Nach Aufruhr bei pi-news Stuttgarter Schule sagt Multi-Kulti-Feier ab

Von Rebecca Müller 

Ein Stuttgarter Gymnasium hat eine geplante Multi-Kulti-Feier abgesagt – weil im Netz Empörung über die alternative Weihnachtsfeier geschürt wurde. Die Schule habe sogar bedrohliche Anrufe und Emails erhalten, sagt ein Sprecher des Regierungspräsidiums.

Das Gottlieb-Daimler-Gymnasium hat eine geplante Multi-Kulti-Feier abgesagt – unter anderem, weil auf der Seite pi-news.net dagegen gehetzt wurde. Screenshots zu dem Vorgangen zeigen wir in der folgenden Bilderstrecke. Foto: Achim Zweygarth 3 Bilder
Das Gottlieb-Daimler-Gymnasium hat eine geplante Multi-Kulti-Feier abgesagt – unter anderem, weil auf der Seite pi-news.net dagegen gehetzt wurde. Screenshots zu dem Vorgangen zeigen wir in der folgenden Bilderstrecke.Foto: Achim Zweygarth

Stuttgart - Eigentlich sollte es ein fröhliches Fest zum Abschluss des Jahres werden, doch die geplante „Multikulturelle Feier zum Fest der Werte“ des Gottlieb-Daimler-Gymnasiums in Bad Cannstatt findet nun nicht statt. Der Grund: nach einem regelrechten Shitstorm im Internet hat sich die Schule entschieden, ihre Feier aus Sicherheitsgründen abzusagen, sagt Clemens Homoth-Kuhs, Sprecher des Regierungspräsidiums in Stuttgart.

Mit dem Multi-Kulti-Fest anstelle einer Weihnachtsfeier sollte die kulturelle und religiöse Vielfalt der Schule – hier lernen Kinder aus 23 Nationen – gewürdigt werden. „Die Schule wollte damit etwas Besonderes bieten“, sagt Homoth-Kuhs. Und es sei auch völlig legitim, ein solches Fest anstelle einer Weihnachtsfeier zu veranstalten. „Das ist Sache der Schule.“

Dagegen jedoch liefen viele Internetnutzer Sturm, nachdem auf „rechtslastigen Internetseiten“ darüber berichtet worden war. Auf der Webseite „Politically Incorrect“ (pi-news) beispielsweise, die sich unter anderem das Motto „Gegen die Islamisierung Europas“ auf die Fahnen geschrieben hat, findet sich ein Beitrag vom 15. Dezember zu der geplanten Feier des Gymnasiums – samt Abbildung des Einladungsbriefes der Schule an die Eltern. „Die Abschaffung bewährter und schöner Traditionen treibt in Deutschland mitunter wundersame Blüten“, heißt es etwa in dem Artikel. Darunter: ein Foto der Schulleiterin Verena König und deren Kontaktdaten.

Mehr als 100 Kommentare

Dort machen auch viele Nutzer ihrem Unmut über die multikulturelle Feier Luft. Mehr als 100 Kommentare haben sie zu dem PI-Artikel abgegeben. „Das „Produkt Schule“ muss sich halt seiner Klientel aus dem ‚Orient’ immer mehr anpassen um attraktiv zu bleiben“, schreibt einer. Und ein anderer meint: „Das ist eine Schändung von Weihnachten.“

Die Schule erhielt zahlreiche empörte Anrufe und Mails, sagt Homoth-Kuhs. „Es wurde eine regelrechte Drohkulisse aufgebaut.“ Deshalb hatte die Schulleitung die Befürchtung, dass es am Tag der Feier zu Aktionen kommen könnte. Ob diese berechtigt sei, könne er zwar nicht sagen. Aber: „Wir unterstützen die Schule“. Deshalb wurde das Fest abgesagt.

Diese Entscheidung stößt nicht bei allen auf Zustimmung. „Das ist eine zwiespältige Sache“, sagt der Vater einer Schülerin des Gymnasiums, der seinen Namen lieber nicht in diesem Artikel lesen möchte. Einerseits müsse man natürlich die Kinder schützen. Andererseits sei es ein verheerendes Signal, wenn man einer solchen Gruppierung nachgebe. „Deren Rechnung ist doch jetzt aufgegangen. Ich finde das unerträglich.“

Das Regierungspräsidium hat die Polizei gebeten, ein Auge auf die Angelegenheit zu haben. Damit wolle man auch ein Zeichen setzen. „Man darf eine Schule auf keinen Fall so attackieren,“, sagt Homoth-Kuhs.

