Mittelständler prägen Ditzingen Rezept für Firmenübergaben gibt es nicht

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Mittelständler prägen einen Wirtschaftsstandort, Familienbetriebe spielen dabei eine besondere Rolle. Auch wenn sie sich im Lauf der Zeit gewandelt haben: Manches ist unverändert. Etwa die Erkenntnis, dass eine enge Kundenbindung entscheidend ist.

Jochen Fischer und seine Frau Lucia Fischer  Guimil haben  das Küchenstudio Koch übernommen. Foto: factum/Granville
Jochen Fischer und seine Frau Lucia Fischer Guimil haben das Küchenstudio Koch übernommen. Foto: factum/Granville

Ditzingen - Jochen Fischer hatte sich entschieden. Er wollte mehr mit seiner Familie zusammensein, in seiner Eigenschaft als Berater und zuletzt Geschäftsführer in der Firmengruppe eines Maschinen- und Anlagenherstellers nicht mehr mal hier und dort in der Welt seine Zelte aufschlagen. Er wollte auch keine Firmen mehr sanieren. Der Maschinenbauer hatte in dieser Eigenschaft zwar lange nahe dran an der Möbelindustrie gearbeitet, doch war seine Übernahme des Familienbetriebs Koch Küchen ein – gleichwohl vorbereiteter – Schritt ins Ungewisse. Der Unternehmensgründer Heinz-Jürgen Koch begleitete Fischer noch ein Vierteljahr, ehe er sich dann zurückzog.

Veränderung nach 16 Jahren

Koch und seine Frau haben das Ditzinger Küchenstudio 16 Jahre lang geführt und den Betrieb zum Jahreswechsel übergeben. Obwohl Fischer und Koch vergleichsweise anonym über die Internetplattform „nexxt-change“ des Bundeswirtschaftsministeriums, des Handwerks und der Kreditinstitute zusammenkamen, lernten sie sich über viele Monate persönlich kennen: „Es muss passen“, sagt Fischer. Bisheriger und künftiger Betreiber müssten miteinander klarkommen, um auch im Sinne der Kunden den Betrieb erfolgreich weiterführen zu können. Kundennähe sei unabdingbar, sagt der 46-jährige Fischer. Umso mehr schätzt er, dass Heinz-Jürgen Koch ihn eine Weile begleitete. Schließlich sind es Kochs Kunden, die wegen ihm in das Küchenstudio kamen – und weiterhin kommen sollen.

Das Einzugsgebiet eines Küchenstudios sei vergleichsweise begrenzt, macht er deutlich. Nur mit dem Verkauf von Küchen sei es nicht getan. Es würden Kochaktionen gemacht oder das Angebot unterbreitet, Küchengeräte auszuprobieren. Seine Kunden kämen im Wesentlichen aus dem Strohgäu, sagt Fischer.

Das ist bei Martin Böpple nicht anders. Der Malermeister führt in der Kernstadt den Betrieb, den einst sein Großvater gegründet hat. 2025 feiert der Betrieb sein hundertjähriges Bestehen – vorausgesetzt, Böpple hat bis dahin einen Nachfolger gefunden. Auch er hatte Kunden übernommen, die seines Vaters. Die persönliche Bindung zum Kunden sei wichtig. „Wenn die Ebene nicht stimmt, dann sind die Kunden weg“, sagt er. Doch sie entstehe nicht mehr so einfach wie früher, etwa über die privaten Vereinsaktivitäten. Im lockeren Gespräch im Gesangs- oder Sportverein erhielten die Handwerker lange nicht mehr so viele Aufträge, wie es einstmals der Fall war. „Dafür ist Ditzingen zu groß.“

Suche nach einer neuen Vereinsspitze

Böpple ist einer der stellvertretenden Vorsitzenden der Aktiven Wirtschaft Ditzingen (AWD). Der Wirtschaftsverein, der einst aus dem Bund der Selbstständigen entstand, hat derzeit keinen Vorsitzenden, nachdem Milena Cobisi nicht mehr für das Amt kandidierte. Es sei wichtig, die Position wieder zu besetzen, ist Böpple überzeugt. „Ein Jahr können wir überbrücken. Wir müssen nicht kurzfristig jemanden finden.“ Der Vorstand sei ein eingespieltes Team. Die Veranstaltungen, wie an diesem Wochenende der Kunsthandwerkermarkt mit verkaufsoffenem Sonntag, werden deshalb wie gewohnt stattfinden.

Solche Aktionen erhöhten die Frequenz im Ort, weiß Böpple. Um potenzielle Kunden in den Ort zu holen, bedürfe es des Zusammenspiels vieler Faktoren, von Verwaltung, Politik und Unternehmern. In der Kernstadt sei viel getan worden, sagt er über die städtebaulichen Veränderungen. „Ich hätte gern ein bisschen mehr Einkaufsflair“, wünscht sich Böpple gleichwohl die viel diskutierte Verkehrsberuhigung in der Haupteinkaufsstraße.

Aber klar sei auch: Der Wirtschaftsverein müsse „mehr Eigenprofil schaffen“. Das sei das Ziel. Dafür aber brauche es auch Mitglieder, die die Zeit dafür aufbrächten, sich zu engagieren. In dieser Hinsicht unterscheidet sich die Aktive Wirtschaft nicht von anderen Vereinen.