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Münster Der Traum vom Einkaufsbus

Rebecca Anna Fritzsche, 08.05.2013 10:00 Uhr

Münster - Bezirksvorsteherin Renate Polinski und Brigitte Martin, Leiterin des Pflegezentrums Münster, stecken hinter der Idee: der Einkaufsbus für Münster ist ein lang gehegter Traum der beiden. Er soll den älteren Menschen im Bezirk zu mehr Mobilität verhelfen.

In der Bezirksbeiratssitzung in der vergangenen Woche erklärte Polinski, dass die drei Supermärkte in Münster – Netto, Bonus und Edeka – für viele ältere Menschen ohne Auto kaum zu erreichen seien. Umgesehen hat sich die Bezirksvorsteherin daher bei ihrem Kollegen Wolfgang Stierle in Botnang: Seit 2010 gibt es dort den Botnanger Ortsbus, kurz „BOB“ genannt, der ältere oder gehbehinderte Menschen aus der Peripherie in die Botnanger Ortsmitte bringt. Was zuerst als einjähriger Probebetrieb begann, hat sich mittlerweile zu einem Neunsitzer-Bus entwickelt, der an sechs Tagen in der Woche unterwegs ist. Am Steuer sitzen ehrenamtlich tätige Fahrer. Der Ortsbus gehört zum Bürgerverein Botnang und ist bereits mit mehreren Preisen ausgezeichnet worden, unter anderem dem Deutschen Alterspreis 2012 der Robert-Bosch-Stiftung. Auch in Feuerbach und Weilimdorf ist ein gemeinsamer Ortsbus nach einem ähnlichen Modell auf die Beine gestellt worden; beide Busse finanzieren sich über Spenden, Fahrkartenverkäufe und die Werbeflächen an den Außenseiten der Fahrzeuge, die von Geschäften und Firmen gebucht werden können.

Eine solche Investition für Münster will aber auch gut überlegt sein, das betont Polinski deutlich: „Nach einem Jahr Probebetrieb muss man den Bus dann auf acht Jahre betreiben, und die Strecke befahren, egal, ob da jemand steht und mitfahren möchte oder nicht.“ Deshalb soll es in Münster nun eine große Haushaltsbefragung geben. Auf Fragebögen, die in den Briefkästen verteilt werden, können die Bürger angeben, ob, wann und wie sie einen solchen Busservice nutzen würden.

Renate Polinski kann sich auch gut vorstellen, dass der Einkaufsbus den Friedhofsbusservice ersetzt: Dieser wird vom Pflegezentrum angeboten und transportiert jeweils mittwochs ältere Menschen, welche die weite Strecke zum Friedhof nicht mehr zu Fuß gehen können. Der Einkaufsbus soll jedoch nicht nur auf Senioren beschränkt sein; alle Bürger sollen den Bus nutzen können. Die ehrenamtlichen Fahrer müssten natürlich erst einmal gefunden werden. „Ich würde dann aber im Bezirksbeirat einen Antrag stellen, damit Schulungs- und Versicherungskosten aus unserem Budget übernommen werden“, so Polinski. Zunächst einmal gelte es aber, so viele Bürger wie möglich dazu zu animieren, bei der Haushaltsbefragung mitzumachen. Bis zum Ende dieser Woche sollen die Fragebögen in den Briefkästen der rund 6000 Münsterer liegen.