Matinee von Adrienne Braun Über das Schnackseln und das Schwäbische

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Seit mehr als zehn Jahren schreibt Adrienne Braun Kolumnen für die Zeitung. Mittlerweile hat sie eine große Fangemeinde. Am Sonntag hat sie ihr Programm „Gesprochenes Geschreibsel“ im Renitenztheater vorgestellt.

Immer wieder erhält Adrienne Braun Post von ihren Lesern – und hin und wieder auch Geschenke. Foto: Julia Bosch
Immer wieder erhält Adrienne Braun Post von ihren Lesern – und hin und wieder auch Geschenke. Foto: Julia Bosch

Stuttgart - Ganz spontan haben sich die beiden Damen, die in der Mitte der vierten Reihe sitzen, dazu entschlossen, am Sonntagvormittag zu der Matinee von Adrienne Braun ins Renitenztheater zu kommen. „Ich lese jeden Samstag die Kolumne“, berichtet Dorothea Schwind (59). „Und diesen Samstag stand drin, dass man sie am Sonntag einmal in echt erleben könne.“ Kurzerhand entschloss sich die Esslingerin mit ihrer Nachbarin und Freundin nachzuschauen, ob es noch Karten gebe – und die beiden hatten Glück. Die Kolumnistin einmal live kennenzulernen – diesen Wunsch hatten wohl viele: Nur wenige Plätze blieben unbesetzt.

Die Journalistin und Autorin Adrienne Braun, die seit 2003 Kolumnen für die Stuttgarter Zeitung und seit April 2015 auch für die Stuttgarter Nachrichten schreibt, hat am Sonntag im Renitenztheater an der Büchsenstraße ihr Programm „Gesprochenes Geschreibsel“ vorgestellt.

„Wir Journalisten dürfen nie reden“, sagt Braun

„Wir Journalisten dürfen zwar schreiben, aber nie reden“, sagt Braun. „Selbst bei Interviews kommen wir so gut wie nie zu Wort. Darum finde ich es großartig und beglückend, dass ich heute mal reden darf.“ Und das tat sie dann auch. Knappe anderthalb Stunden sprach sie über die Themen, die sie auch in ihren Kolumnen am liebsten behandelt: die Erlebnisse von Freundinnen und Bekannten von ihr, über Kollegen, Zugfahrten, das Finanzamt, die schwäbische Sprache – und natürlich über das „Schnackseln, Wumsen oder Bullern“.

So berichtete die Kolumnistin beispielsweise von einer Studie, bei der die Wissenschaftler herausgefunden haben wollen, wie aktiv die Menschen seien, je nachdem aus welchem Land sie stammten: „Die Griechen schaffen sechs Stellungen pro Liebesnacht – Nigeria kommt nur auf Eins Komma Acht“, reimt Braun. Generell würden ihr solche Studien stets weiterhelfen, wenn ihr selbst gerade kein Thema einfiele, über das sie schreiben könne. So habe sie beispielsweise auch erfahren, dass die Engländer am liebsten zu Schnaps griffen, um in Stimmung zu kommen, während sich die Russen auf erotische Literatur verließen.

Ungewöhnliche Redewendungen mag die Kolumnistin gerne

Auch eine andere Studie habe ihr zu denken gegeben: So seien Zweitgeborene generell weniger intelligent als Erstgeborene, wurde erforscht. Sie selbst mache aber die Erfahrung, dass jeder sich und seine Kinder für am klügsten hielt. Kurz danach habe sie eine Mail erhalten, dass man im Büro doch bitte daran denken möge, nach dem Toilettengang die Spülung zu betätigen. „Das Problem ist, dass sich heutzutage alle Menschen für so intelligent halten, dass sie davon ausgehen, ihre Umwelt sei genauso intelligent – dass sich die Spülung selbst betätigt, der Wasserhahn von selbst zudreht und sich das Kellerlicht sich selbst ausschaltet.“

Außerdem sprach Braun viel über ungewöhnliche Wörter und Redewendungen. So berichtete sie von einer Freundin, die Lehrerin sei, und zu einem Schüler in Rage gesagt habe: „Blas’ mir doch in den Schuh!“. Dieser habe völlig verwirrt reagiert und gefragt: „Ja wie, echt jetzt?“.

„Live beinahe noch besser als in der Zeitung“

Die meisten Lacher erntete die gebürtige Hessin, als sie berichtete, wie sie sich Schwäbisch beigebracht habe. So habe ihr von Anfang an die Redewendung „Dätsch mer . . .?“ gefallen, die so viel einfacher als „Könntest du mir eventuell eine Gefälligkeit erweisen?“ sei. „Schwäbisch ist präzise und bringt alles sofort auf den Punkt. Mit ‚Dätsch mer‘ isch alles gschwätzt.“

Als das Programm nach knapp anderthalb Stunden vorbei ist, schmunzelt die Zuschauerin Dorothea Schwind noch immer: „Frau Braun in live ist beinahe noch besser als in der Zeitung.“

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