Nachrüstung nach Abgas-Skandal 86 500 Diesel von VW müssen in die Werkstatt

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Auch in der Region Stuttgart wird das ganze Ausmaß des VW-Abgas-Skandals immer greifbarer. In Stuttgart und den Kreisen um die Landeshauptstadt sind etwa 86 500 Fahrzeuge betroffen.

In der Region Stuttgart müssen 86500 Fahrzeuge der Marken VW, Audi, Skoda und Seat nachgerüstet werden. Foto: dpa
In der Region Stuttgart müssen 86500 Fahrzeuge der Marken VW, Audi, Skoda und Seat nachgerüstet werden.Foto: dpa

Auch in der Region Stuttgart wird das ganze Ausmaß des VW-Abgasskandals immer greifbarer. In Stuttgart und den Kreisen um die Landeshauptstadt sind nach Informationen der Stuttgarter Zeitung insgesamt etwa 86 500 Fahrzeuge davon betroffen. Sie müssen in den nächsten Monaten umgerüstet werden.

Betroffen sind alle Modelle der Konzernmarken VW, Audi, Skoda und Seat, die von dem Motorentyp EA 189 angetrieben werden. In Stuttgart sind etwa 19 000 solcher Fahrzeuge angemeldet, im Landkreis Böblingen circa 14 000, im Kreis Esslingen 17 000, im Kreis Göppingen 9000, im Kreis Ludwigsburg etwa 15 500, im Rems-Murr-Kreis sind es rund 12 000 Autos der genannten Marken. In ganz Baden-Württemberg sind etwa 350 000 Dieselfahrzeuge der VW-Konzernmarken zugelassen.

Hahn-Gruppe muss 33 000 Fahrzeuge umrüsten

Alleine die Hahn-Gruppe, die in der Metropolregion 31 Betriebe mit 1600 Beschäftigten hat, wird rund 33 000 Fahrzeuge ihrer Kunden umrüsten müssen, erklärte Sprecherin Nicole Hahn. Trotz dieser großen Zahl werde man die Arbeiten an den eigenen Standorten abwickeln können. In welchem Umfang man dafür zusätzliches Personal benötige oder Überstunden gemacht werden müssten, sei noch nicht zu sagen. Die Rückrufaktion soll Ende Januar starten, bis jetzt seien die betroffenen Kunden, die alle der Konzern selbst kontaktiert, noch nicht angeschrieben worden. Es sei aber gewährleistet, dass diese „zeitnah einen Termin bekommen“, so Nicole Hahn.

Bernhard Schäufele senior, der in Möhringen das Autohaus Lutz führt, weiß noch nicht, wie viele Fahrzeuge er in den nächsten Monaten in seinem VW-Service-Betrieb wird nachrüsten müssen. Klar sei aber bereits, dass einer seiner zehn Beschäftigten dafür abgestellt werden muss, und dieser werde seiner Aufgabe räumlich getrennt vom übrigen Betrieb nachkommen.

Nachrüstung dauert bis zu einer Stunde

Die Rückrufaktion werde in zwei Phasen ablaufen, sagt Schäufele. In den ersten beiden Quartalen werde man Fahrzeuge mit 1,2- und 2-Liter-Motoren umrüsten. Bei diesen sei lediglich ein Update der Software nötig. „Das dauert maximal eine halbe Stunde“, sagt der Seniorchef. Im dritten Quartal beginne die Nachrüstung der Modelle mit 1,6-Liter-Motor. Deren Hardware müsse durch einen Gleichrichter ergänzt und die Software ebenfalls einem Update unterzogen werden. „Das alles dauert etwa eine Stunde“, sagt Schäufele. Er geht davon aus, dass die Aktion bis zum Ende des Jahres abgeschlossen ist.

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Motorentyp EA 189, Teil 2: Wie die Öffentlichkeit am Kurzinterview von CEO Müller in Detroit sehen bzw. lesen kann, haben die Verantwortlichen bei VW im Umgang mit der Krise noch immer nichts dazu gelernt, sondern taktieren weiter mit angeblichen Missverständnissen zwischen VW und den US-Behörden. Bedingungslose Aufklärung sieht anders aus. Kommen dann noch die wahnwitzigen Strafzahlungen in den USA dazu, werden die deutschen Bürger über einen langen Zeitraum durch z.B. ausbleibende Steuerzahlungen durch VW belastet.

Motorentyp EA 189, Teil 1: Wie gut, dass wenigstens die VW-Werkstätten von VW informiert werden. Als Betroffene wurden wir bisher weder von VW noch vom Händler informiert, geschweige denn gab es eine Entschuldigung dafür, dass uns ein Auto verkauft wurde, dass in dem Punkt Abgasausstoss nicht dem entspricht, was von VW beworben wurde. Uns als deutschen Kunden wurde es überlassen eigenständig im Internet zu recherchieren, ob und in welcher Form unser Auto betroffen ist, während pararalell aus der Presse zu entnehmen war, dass beispielsweise in den USA die Betroffenen angeschrieben und mit Gutscheinen bedacht wurden. Und jetzt soll es in unserem Fall ein Software-Update und ein "Gleichrichter" (namentlich ein Kunststoffgitter) richten, während in den USA mit einem zusätzlichen Katalysator nachgebessert werden soll und selbst diese aufwändige Massnahme bisher von den US-Behörden noch keine Abnahme hat. Ob durch das jetzt zum Einsatz kommende Gitter und die neue Software tatsächlich die geltenden Abgaswerte erreicht und eingehalten werden und welche Auswirkungen die Massnahmen auf die Motorleistung und den Verbrauch haben, hierüber gibt es, zumindest nach unserem Wissensstand, keine neutralen Informationen. Aber wir sind verpflichtet, die Massnahmen durchführen zu lassen - das war den Presseberichten dann doch schon zu entnehmen. Das eine ist sicher, seinen Kunden durch eine Software eine Abgasqualität vorzugaukeln, die in der Realität nicht erreicht wird. Hiervon waren alle Kunden weltweit gleich betroffen. Aber den deutschen Kunden so deutlich vor Augen zu führen, mit welchen gravierenden Unterschieden VW zeigt, wie arrogant und nichtwertschätzend das Unternehmen mit den heimischen Kunden umgeht empfinden wir als Betroffene als besonderst dreist. Dass dies durch den deutschen Gesetzgeber ermöglicht und nicht unterbunden wird, zeigt die in Deutschland ganz offensichtliche Bindung der Politik an die Wirtschaft. Hier ist und bleibt der deutsche Kunde ungeschützt, da VW ganz offensichtlich nicht gewillt ist den Kunden mehr anzubieten und zu informieren, geschweige sich für den Betrug zu entschuldigen, als unbedingt (gesetzlich) notwendig ist.

Ist das alles?: Wie werden die Opfer dieses "mutmaßlichen Betruges" entschädigt? Sind deutsche Autofahrer Kunden zweiter Klasse, die im Unterschied zu den amerikanischen Kunden einfach mit einer Nachrüstung abgespeist werden? Was ist mit den Opfern, die durch die hohen Abgaswerte eventuell erkrankt sind (z.B. an Krebs)?

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