Neubaustrecke Wendlingen-Ulm Kritische Töne beim Tunnelfest auf der Alb

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Der Steinbühltunnel ist ein halbes Jahr eher durchgeschlagen worden als geplant. In die allgemeine Feierstimmung mischt sich aber auch Kritik. Anlieger mahnen Entschädigungszahlungen an.

Der Bagger erledigt den Rest: Der Steinbühltunnel ist durchgeschlagen. Foto: dpa 8 Bilder
Der Bagger erledigt den Rest: Der Steinbühltunnel ist durchgeschlagen.Foto: dpa

Hohenstadt - Ein Etappenziel für die Bahn beim Bau der Schnellfahrstrecke nach Ulm ist erreicht: Am Freitagnachmittag sind die zwei 4,8 Kilometer langen Röhren des Steinbühltunnels im Kreis Göppingen symbolisch durchschlagen worden. Zur Feier waren auf Einladung des Projektvereins und dessen Vorsitzenden, Georg Brunnhuber, Wirtschaftsminister Nils Schmid (SPD), der Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Norbert Barthle (CDU) und Manfred Leger, Chef der DB-Projektgesellschaft Stuttgart-Ulm (PSU), auf die Alb gekommen.

Die Tunnelpatin Susanne Ramsauer, Gattin des ehemaligen Bundesverkehrsministers Peter Ramsauer (CSU), ließ sich derweil entschuldigen. An ihrer Statt nahm kurzerhand die örtliche CDU-Landtagsabgeordnete und verkehrspolitische Sprecherin ihrer Fraktion, Nicole Razavi, auf dem Schoß des Baggerfahrers Platz, der mit seinem Gerät die zuvor nochmals aufgebaute Wand durchschlug. Die Mineure hatten nach 27 Monaten Bauzeit bereits im Oktober Licht am Ende des viertlängsten Tunnels der Neubaustrecke gesehen.

Projektchef lobt Einstellung der Bevölkerung

Ehe die letzten Zentimeter Spritzbeton fielen, hatte Manfred Leger von der PSU die Arbeit der Tunnelbauer in den höchsten Tönen gelobt. Schließlich liegen sie rund sechs Monate vor dem ursprünglich veranschlagten Zeitplan. Der Durchstich ins Filstal erfolgte oberhalb der Autobahn-8-Fahrbahn in Richtung Ulm an einem Steilhang. Mag auch die Topografie anspruchsvoll sein, die Begleitumstände vor Ort sind ganz nach Legers Geschmack. „Hier sind wir nicht den Restriktionen des Bauens in einer Stadt unterworfen und die Bevölkerung vor Ort hat eine realistische Einstellung zum Projekt.“

Wie es um die Befindlichkeiten der Anrainer bestellt ist, erklärte Günter Riebort, Bürgermeister der Gemeinde Hohenstadt, den geladenen Gästen im Festzelt am Rande der A 8. „Bis heute hat die Gemeinde und haben die betroffenen Eigentümer noch keine Entschädigungszahlung bekommen. Liebe Bahn, so geht das nicht“, erklärte der Rathauschef. Zumindest für einen Landwirt sei die Lage gar existenzbedrohend. Die Bahn erklärte, sich mit just diesem Bauern am Freitag vor dem Regierungspräsidium (RP) geeinigt zu haben. Von der Behörde war keine Bestätigung mehr zu bekommen. Bei anderen auf Entschädigung Wartenden sieht die Bahn sich auf gutem Weg. „Wir sind in der Finalisierung der Verträge. Wenn diese unterzeichnet sind, werden wir die Entschädigungen zügig auszahlen“, sagte Peter Sturm, gleichfalls Geschäftsführer der PSU, auf Anfrage.

Anrainer befürchten weiteren Flächenverbrauch

Bürgermeister Riebort machte sich allerdings nicht nur Sorgen ums Geld. Das Vorhaben der Bahn, weitere Flächen zur Lagerung des Tunnelaushubs zu verwenden, könne Hohenstadt nicht hinnehmen. Die Tunnelbauer nahm Riebort ausdrücklich von seiner Kritik aus. Deren Leistung lobte er – wie alle anderen Redner auch. Und das Miteinander der 800 Hohenstadter und der gut 120 auf der Baustelle lebenden Arbeiter sei herzlich.

