Neubaustrecke Die Neubaustrecke und die vergessene Inflation

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Nach der Kostenexplosion bei Stuttgart 21 wird nun auch die Trasse Wendlingen-Ulm durch einen vergessenen Inflationsausgleich teurer. Dadurch ist die Wirtschaftlichkeit in Frage gestellt. Obwohl der Bahn-Spitze die Zahlen seit Monaten bekannt sind, wurden sie bisher nicht veröffentlicht.

Mit den Bauarbeiten für die Neubaustrecke ist schon begonnen worden. Foto: Horst Rudel
Mit den Bauarbeiten für die Neubaustrecke ist schon begonnen worden.Foto: Horst Rudel

Berlin/Stuttgart - Nicht nur Stuttgart 21 wird teurer, sondern auch die Neubaustrecke (NBS) Wendlingen–Ulm. Die Trasse über die Schwäbische Alb wird nach Informationen der Stuttgarter Zeitung mittlerweile von der Deutschen Bahn (DB) auf fast 3,3 Milliarden Euro veranschlagt. Das sind 369 Millionen Euro mehr als bisher geplant. Die Finanzierung dieser Mehrkosten ist unklar. Dadurch könnte sich die für 2020 geplante Fertigstellung weiter verzögern und auch die Wirtschaftlichkeit des Bundesprojekts infrage stellen.

Obwohl der Bahn-Spitze die Zahlen seit Monaten bekannt sind, wurden sie bisher nicht veröffentlicht. Im Bericht über die Großprojekte des Konzerns (drittes Quartal 2012), der der StZ auszugsweise vorliegt, werden unter „Berichtsperiode 9/2012“ für die Neubaustrecke Kosten von 3,259 Milliarden Euro angegeben, 13 Prozent mehr als die verlautbarten 2,89 Milliarden Euro. Der Bahn-Sprecher Martin Walden teilte auf Anfrage aber mit: „Kostensteigerungen sind nicht bekannt. Nach dem Preisstand von 2009 betragen die Kosten 2,89 Milliarden Euro.“ Er weise „jegliche Spekulationen über Kostensteigerungen zurück“.

Inflationsrate wurde zuvor nicht berücksichtigt

Der Bau der ICE-Trasse wird vom Steuerzahler finanziert. Der Bund soll von 2016 an mit rund 1,8 Milliarden Euro den Löwenanteil bezahlen, die Bahn hat nur einen geringen Eigenanteil. Das Land beteiligt sich mit 950 Millionen Euro. Die alte Landesregierung erreichte damit einen um vier Jahre vorgezogenen Baubeginn. Diese Maßnahme ist heftig umstritten.

Als Grund für die Kostensteigerung wird im DB-Bericht die „Abbildung des ­Nominalwertes“ im Gesamtwertumfang genannt. Der Realwert bleibe unverändert. Der Konzern hat nun also die bisher un­berücksichtigt gebliebene Inflationsrate in den Preis ein­gerechnet. Bahnkritische Ex­perten werfen dem Konzern schon lange vor, auf diese Art Großprojekte schönzurechnen, um eine bessere Wirtschaftlichkeit und Finanzierbarkeit vorzuspiegeln.

Bahn profitiert als Bauherr auch von Kostensteigerungen

Zur Erinnerung: auch bei der Finan­zierung von S 21 mussten 2007 Bahn und Ex-Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) einräumen, die Inflation unberücksichtigt gelassen zu haben. Darauf hingewiesen hatten die Münchner Gutachter Vieregg & Rössler. Die Projektbefürworter begnügten sich danach allerdings mit einer Inflationsrate von 1,5 Prozent. Der Gesamtwertumfang von S 21 erhöhte sich damit damals um 265 Millionen Euro auf 3,086 Milliarden Euro.

