Nahverkehr Die neue S-Bahn ist noch ohne Fahrschein

Wolfgang Schulz-Braunschmidt, 24.11.2012 09:10 Uhr

Stuttgart - Wir gehen davon aus, dass die ersten der 87 neuen S-Bahnen ihren Liniendienst noch in diesem Jahr aufnehmen“, sagt Dorothee Lang, die Sprecherin des Verbands Region Stuttgart (VRS). Aber in dieser Aussage steckt viel Hoffnung. Denn den neuen S-Bahn-Zügen vom Typ ET 430, die spätestens am 1. Juli 2013 in der Region rollen sollen, fehlt immer noch die endgültige Freigabe durch das Eisenbahnbundesamt (Eba) in Bonn.

In diversen Internetforen ist zu lesen, dass es beim ET 430 angeblich Probleme mit den Bremsen gebe. Es bestehe die Gefahr, Signale zu überfahren. Seit kurzem ist ein mit Gewichten beladener ET 430 als Testzug nachts in der Region unterwegs. Ur­sprünglich sollten die ersten der neuen S-Bahnen schon im März im Bahnbetriebswerk Plochingen eintreffen, um Lokführer und Wartungspersonal frühzeitig zu schulen. Von Herbst an sollten die neuen Züge Fahrgäste auf den drei Linien S 1, S 2 und S 3 befördern.

Schon Strafen fällig

„Es gibt zeitliche Verzögerungen beim Zulassungsverfahren“, bestätigt Lang. Teile der Fahrzeugtechnik seien bereits vom Eba abgenommen worden, aber eben noch nicht alle. Der VRS rechne aber bis jetzt fest damit, dass dem Vertragspartner Bahn bis zum 1. Juli 2013, wenn der neue S-Bahn-Vertrag in Kraft trete, alle bestellten ­S-Bahnen zur Verfügung stehen.

Die „zeitliche Verzögerung“ ist aber schon so groß, dass laut VRS bereits Strafzahlungen der Bahn fällig geworden sind. „Damit können wir vier von uns zusätzlich bestellte ET 430 im Wert von 23 Millionen Euro teilweise bezahlen“, erklärt Lang. Auch wenn sich das Zulassungsverfahren noch länger hinziehen sollte, müsse die Bahn „einen einwandfreien S-Bahn-Betrieb sicherstellen“ .

„Es gibt gegenwärtig sehr intensive Gespräche zwischen dem Eba und dem ­S-Bahn-Hersteller Bombardier“, erklärt ein Bahnsprecher. Man erwarte, dass die bestellten Züge rechtzeitig geliefert werden. Mehr sei dazu zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht zu sagen. Die Bahn hat die 83 ET 430 im Wert von rund 450 Millionen Euro 2009 nach dem Abschluss des neuen S-Bahn-Vertrages im Frühsommer 2009 bei Bombardier bestellt. Der Vertrag sieht eine Option für weitere 83 Züge vor.