Finanzminister Nils Schmid empfand den Tunneldurchschlag als „psychologisch wichtigen Moment“. Die 950 Millionen Euro, die das Land beim Bau der Schnellfahrstrecke zuschießt, hält der Sozialdemokrat für „goldrichtig angelegt“. Eine Ansicht, in der sich der stellvertretende Ministerpräsident auch durch das Ergebnis der Volksabstimmung bestärkt sieht.

Bund mahnt weiteren Ausbau an

Lob für das Engagement des Landes kam auch von Norbert Barthle (CDU), Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium. Der Bund bezahlt zwei Milliarden Euro für die Strecke. Barthle warb dafür, sich nicht auf dem Erreichten auszuruhen. Stattdessen müsse alsbald geklärt werden, wie der Ausbau nach Augsburg zu stemmen sei. Schließlich sei diese Verbindung ein wichtiger Lückenschluss im deutschen und im europäischen Schienennetz.

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54 KommentareKommentar schreiben

Was Finanzminister Schmid (SPD) nicht zu wissen scheint: Die "Volksabstimmung" betrifft nur S21 (und war zudem ohne Relevanz, siehe oben). Wenn ein SPD-Politiker meint, die VA betreffe irgendwie die Neubaustrecke nach Ulm, so sollte man ihm helfen.

Herr Renz , sie scheinen hier gar nichts zu wissen .....: Was die NBS und S 21 anbetrifft ist das ,ein Zusammenhängendes Projekt , das zwar die Gegner immer anderst sehen wollenund das nur vermutlich weil sie mal an das Märchen K 21 oder Kombibahnhof geglaubt haben ! .... Das beide Projekte zusammenhängen ergibt sich schon aus der Definition die auch das Land als Projektparner so formuliert : Ich zitiere :: >>>>>Die NBS dient auch dem Land Baden-Württemberg, seine Aufgaben zu erfüllen – nämlich ein ausreichendes Verkehrsangebot im Schienenpersonenverkehr zu schaffen. Mit seiner Beteiligung an der NBS verbessert das Land Baden Württemberg auch seine Wirtschaftsstruktur. Durch seine finanzielle Beteiligung sichert das Land zudem eine gleichzeitige Fertigstellung von Stuttgart 21 und der Neubaustrecke Wendlingen–Ulm<<<<<<< Bitte beachten sie den Letzten Satz : """ Durch seine finanzielle Beteiligung sichert das Land zudem eine gleichzeitige Fertigstellung von Stuttgart 21 und der Neubaustrecke Wendlingen–Ulm"""" Was sie und ihre Mitstreier mit der NBS auch immer zusammenfabulieren interessiert niemanden, für die Projektpartner gehören beide Dings zusammen ! -- Somit kann man den Bogen der VA ,was die Abstimmung zum vorgelegten "AUSSTIEGSGESETZ" betrifft ,auch bis zur NBS spannen !

Nur eine Frage: Wurde in der VA-Fragestellung auf dem Stimmzettel EXPLIZIT ein Ausstieg des Landes aus dem Vertrag zur Mitfinanzierung der NBS Wendlingen –Ulm gefordert ? Ich sags Ihnen der Einfachheit halber : Es wurde NICHT. Es gibt nämlich zwischen NBS und S 21 nur ein propagandistisches Junktim, kein juristisches oder betriebliches. Das Bundesverkehrsministerium kann Sie da aufklären.

