Krimikolumne

Max Landorff: „Die Stunde des Reglers“ Fass die Vergangenheit nicht an

Von Sabine Nedele 

Der Regler beseitigt weltweit die Probleme derer, die sich – ob selbst verschuldet oder nicht – in die Bredouille gebracht haben. Und dabei ist er nicht zimperlich, da werden schon mal Existenzen vernichtet. In Max Landorffs zweitem Band hat der Regler Gabriel Tretjak selbst Probleme – und zwar nicht zu knapp.

So beschaulich, der Lago Maggiore. Kein Wunder, dass sich  der „Regler“ Gabriel Tretjak  in die Berge oberhalb des Sees zurückgezogen hat – doch die Ruhe erweist sich als trügerisch. Foto: Switzerland Tourism
So beschaulich, der Lago Maggiore. Kein Wunder, dass sich der „Regler“ Gabriel Tretjak in die Berge oberhalb des Sees zurückgezogen hat – doch die Ruhe erweist sich als trügerisch.Foto: Switzerland Tourism

Stuttgart - So viel vorweg: auch wer nach dem überaus erfolgreichen Erstling „Der Regler“ von Max Landorff erst mit dem zweiten Band in die Welt des Gabriel Tretjak eintaucht, wird nicht enttäuscht. „Die Stunde des Reglers“ ist ein Thriller, der den Namen verdient. Markante Charaktere, schöne Schauplätze in allen Ecken der Welt, eine erkleckliche Zahl von Leichen und recht vielfältige Todesarten – eine Verfilmung dürfte nicht lange auf sich warten lassen.

Peu à peu werden im zweiten Band die mitunter fragwürdigen Umstände der beruflichen Tätigkeit des Reglers enthüllt: ein Mann, der Reichen und Mächtigen hilft, Probleme (und Existenzen) aus der Welt zu schaffen – für teures Geld, mit allen Mitteln, skrupellos, ohne Rücksicht auf Verluste. Jetzt hat sich dieser Gabriel Tretjak in das ehemalige Wohnhaus seines Vaters, das in den Bergen über dem Lago Maggiore liegt, zurückgezogen, um seine Depressionen zu überwinden und Abstand zu gewinnen.

Mord mit dem Mähdrescher

Doch dann taucht dort die am europäischen Kernforschungszentrum CERN in Genf arbeitende Physikerin Sophia Welterlin auf und bittet ihn um Hilfe. Sie wird von einem geheimnisvollen Fremden mit der Botschaft „Fass die Vergangenheit nicht an“ gequält. Tretjak soll den Verursacher dieses Psychoterrors finden. Kurz darauf werden zwei Tote entdeckt, die den gleichen Namen tragen wie der Regler. Der eine Tretjak wird verkohlt in einer Maschine am Münchner Flughafen gefunden, der andere ist von einem Mähdrescher im Süden Englands in tausend Stücke zerfetzt worden.

Was folgt, ist eine mitunter labyrinthisch verschlungene Story und Spannung vom feinsten. Kapitel für Kapitel führt Landorff – ein Pseudonym übrigens, hinter dem sich mutmaßlich das Journalisten-Brüderpaar Andreas und Stephan Lebert verbirgt– immer neue Figuren in sein Romantableau ein und charakterisiert sie oft mit nur wenigen Sätzen. Auch Tretjaks älterer Bruder, dessen Identität unklar bleibt, sorgt für viele falsche Fährten. Stück für Stück und einige Leichen später fügen sich die vielen Puzzleteile zu einer Rachegeschichte, die weit in die deutsche Vergangenheit zurückreicht. Kommt der Regler am Ende davon? Einer Fortsetzung ist jedenfalls der Boden bereitet.

Max Landorff, „Die Stunde des Reglers“, Scherz Verlag, 352 Seiten, 14,99 Euro. Auch als E-Book (12,99 Euro) und als Hörbuch (Argon Verlag, 19,99 Euro).

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