Naturschutzgebiet in Stuttgart-Weilimdorf Pendler sollen nicht durch den Greutterwald fahren

Von Martin Braun 

Das Verbindungssträßchen zwischen Weilimdorf und Zuffenhausen ist für den Berufsverkehr freigegeben. Die Weilemer CDU möchte das ändern.

Der Verbindungsweg zwischen Weilimdorf und Zuffenhausen darf derzeit morgens und abends noch mit dem Auto befahren werden. Foto: Martin Braun
Der Verbindungsweg zwischen Weilimdorf und Zuffenhausen darf derzeit morgens und abends noch mit dem Auto befahren werden. Foto: Martin Braun

Weilimdorf - Pacta sunt servanda, sagt der Lateiner: Die Verträge sind einzuhalten. An diesem Prinzip möchte auch die Weilimdorfer CDU nicht rütteln. In einem Antrag, der am Mittwoch, 23. September, auf der Tagesordnung der Bezirksbeiratssitzung steht, stellt sie aber die Gültigkeit eines Vertrags in Frage, den die Stadt Stuttgart anno 1963 mit der SEL AG abgeschlossen hat. Darin wird der Firma gestattet einen Vicinalweg zu nutzen. Das Verbindungssträßchen führt durch den Greutterwald und verbindet die Weilimdorfer Grefstraße mit der Marconistraße in Zuffenhausen. Vom damals vereinbarten Widerrufsrecht könne die Stadt nur Gebrauch machen, „wenn dringende öffentliche Gründe vorliegen oder polizeibehördliche Anordnungen es erfordern“, heißt es in einer Stellungnahme der Stadt.

Der Berufsverkehr rollt durchs Naturschutzgebiet

Der Greutterwald ist nicht nur ein Naherholungsgebiet, sondern seit mehr als 30 Jahren auch ein Naturschutzgebiet. Geschützte Tierarten haben dort ihren Lebensraum, viele Fußgänger und Radfahrer sind dort unterwegs – und in den Morgen- und Abendstunden auch zahlreiche Autos: Von Montag bis Freitag darf der Weg morgens von Weilimdorf in Richtung Porsche-Gelände befahren werden und zum Feierabend in der Gegenrichtung.

Immer wieder sollte der Vicinalweg schon geschlossen werden, im März des vergangenen Jahres hatte dies der Weilimdorfer Bezirksbeirat zuletzt einstimmig gefordert. „Aufgrund einer vertraglichen Bindung“ nicht möglich, antwortete die Stadtverwaltung damals. „Die zeitlich befristete Befahrbarkeit des Vicinalwegs 3 muss nach der derzeitigen Sach- und Rechtslage aufrechterhalten bleiben.“ Diese Begründung leuchtet Marc W. Benzinger, Fraktionsvorsitzender der Weilimdorfer CDU, nicht so ganz ein: „Warum gibt es diese Rechte noch, obwohl das Grundstück verkauft wurde?“ Die neuen Eigner sind Porsche und VW sowie die Deltona Real Estate GmbH, ein hessisches Immobilienunternehmen.

Firmen halten am Durchfahrtsrecht fest

Nach Angaben der Stadtverwaltung ist der Vertragspartner des Tiefbauamts die Firma Alcatel Lucent, die aus der SEL AG hervorgegangen ist. Dort möchte man an dem Durchfahrtsrecht festhalten, sagt die Pressesprecherin Martina Grüger-Bühs: „Gerade in Hinblick auf den oft überlasteten Porsche-Kreisel und die hohe Belastung der Einmündung Lorenzstraße/Schwieberdinger Straße entspannt diese Zufahrtsmöglichkeit die An- und Abfahrt auf das Gelände.“ Auch Porsche weist darauf hin, dass die bestehende Nutzungsregelung weiter Bestand hat. „Das ist doch nicht mehr zeitgemäß“, sagt hingegen Marc W. Benzinger. Und auch das Stadtplanungsamt würde den Weg gerne sperren, sagt der stellvertretende Amtsleiter Stephan Oehler. „Porsche beruft sich aber auf diesen Vertrag.“

Da das Automobilunternehmen seinen Standort erweitere, werde der Verkehr durch das Naturschutzgebiet wohl noch zunehmen, befürchtet Peter Berg. Er wohnt an der Grefstraße und setzt sich dafür ein, dass der Vicinalweg gesperrt wird. Immer wieder würden dort Kröten und Frösche totgefahren, die eigentlich geschützt sind, sagt Berg: „Das sind keine Massen, aber in einem Naturschutzgebiet muss das schon gar nicht sein.“ Die Amphibien seien frühmorgens in ihrem Lebensraum unterwegs – dann, wenn auch die Autos über den Vicinalweg rollen.

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