Die ICE-Strecke wurde im Mai 2012 in Angriff genommen. Laut Quartalsbericht sind bis Herbst insgesamt 98 Millionen Euro ausgegeben worden, das sind drei Prozent der aktualisierten Projektsumme. Der Anteil der DB an den Gesamtausgaben beträgt ausweislich eines Dossiers der Bahn, über das die StZ im Mai berichtet hatte, lediglich 75 Millionen Euro. Als Bauherr darf der Konzern pauschal 18 Prozent der Gesamtkosten für seine Planung verlangen. Er profitiert so von Kostensteigerungen. Allein bei der ICE-Strecke setzt er statt 520 nun 587 Millionen Euro an.

132 Kommentare Kommentar schreiben

Wirtschaftlichkeit spielt keine Rolle? WARUM werden dann immer die Ticket Preise erhöht???: DÄMLICHER geht es nun wohl wirklich nicht mehr!!! Nach all den Lügen: 'Doppelte Leistungsfähigkeit - Geschenk für Stuttgart - Aufräge zu Fixkosten vergeben - Völlige Transparenz -' Kommt nun die Offensive der Leserbrief Produzenten mit den immer gleichen Textbausteinen: 'Wirtschaftlichkeit spielt doch keine Rolle---' WIE nennt sich noch mal die Geschäftsform der BAHN??? Richtig, dieser Laden firmiert als AG!! Zudem gehört diese AG dem deutschen Steuerzahler - da sollte man schon versuchen die Steuern NICHT für irgendwelche Lobby Freunde zu verpulvern. Aber was soll es: Die BAHN zahlt ja auch für all die begeisterten 'Leserbriefe'

Tübinger, 11:17 Uhr: Stellen Sie sich begriffsstutzig? Oder …?: Was soll das? „Da Wirtschaftlichkeit doch der heilige Gral zu sein scheint …“ Im Aufsichtsrat der Bahn macht man sich Sorgen um die Wirtschaftlichkeit von S 21. Haben Sie das noch nicht mitbekommen? Die Bahn, ein Wirtschaftsunternehmen, legt Wert auf Wirtschaftlichkeit. Ist Ihnen das neu? Also ist es nur konsequent, dass Sie an den Aufsichtsrat schreiben und ihm mitteilen: S 21 braucht nicht wirtschaftlich zu sein, denn der öffentliche Nahverkehr in Stuttgart ist es auch nicht. (Mit mir hat das nichts zu tun. Ich habe die Forderung nach Wirtschaftlichkeit nicht erfunden.)

Garibaldi, 00:42 Uhr, Sie schreiben an die Stadt Stuttgart?: Da Wirtschaftlichkeit doch der heilige Gral zu sein scheint, kämpfen Sie doch sicher mit der gleichen Vehemenz gegen den ÖPN in Stuttgart wie gegen S21, oder?

Tübinger, 15:17 Uhr: Sie schreiben an den Aufsichtsrat der Bahn?: „Der öffentliche Verkehr in Stuttgart ist unwirtschaftlich. Er muss daher sofort eingestellt werden, oder ohne die Subventionen, die von unseren Steuergeldern bezahlt werden, betrieben werden.“ Ich hoffe, Sie sind so konsequent und schreiben an den Aufsichtsrat der Bahn: Er soll doch ja S 21 weiter tragen und auch ferner bei Missmanagement der Bahn der Übernahme der Unkosten zustimmen, auch wenn das Projekt unwirtschaftlich wird.

Daniel Sissenich: Sehr geehrter Herr Sissenich oder Bruce Wayne oder wie auch immer Sie sich nennen: wie wäre es, wenn Sie sich vorher informieren würden, ehe Sie schreiben? =============Jedenfalls: die Bahn hat die Inflationskosten eingerechnet, der Bund – der für die NBS verantwortlich zeichnet und diese auch mehrheitlich bezahlt – tut dies nicht. Auf den Finanzierungsanteil des Landes hat dies keine Auswirkungen. Und die Bahn ist ohnehin nur mit wenigen Mio. Euro an der NBS beteiligt. ==================Wie Herr Ramsauer sagte, wird die NBS alle 5 Jahre, also planmässig 2015, überprüft. Es ist anzunehmen, dass dann der Inflationsausgleich vom Bund berücksichtigt wird.=============Seien Sie weiterhin ahnungslos und entspannt., ich freue mich für Sie.

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