Mehlwurm, Kakerlake und Co. – die Dschungelcamp-Kolumne Joey, gib uns das Geld zurück!

Jörg Breithut, 21.01.2013 23:55 Uhr

Stuttgart – Die Lösung kann einfach nicht mehr stimmen. Zwar behauptet die Moderatorin Sonja Zietlow, dass Patrick Nuo bei der Dschungelprüfung mit 2250 Kilometer die richtige Antwort gegeben hat. Doch der australische Murray River hat während des elften Tages der Sendung „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“ seine Länge mindestens verdoppelt – bei so viel Tränenflüssigkeit, die am Montag aus den Gesichtern der Dschungelbewohner geströmt ist. Literweise haben die Campbewohner am Montag in den Morast geheult.

Man möchte die Dschungelbewohner am liebsten einmal kräftig an den Schultern packen und ordentlich durchschütteln. „Hört auf mit diesem Gejammer“, möchte man rufen. Schließlich zahlt euch RTL genügend Geld dafür, dass ihr hier ungeschminkt im Urwald vor euch hin degeneriert und ab und zu auf einer Kakerlake rumknabbert. Das ist vielleicht für die Fernsehzuschauer zum Heulen. Aber was euch angeht: vergeudet eure Zeit im Urwald doch bitte mit etwas mehr Würde.

Irgendwie hat man sowieso das Gefühl, dass nur noch ein richtiger Mann, äh, eine richtige Frau ihren Stolz bewahrt hat: Olivia Jones, die Königin von St. Pauli. Sie behält die Nerven, wenn Joey Heindle wieder einmal etwas vom Abbruch faselt – um dann doch zu bleiben. Und auch der zweite Alpha-Männchen-Anwärter, Patrick Nuo, hat keine Chance im Duell mit Olivia. Mit der dezenten Ankündigung einer Hoden-Massage weist sie den Popsänger galant in seine Schranken.

Die Angst vor den RTL-Zuschauern

Einen wahren Grund zum Heulen hat eigentlich nur Joeys Freundin. Sie hat bestimmt nicht damit gerechnet, dass ihre Liebeszeilen vor dem versammelten Jammerhaufen vorgelesen werden – und zudem noch vor dem zu Fremdschäm-Tränen gerührten Fernsehpublikum. Vielleicht ist sie ja davon ausgegangen, dass Joey genügend Cojones zeigen würde, die Neugier seiner Dschungelgenossen zu ignorieren und den Brief in aller Ruhe selbst zu lesen. Doch weit gefehlt. Joey jammert sich die letzte Würde aus der Seele. Aber entscheidet sich dann endgültig, dass er bis zum Ende durchzuhalten werde. Die Drohung im Wortlaut: „Jetzt werde ich auf jeden Fall bis zum Finale bleiben, darauf kannste einen lassen.“

Das sah wenige Szenen zuvor noch anders aus. Joey wollte mal wieder abbrechen, fürchtete aber den gemeinen RTL-Zuschauer. „Ich habe Angst, dass wenn ich jetzt rausgehe, dass die Zuschauer ihr Geld zurückhaben wollen.“ Wir können ihn an dieser Stelle beruhigen. Nein, Joey, keine Sorge. Uns ist es ganz egal, wann du das Camp verlässt. Auch wenn du bis zum bitteren Ende im Dschungel bleiben solltest: Unser Geld wollen wir auf jeden Fall zurück!

Schmerzhafter Ritt auf dem Plastik-Känguru

Wenn man genauer hinschaut, dann wird allerdings klar, warum aus der Gruppe der Dschungelbewohner so ein weinerlicher Haufen geworden ist. Iris Klein, die Katzenberger-Mutter, gibt den Hinweis auf die Lösung. Bei der Dschungelprüfung rutscht sie vom Plastikkänguru in die Ahornsirup-Schmiere und jammert. Sie jammert, bis Dr. Bob sie aus dem glitschigen Gummipool rettet. Die Diagnose: eine leicht verdrehte Rippe.

Keine schlimme Sache. Doch Iris profitiert davon. Sie wird nicht nur vor einem weitere Ritt auf dem Känguru verschont. Nein, sie bekommt auch noch Schmerzmittel verschrieben. Damit, so vermutlich der Plan, lässt sich das Geheule der weinerlichen Weggefährten einfach ein bisschen besser ertragen.

 

Alle bisher erschienenen Teile unserer Kolumne "Mehlwurm, Kakerlake & Co." gibt es hier.

Der Autor bei Twitter: