Mit den Premieren von „Sherlock Holmes – Tod im Nebel“ und „Tischlein deck dich!“ startet das Team des Naturtheaters Renningen Ende Juli in die neue Spielzeit.

Renningen - Auch wenn die Termine für die Premieren auf den 24. und 25. Juli verschoben sind, so ist doch eines gewiss: In diesem Jahr wird es eine, wenn auch verkürzte, Spielsaison im Naturtheater Renningen geben. Das Abendstück „Sherlock Holmes – Tod im Nebel“ und das Theater für die Familie „Tischlein deck dich!“ sollten schon 2020 auf der Bühne am Längenbühl gezeigt werden. Doch dann entschloss man sich, die Saison aufgrund der Coronapandemie abzusagen. Jetzt werden die beiden Stücke auf der Freilichtbühne zu sehen sein – allerdings in veränderten Versionen. Und das ist nicht die einzige Änderung, die sich durch Corona ergeben hat.

 

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„Ich musste das Stück umschreiben, die jetzige Version ist komprimierter “, erzählt Jürgen von Bülow, der in dieser Spielsaison zum zweiten Mal als Regisseur beim Naturtheater tätig ist. „Ja, die kürzere Fassung ist wirklich besser geworden“, ist er sich sicher. So hatte er das Abendstück ursprünglich für 22 Personen geschrieben. In der neuen Version finden sich nur noch 14 Sprechrollen. „Ich habe den Schauspielern die Rollen auf den Leib geschrieben, denn ich wusste, für wen ich schrieb“, sagt von Bülow bei der Pressekonferenz. Dabei hatte er für seine Version keine Vorlage. „Ich habe alle Geschichten über Sherlock Holmes gelesen und dann eine eigene erfunden.“ Das Stück, das dabei herauskam, ist nach seinen Aussagen einerseits ein Krimi, dann habe es ein sozialkritisches Element und schließlich sei es auch eine Liebesgeschichte.

Die Proben für Sherlock Holmes sind in vollem Gange. Foto: Naturtheater Renningen

Im Naturtheater tappt der bekannte Detektiv Sherlock Holmes in die Falle einer skrupellosen Gegenspielerin. Möglich wird dies dadurch, dass einige reizvolle Tänzerinnen in einem Etablissement dem Meisterdetektiv die Sinne „vernebeln“. Mit den Tänzerinnen kommt die sozialkritische Komponente ins Spiel. „Einige von ihnen waren früher Dienstmädchen, die von ihrem Dienstherrn abgeschoben wurden und dann in Etablissements als Tänzerinnen arbeiteten, um nicht ins Armenhaus zu kommen,“ erklärt von Bülow.

Der Tanz hat im Abendstück also eine ganz besondere Bedeutung. Für die Choreografie ist Viola Marien verantwortlich. Sie sagt, dass es schon ganz gut klappen würde. Es sei von Vorteil gewesen, dass sie im vergangenen Jahr bereits vieles erarbeitet hätten. Das führte in diesem Jahr eher zu Fragen wie „Wie viel bleibt drin?“ Die Schauspielerinnen, die die Tänzerinnen spielen, und die Tänzerinnen, die schauspielern - das sei schon eine Herausforderung. Da beim Tanz die Abstandsregeln eingehalten werden müssen, musste Marien die Choreografie verändern. Aber selbst der große Bühnentanz mit neun Personen sei ganz gut umsetzbar. „Obwohl wir den Abstand einhalten, uns bewegen und die Positionen wechseln,“ sagt die Choreografin.

Alles auf Abstand

Nein, die Abstandsregeln schränkten die Arbeit nicht allzu sehr ein, betont sie. Zum Einstudieren der Tänze hat sie auch mit Videos gearbeitet. „Das Schwierigste dabei ist die Spiegelung“, erzählt Marien. Zudem hat es Zoom-Meetings zu den Tänzen gegeben. Da habe allerdings mehr erklärt werden müssen. Musik und Liedtexte für das Abendstück stammen übrigens wieder von Randy Lee Kay.

