Nationalsozialistischer Untergrund Hatte der NSU Kontakte zu litauischen Verbrechern?

Von Andreas Förster 

Bei der Auswertung von DNA-Spuren stößt die Polizei auf bisher unbekannte Verbindungen des Terrortrios der NSU. Sie führen zu einer Einbrecherbande. Sind das mögliche Komplizen?

Selbstmord in Eisenach: in diesem Wohnwagen starben Mundlos und Böhnhardt. Foto: dpa
Selbstmord in Eisenach: in diesem Wohnwagen starben Mundlos und Böhnhardt.Foto: dpa

Berlin - In dem vor knapp zwei Jahren ausgebrannten Wohnmobil, in dem die Leichen der beiden mutmaßlichen NSU-Terroristen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt gefunden wurden, ist die DNA-Spur eines unbekannten Mannes festgestellt worden. Sie stimmt mit einem genetischen Fingerabdruck überein, den die Polizei auch bei drei anderen Verbrechen sichern konnte, die scheinbar nichts mit dem Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) zu tun haben. Aus den Ermittlungsakten zur Terrorgruppe NSU gehen darüber hinaus noch weitere Hinweise auf mögliche Komplizen des Trios hervor.

In einem Einbauschrank des Wohnmobils hatten die Beamten im November 2011 auch ein Paar Wollsocken sichergestellt, frisch gewaschen und zusammengerollt. An der Innenseite einer Socke isolierten die Experten eine genetische Mischspur zweier Personen. Ein Teil der Spur entsprach der DNA von Beate Zschäpe; die andere Teilspur wird einer unbekannten männlichen Person zugeordnet, da das Genprofil nicht mit dem der beiden Toten im Wohnmobil übereinstimmte.

Die Spur steht als „P 46“ in der DNA-Analysedatei

Die Polizei gab das Profil des „P 46“ genannten Unbekannten in die DNA-Analysedatei ein – und erzielte gleich drei Treffer in der Datenbank: So wurde die Spur von „P 46“ an Tatorten in Berlin, Hessen und Nordrhein-Westfalen gesichert. In Berlin ging es dabei um einen Fahrzeugdiebstahl im Juni 2002 im Neubaugebiet von Marzahn. Im nordrhein-westfälischen Rhein-Erft-Kreis hatte man 2005 eine Blutspur sichern können, die mit „P 46“ identisch war und die dem mutmaßlichen Mitglied einer Einbrecherbande zugeordnet wurde, der mehrere schwere Diebstähle zur Last gelegt werden. Im hessischen Lahn-Dill-Kreis schließlich fand die Polizei im gleichen Jahr eine Wollmütze mit Spuren von „P 46“ an einem Tatort, der zu einer seit 2002 anhaltenden Verbrechensserie von Wohnungseinbrüchen, Diebstahl mit Waffen und Bandendiebstahl gehörte.

Wer dieser mysteriöse Tatverdächtige ist, weiß die Polizei bis heute nicht. Allerdings gehen die Behörden davon aus, dass hinter den Straftaten in Hessen und Nordrhein-Westfalen eine litauische Tätergruppe steckt. Mitglieder dieser Bande konnten bisher jedoch nicht festgenommen werden. Zwar hat die inhaltliche Auswertung der Ermittlungsvorgänge, also der Abgleich etwa von Namen, Anschriften und Rufnummern, den Fahndern zufolge keine Übereinstimmungen zwischen den Einbruchstaten und dem NSU ergeben.

Wem gehörten die Handys, über die das Trio angerufen wurde?

Dennoch bleibt natürlich die Frage, wie die DNA des unbekannten Tatverdächtigen auf die Socke in dem Wohnmobil gelangen konnte. Zwar lässt sich nicht ausschließen, dass die rätselhafte Spurübereinstimmung auf eine Verunreinigung etwa der Wattestäbchen zurückzuführen ist, mit der die Spuren aufgenommen werden. Experten halten dies jedoch für relativ unwahrscheinlich.

Auf Kontakte zu weiteren, bislang unbekannten Komplizen weist auch die Auswertung des Kommunikationsverkehrs von Zschäpe, Mundlos und Böhnhardt hin. So fällt auf, dass auf einem der vom Trio bis zuletzt genutzten Handys zwischen Juni und November 2011 Kurznachrichten von sechs Telefonnummern eingingen, die durchweg unter einer Scheinidentität angemeldet waren. Bemerkenswert ist dabei zudem, dass diese SMS – deren Inhalt unbekannt ist – jeweils im letzten Drittel jedes Monats auf dem Handy des Trios eingingen und stets von einer anderen Nummer stammten. Weitere Anrufe oder SMS von diesen Nummern auf einen Telefonanschluss des Trios wurden nicht registriert.

Waren diese regelmäßigen Kurznachrichten vielleicht Aufforderungen zur konspirativen Kontaktaufnahme mit Vertrauenspersonen des Trios? Möglich ist es. Die Ermittler haben herausgefunden, dass die drei für vertrauliche Telefonate stets öffentliche Telefonzellen im Stadtgebiet von Zwickau benutzten.