität. Der Ludwigsburger Lukas Günther setzt der opulenten Kochbuchästhetik eine simple Tellerschau entgegen – und lichtet Speisen völlig ungeschminkt ab.

„Pute mit Spargel“, Andelot, Frankreich Foto: 
Lukas Günther
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„Pute mit Spargel“, Andelot, Frankreich Foto: Lukas Günther

Ludwigsburg - Der Rostbraten, den Lukas Günther in seiner Heimatstadt Ludwigsburg verspeiste, schwamm in einer braunen Soße. In der kambodschanischen Hafenstadt Sihanoukville wurde ihm ein Fisch serviert, der so aussah, als hätte bereits eine streunende Katze daran genagt. Und der Rand der wagenradgroßen Pizza, die ihn in Venedig sättigte, war verkohlt.

Speisen sehen selten so appetitlich aus, wie sie in Kochbüchern, Feinschmeckerzeitschriften oder auf Lebensmittelverpackungen präsentiert werden. Professionelle Fotografen präparieren vor dem Shooting jede Gartenbohne, damit das Gemüse grüner und knackiger wirkt, als es Mutter Natur jemals hinbekommen würde. Sie rücken jedes Gericht ins rechte Licht, drapieren es in einem stilvollen Ambiente und suchen nach dem schmeichelhaftesten Aufnahmewinkel. So entsteht jene inszenierte Serviervorschlagästhetik, die unsere Sehgewohnheit prägt. Die Bilder suggerieren eine perfekte Nahrungswelt.

Ungekünsteltes Kunstwerk

Lukas Günther ist kein Werbefuzzi, sondern ein Nebenerwerbskünstler, und als solcher missachtet er bewusst alle Regeln der Food-Fotografie. „Eat it!“ heißt das Projekt, mit dem er sich während seiner Studienzeit an der Pädagogischen Hochschule in Ludwigsburg und dem anschließenden Realschulreferendariat beschäftigt hat. In jedem der 19 Länder, die Günther während dieser Zeit bereiste, hat er fotografiert, was ihm aufgetischt wurde. Und zwar, wie er sagt, „ganz direkt“: einfach mit der Kompaktkamera von frontal oben draufgehalten. Das Blitzlicht seiner Lumix spiegelt sich auf dem Rindersteak, dem gemischten Salat oder in der Nudelsuppe. Jeder halbwegs ambitionierte Hobbyfotograf würde solche technischen Mängel per Bildbearbeitung beseitigen. Nicht so Lukas Günther, der ein ungekünsteltes Kunstwerk wollte, das dank Sponsoren und dem Verlag der Pädagogischen Hochschule nun auch als Buch vorliegt.

Es ist ein buntes Sammelsurium aus rund 70 Mahlzeiten – vom Frühstück für ein paar Cent aus einer asiatischen Straßenküche bis zum 60-Euro-Hauptgang beim Starkoch Vicent Klink auf der Stuttgarter Wielandshöhe. Lukas Günther orientierte sich bei seinem Werk an der „Düsseldorfer Photografenschule“ von Bernd und Hilla Becher: Das Künstlerpaar hatte einst massenweise Hochöfen und Wassertürme aus immer derselben Zentralperspektive abgelichtet. Diesen nüchtern-analytischen Stil übertrug der Realschullehrer Günther auf seine kulinarischen Motive. Er verbinde mit seinem Bilderreigen keine plakative Botschaft, sagt er, sondern wolle Raum für eigene Gedanken geben.