„Die Grundgeschichte habe ich so belassen, mit dem Vater, dem Schneidermeister, der sehr ungerecht gegenüber seinen Kindern ist und zugleich närrisch verliebt in seine Ziege, sagt Janne Wagler. Die Regisseurin des Theaters für die Familie hatte das Märchen der Brüder Grimm zwar ebenfalls neu geschrieben – aber zunächst unabhängig von Corona. Die Geschichte spielt bei ihr im Italien der 1950er Jahre. Das Stück sei wieder eine Geschichte vom Erwachsenwerden und des Sich-Befreiens. „Und das ist ja etwas, was ich gerne mache,“ gibt Wagler zu. Gerade durch das schwierige Verhältnis des Vaters zu seinen Kindern und die Tatsache, dass er sie aus dem Haus wirft, gebe es sehr dramatische Szenen. Erst später, sagt Wagler, sei ihr klargeworden, dass in der Corona-Zeit die häusliche Gewalt zugenommen haben soll und dass das Thema gerade eine große Relevanz habe.

Ein spannendes Stück für die ganze Familie

Aber auch das Familienstück ist durch Corona nicht mehr dasselbe wie im vergangenen Jahr. Janne Wagler hat Rollen dazu erfunden, so beispielsweise einen Wirt und eine Wirtin sowie einen Padre. Das Märchenhafte konnte sie verstärken, weil sie in der Coronazeit neue Mitspieler gewonnen hat. „Da gibt es jetzt die drei Waldgeister, die die Geschichte erzählen.“ Sie sorgen für das Märchenhafte in einer ansonsten sehr realistischen Geschichte, wie Wagler sagt.

Tänze fehlen natürlich auch im Familienstück nicht. Die Choreografie kommt von der Regisseurin. Die Tanz-Proben liefen hier ebenfalls lange Zeit virtuell ab. „Für mich war das neu. Aber es macht richtig Spaß. Ich habe viel vorgetanzt,“ berichtet Janne Wagler. In ihrem Stück setzt sie auf moderne Musik wie „Carbonara“, außerdem gibt es eine Tarantella. Ansonsten kommen Musik und Liedtexte für das Familienstück auch dieses Mal von Bastian Kilper.

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„Wir haben im vergangenen Jahr überlegt, wie wir mit der veränderten Situation umgehen können,“ erzählt Jürgen von Bülow bei der Pressekonferenz. Den Kontakt untereinander haben die Mitglieder des Naturtheaters auch in Pandemiezeiten immer gehalten – beispielsweise über Webex-Meetings. Erst jetzt ab Ende Mai gab es Präsenzproben. Allerdings haben sie mit ihren Produktionen in diesem Jahr nicht bei null angefangen. Im Januar und Februar 2020 hatte es noch Proben gegeben. Wagler sagt dazu: „Wir waren vergangenes Jahr bereits vor einem Durchlauf“.

Geprobt wird online

Dieses Jahr gab es dann Leseproben zunächst online. Die Schauspielerinnen und Schauspieler des Familienstücks hatten ab Januar jeden Sonntag Online-Proben, jeweils etwa drei Stunden. „Ich habe schon den Eindruck, dass das viel gebracht hat. Das war ohne Videofunktion. Wir wollten hören,“ ist von Janne Wagler zu erfahren. „Da haben wir viel an der Spracharbeit gewerkelt.“ Von Bülow meint allerdings: „Irgendwann ist es ausgereizt, was man online machen kann. Irgendwann muss man auf die Bühne.“

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Neuerungen gibt es auf Grund der Coronapandemie auch für die Zuschauer. Im Zuschauerraum sind immer vier Plätze und eine Reihe frei. Außerdem ist ein Hygienekonzept entwickelt worden – für die Kasse, den Getränkeausschank und die Toiletten. Zudem herrscht das Einbahnsystem. Zuschauer müssen die drei G-Regeln erfüllen und ihre Kontaktdaten hinterlassen. Das Personal checkt am Eingang und dann immer wieder, wie viel Menschen im Theater sind, wie viele hinein- und wie viele hinausgehen.

Info: „Sherlock Holmes – Tod im Nebel“ hat am Samstag, 24. Juli, um 20 Uhr Premiere, „Tischlein deck dich!“ am Sonntag, 25. Juli, um 15 Uhr. Aufgrund der aktuellen Situation ist ein Kartenverkauf nur mit vorheriger Reservierung bis spätestens zwei Tage vor der Veranstaltung möglich, unter Online-Reservierung I NTR (naturtheater-renningen.de/karten), per Mail an Karten@naturtheater-renningen.de oder unter der Telefonnummer 0 71 59 / 4 97 96 30. Die Karten gibt es dann an der Kasse im Naturtheater.