Media Night in Vaihingen Spiele, Software und ein Selfie

Von Katharina Kraft 

Die Media Night ist der Höhepunkt jedes Semesters an der Hochschule der Medien. Nach sechs Monaten Arbeit führten die Studenten ihre Ergebnisse Freunden, Familien und Branchenvertretern vor.

Sarah Halasz, Carolin Reising, Andrea Târnoveanu, Enkeleda Taqui, Lara-Christin Rall und Angelina Polanyi (von links) machen aus Selfies Postkarten. Foto:  
Sarah Halasz, Carolin Reising, Andrea Târnoveanu, Enkeleda Taqui, Lara-Christin Rall und Angelina Polanyi (von links) machen aus Selfies Postkarten.Foto:  

Vaihingen - Manchmal entsteht etwas Neues aus einer persönlichen Notlage. So war es auch beim Projektteam von Abusar Fathi. Ein Freund war in China und konnte einfach keine Toilette finden. Eine brenzlige Situation – und die Geburtsstunde der App Planet Loo. Sie zeigt das nächstgelegene stille Örtchen, ob die Benutzung kostenlos ist und auch die Sauberkeit der Räume. Wer sich dann für ein Klo entscheidet, wird direkt per Google Maps dorthin gelotst. Ihre Klo-App hat das Team am Donnerstagabend bei der Media Night der Hochschule der Medien (HdM) vorgestellt. Für Stuttgart haben die fünf Studenten schon alle öffentlichen Toiletten erfasst. Und es soll weiter gehen: Es ist geplant, dass Nutzer selbst Klos hinzufügen und bewerten können. Wie genau sie das umsetzen wollen, ist noch nicht klar. „Wir wollen nicht dazu beitragen, dass Bäume zu öffentlichen Toiletten werden“, sagt Fathi.

Eigeninitiative ist gefragt

98 Projekte wurden dieses Mal bei der Media Night präsentiert. „Die Vorstellung ist für uns Semesterabschluss und Höhepunkt“, sagt Kerstin Lauer, die Sprecherin der HdM. Nach sechs Monaten Arbeit könnten die Studenten hier ihre Ergebnisse Freunden, Familien und Branchenvertretern vorführen. Letztere kämen oft, um Praktikanten zu suchen. „Man hat den Nachwuchs auf dem Silbertablett“, sagt Lauer. Die Projekte sind vielfältig: Es gibt viele Apps, die den Alltag ein bisschen einfacher gestalten wollen, Computerprogramme, die spielerisch das Zehnfingersystem lehren, viel Unterhaltung mit Kino und Spielen sowie mit Musik von der HdM-Band. Bei den Projektarbeiten sind die Studenten frei. Sie können allein oder in Teams mit 40 bis 60 Leuten aus verschiedenen Studiengängen arbeiten. Dafür müssen sie aber alles allein schaffen. Zum Beispiel müssen sie – wenn notwendig – Sponsoren finden, um ihr Projekt zu finanzieren. „Da ist viel Eigeninitiative gefragt“, sagt Lauer.

Bei der interaktiven Kletterwand Psychopath sind zehn Studenten aus den Studiengängen Medienwirtschaft, Audiovisuelle Medien und Computer Science Media beteiligt. Hier geht es um einen psychisch kranken Patienten, dessen Gehirnströme auf einer Kletterwand dargestellt sind. Rot aufleuchtende Nerven sind krank und müssen von den zwei Kletterern durch Berührung geheilt werden. Ist das geschafft, erhalten die Spieler eine goldene Tasse, welche sie in ein Regal – den zentralen Tassenschrank – stellen. Der Patient ist geheilt. Und das Team um Projektleiterin Kristina Coric ist zufrieden. „Es hat Spaß gemacht.“ Aber sie haben auch viel gelernt. „Man wächst mit seiner Aufgabe“, erklärt Coric. Es gibt schon einen Interessenten: Gerade sind sie in Verhandlung mit der Betreiberin einer Kletterhalle in Garmisch-Partenkirchen.

„Mount Never-Rest“

Virtuelle Realität können die Besucher beim Spiel Mount Never-Rest erleben. Mithilfe der 3D-Brille Oculus Rift wird der Spieler in eine Alpenlandschaft versetzt. Dort muss er – verfolgt von einer Lawine – so schnell wie möglich auf Skiern den Berg hinunterfahren. „Unsere Idee war es, die Brille auszuprobieren“, sagt Hauke Thießen, der Projektleiter der Gruppe. Und da die Oculus Rift an das Aussehen einer Skibrille erinnert, kam das Team darauf, ein Skispiel zu entwickeln. Allerdings hatte das noch keiner gemacht. „Und jetzt hat es doch geklappt“, sagt Thießen erfreut.

Die sechs Mädels vom Studiengang Druck- und Medientechnologie wollten einfach Werbung für ihr Fach machen. „Dann haben wir uns überlegt, was die Leute anspricht“, sagt Lara-Christin Rall. Und da Selfies und Bärte gerade im Trend liegen, fiel die Entscheidung auf personalisierte Postkarten. Jeder kann sich an ihrem Stand verkleiden, fotografieren lassen und bekommt dann sein Foto als Postkarte gedruckt. Das Konzept kommt gut bei den Besuchern an: 170 Postkarten haben sie nach eigenen Angaben innerhalb von zwei Stunden gedruckt.

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