Neubau der Kunsthalle Mannheim Der Bürgerinitiative ein Dorn im Auge

Von Johanna Eberhardt 

Die Planung für Neubau der Kunsthalle geht termingemäß voran; auch Sammler zeigen ihr Interesse. Unterdessen wehrt sich eine Bürgerinitiative gegen den geplanten Quader und kämpft für den Erhalt des Mitzlaff-Baus.

So sieht der Entwurf der siegreichen Hamburger Architekten Gerkan, Marg und Partner (gmp) aus. Kritiker stören sich an dem Format des Neubaus und behaupten, die Mannheimer wollten keinen solchen „Klotz“. Foto: dpa
So sieht der Entwurf der siegreichen Hamburger Architekten Gerkan, Marg und Partner (gmp) aus. Kritiker stören sich an dem Format des Neubaus und behaupten, die Mannheimer wollten keinen solchen „Klotz“. Foto: dpa

Mannheim - Die Arbeiten für den Neubau der Kunsthalle in Mannheim gehen planmäßig voran. Daran konnten bisher auch die kritischen Einwürfe einer Initiative nichts ändern, die dem Projekt vor kurzem noch einmal den Kampf angesagt hat. „Wir verfolgen mit Sorge, dass es nach wie vor einen kleinen Kreis von Bürgern gibt, der fast schon Fundamentalopposition betreibt“, sagte der Vorsitzende des Stiftungsrats der Kunsthalle, Manfred Fuchs, bei der Vorstellung der nächsten Planschritte. Man habe sich intensiv um einen Dialog mit den Kritikern bemüht, leider sei man nicht weiter gekommen.

Auf der anderen Seite registriere die Stiftung, die als Bauherrin die Federführung für das knapp 70 Millionen Euro teure Projekt übernommen hat, vielerorts ein großes Interesse an dem neuen Museum. „Wir stellen fest, dass die Kunstwelt auf uns schaut und wissen will, was wir hier machen“. Bedeutende Sammler hätten bereits ihr Interesse signalisiert. Daraus könnten sich auf längeres Sicht attraktive Perspektiven für die Stadt ergeben, erklärte Fuchs.

Der Mannheimer Gemeinderat hatte 2012 beschlossen, anstelle des bisherigen Mitzlaff-Baus der Kunsthalle am Friedrichspatz einen Neubau zu errichten. Möglich machte dies eine 50 Millionen Euro-Spende der Stiftung des SAP-Mitgründers Hans-Werner Hector und seiner Frau Josephine; beide haben der Kunsthalle in den vergangenen Jahren wiederholt großzügig unter die Arme gegriffen. Im Herbst 2013 wurden die Verträge mit dem Hamburger Architektenbüro von Gerkan, Marg und Partner (gmp) unterzeichnet, das nach einem Wettbewerb den Zuschlag bekommen hat und weiter an den Plänen feilt.

Die Kritiker stoßen sich an der schlichten Quaderform des Entwurfs

Unabhängig davon möchte die Bürgerinitiative den bisherigen Mitzlaff-Bau erhalten und den Neubau in ein Quartier hinter der Kunsthalle verbannen. Ihre Kritik entzündet sich vor allem an der schlichten Quaderform des künftigen Gebäudes. Die Mehrheit der Bürger wolle keinen solchen „Klotz“, da ist sich die Gruppe sicher. Mitte Januar haben ihre Sprecher öffentlich angekündigt, man wolle „mit allen politischen und juristischen Mitteln“ gegen den Neubau vorgehen.

Der Stifter Hector hat sich daraufhin im „Mannheimer Morgen“ von den ­Vorstellungen der Initiative distanziert. Es habe sich anfangs bewusst aus der Standortfrage herausgehalten, sagte er. Doch nachdem der Gemeinderat eine klare und schlüssige Entscheidung getroffen habe, sehe er keinen Grund, davon abzuweichen. Der Neubau gehöre „ins Zentrum der Stadt“, nicht in einen Hinterhof, stellte er fest. Ziel sei es immer gewesen, der Stadt den Bau eines modernen, größeren Museums zu ermöglichen, mit dem sie im internationalen Wettbewerb mithalten könne. Dass sie gleich mehrere Gebäude unterhalte, wie es die Initiative wünsche, sei dagegen ­„völlig illusorisch“, sagte Hector. Für ein anderes als das bestehende Konzept stehe seine Stiftung „auf keinen Fall“ zur Verfügung. Entsprechend geht es nun Schritt für Schritt voran: Nachdem der Mitzlaff-Bau Ende November nach einer großen Skulpturenschau für die Öffentlichkeit für immer geschlossen wurde, ist fast parallel dazu der sanierte Altbau von Hermann Billing mit der Ausstellung „Dix/Beckmann: Mythos Welt“ wiedereröffnet worden.

Bis 2017 müssen die Kunstwerke zwischengelagert werden

Nun warten in dem Museum 1200 Gemälde und 940 plastische Werke auf den Umzug ins Depot. Die Kunsthallenchefin Ulrike Lorenz sucht gerade per Ausschreibung nach Speziallagern, in denen sie bis zum Ende der Bauzeit im Jahr 2017 untergebracht werden können. Mitte Mai soll alles geräumt und zum Abbruch frei sein. Im Frühjahr sollen auch die neuesten Fassadenentwürfe vorgestellt werden.