  Artikel teilen
12 Kommentare Kommentar schreiben

Herr Schönwald, niemand will "fernbleiben": Begreifen Sie doch: Dieses alternative Weihnachtsfest war nicht als Fest des "Fernbleibens" gedacht, sondern als eine kleine Ausnahme wie man ein weihnachtliches und fröhliches Miteinander auf multikulturelle weise feiern könnte. Einfach so mal zwischendurch. Niemand will Ihnen Ihr Weihnachtsfest weg nehmen. Niemand will mit diesem fröhlich geplanten Fest Jesus Christus in Abrede stellen. Was sollen diese Befürchtungen ? Vor wem und was haben Sie denn Angst ?

Christliche Werte: Unternehmen richten Gebetsecken ein, staatliche Stellen finanzieren Integrationsveranstaltungen und Sprachkurse. Wir erlauben allen Religionsgemeinschaften Kirchen mitten in unsere Städte zu bauen. Wir stehen den traditionellen Festen und Zeremonien nicht-christlicher Glaubensrichtungen offen gegenüber. Wir gehen noch weiter, wir biegen unser Rechtssystem, damit z. B. Beschneidungen aus der Illegalität kommt. Wir sollten nun endlich Rückgrad genug haben unsere traditionellen Feste und Handlungen in unserem Land ebenso mit Stolz zu feiern und durchzuführen. "Fest der Werte" statt Weihnachtsfeier, "Sonne, Mond und Stern Fest" statt St. Martinsfeier.... welch ausgesprochener Unsinn! Unser Leben und unser Rechtssystem beruht auf christlichem Glauben. Selbst Amtsträger schließen bei der Vereidigung mit "so wahr mir Gott helfe". Sollen wir dies in "so weit mir die guten Werte helfen" umändern? Wir sollten nicht nur bei einer Fußball-WM stolz sein auf das was wir sind und an was wir glauben und auf das von uns und vor allem unseren Vorfahren in diesem Land geschaffene! Dazu gehören auch unsere landestypischen Rituale, Sitten und Gebräuche. Wer damit nichts anfangen kann dem steht es frei fern zubleiben. Auch gibt es genügend andere Tage an denen Feste jeglicher Art veranstaltet werden können.

Sehr geehrte Frau Milte,: was soll an einer multikulturellen Weihnachtsfeier, die als Ausnahme dieses Jahr geplant war, "Meinungsmache" sein. Das ist mir nicht ersichtlich. Meinungsmache ist z.B., wenn Rechtsradikale in den Pausenhöfen Flyer und CD´s verteilen. Nur so als Beispiel. Oder wenn Shitstormer mit radikalen Parolen Jugendfeste und dgl. kippen. Das ist Meinungsmache. Aber nicht so ein friedliches, weihnachtliches Fest des Miteinanders, was die Schulleitung geplant hatte.

Es wurde "gehetzt"?: Ich finde es eine Frechheit ihrer Redaktion, zu behaupten, das gegen diese "Feier" gehetzt wurde! Ich dachte, Deutschland ist eine Demokratie, in der jeder seine Meinung sagen kann. Es behauptet ja auch niemand, das die Schüler dieser Schule gezwungen wurden, an dieser Feier teilzunehmen.....oder hat die Betroffenen jemand darüber aufgeklärt, weshalb ihre Weihnachtsfeier plötzlich eine "Multekultiveranstaltung" werden soll? Wie weit sollen wir uns denn noch einigen wenigen Meinungsmachern in diesem Land beugen, die unseren Kindern etwas aufzwingen wollen, was ein großer, aber leider schweigender Teil der Eltern gar nicht will? Die Eltern sind schliesslich verantwortlich für deren Erziehung, die Schule soll den Kindern Bildung vermitteln, aber keine Meinungsmache betreiben.....das gab es schon mehrmals in unserer Geschichte. Wollen wir da wieder hin? Ich glaube, eher nicht....

Nazi?: Muß man denn gleich ein Nazi sein, wenn man die Meinung vertritt, daß man Weihnachten auch als solches benennen soll und nicht in "politisch korrekte" Bezeichnung wie Werte Fest umbenennt. Das erinnert doch an sehr an die "Jahresendzeit Figuren" der ehemaligen DDR.

Artikel kommentieren

Melden Sie sich jetzt an!
Um Artikel kommentieren zu können, ist eine Registrierung erforderlich. Sie müssen dabei Ihren Namen sowie eine gültige E-Mail-Adresse (wird nicht veröffentlicht) angeben. Bei Abgabe Ihrer Kommentare wird Ihr Name angezeigt.