Auch nur eine Frage ?----: Kennen sie den Inhalt des Finanzierungsvertrages ? -- Ich denke Nein ! Zu ihrer Information was die NBS und S 21 in Sachen FINANZIERUNGSVERTRAG zu tun hat :::>>> Finanzierungsvertrag Stuttgart 21 Anlage 3.2 a ::::::: ... 1. Allgemeines ::: "Der Neubau/Ausbau der Strecke Stuttgarte -Wendlingen, einschließlich "Stuttgart 21" ist Bestandteil der TEN-Strecke Nr.17 Paris -Stuttgart -.Bratislava bzw. des BVWP-Projektes ABS/NBS Stuttgart -Ulm-Augsburg ................ Die Umgestaltung des Hauptbahnhofes Stuttgart zu einem Durchgangsbahnhof in Tieflage ........usw nachzulesen unter http://www.bahnprojekt-stuttgart-ulm.de/uploads/tx_smediamediathek/Finanzierungsvertrag_Anl_3_2a.pdf ........... Somit ist doch wohl klar, das die NBS Stuttgart–Wendlingen eine im Zuge des Projekts Stuttgart 21 geplante Eisenbahn-Neubaustrecke ist ,die auch im FINANZIERUNGSVERTRAG steht -------------- Bei der Volksabstimmung ging es um das Ausstiegsgesetzt das unter bestimmten Umständen die Prüfung und den Ausstieg des Landes aus dem Finanzierungsvertrag ermöglichen sollte ! Somit Herr Jakob, ist es eben kein "propagandistisches Junktim" zwischen der NBS und S 21 sondern ein klares juristisches. das war ja auch ein Problem der realisierung dieses Ausstieggesetzes wär es angenommen worden und hätte ROT -Grün den Vertrag gekündigt . Sehr lange Prozesse wärenb die folge gewesen ! ---- Somit hat die NBS sehr wohl was mit der Volksasbtimmung zu tun und Finanzminister Schmidt hat im Gegensatz zu ihnen und Herr Renz keinen Unsinn gesagt ! -- Fakt ist das ihr beiden leider keine Ahnung habt ,aber dafür hier ordentlich auf den Putz haut

Herr Anselm-Kruse, Ihnen kann geholfen werden: Es sind zwei getrennte Projekte. NBS Wendlingen-Ulm = Projekt des Bundes, S21 (Feuerbach bis Wendlingen) = eigenwirtschaftliches Projekt der DB AG. Das hat auch das Bundesverkehrsministerium mehrfach bestätigt. ______ Die Planung der Neubaustrecke gab es, bevor S21 erfunden wurde, und sie sollte nach Bahn-Planung an den Kopfbahnhof angeschlossen werden (und wird es laut Bundesverkehrsministerium auch tatsächlich, wenn S21 nicht umgesetzt wird). Bauträger und Projektpartner sind je nach Projekt andere. Es gibt SEPARATE Finanzierungsverträge mit SEPARATEN Kostenaufteilungen und Projektpartnern. Die Stadt und die Region sind NICHT beteiligt an der NBS. Die NBS ist NICHT Bestandteil des S21-Finanzierungsvertrags über 4,5 Mrd. Euro. ______ Dass der S21-Tunnelbahnhof Teil der Strecke Paris-Bratislava ist, versteht sich von selbst, da die Züge die Schienen im Bahnhöfle nutzen sollen. So what? ______ Die DB AG ist eben darauf angewiesen, die NBS in Sachen Akzeptanz und Reisezeitgewinn mit ins Boot von S21 zu holen. Daher hat die DB AG den Kunstbegriff "Bahnprojekt Stuttgart-Ulm" erfunden.

Auch an Sie die Frage: Wie an Herrn P.Peter im Thread " Stadt will strenge Überwachung " 12.11.15.Der sagt es selber ; "Finanzierungsvertrag zu S21 ". Ist in den 4,528 MRD € die NBS drin ??? Gibt es 1 oder 2 Finanzierungsverträge ? Haben ein und dieselben Vertragspartnerzu beiden Projekten unterschrieben ? Es gibt zwischen S 21 und der NBS nur ein propagandistisches Junktim, kein juristisches oder bahnbetriebliches. Fragen Sie doch im Bundesjustiz-und im Bundesverkehrsministerium nach. Herr Renz hat es Ihnen erfreulicherweise auch schon so erklärt. Die TEN ist eine politische Absichtserklärung mit open end.Als vergleichendes Beispiel sei der Zeithorizont bei der Rheintalstrecke Rotterdam-Genua erwähnt. Zum Verständnis des Begriffes " Junktim " befragen Sie am besten nochmal eine Tertiärquelle Ihrer Wahl.

Quorum...: man stelle sich mal kurz vor der Fetzer hätte Recht. Dann mache ich eine Volksabstimmung über ein Thema meiner Wahl, spare mir die ganze Werbung, denn am Ende müssen die die keine Änderung wollen ja wählen gehen ... absurd. ------------------------------------------------------------------------------------------------------------ Das Quorum schützt uns alle dass keine Minderheiten unser Leben bestimmen können. ----------------------------------------------------------------------------------------------------------- Zur VA die Gegner haben ja nicht mal eine einfache Mehrheit bekommen, ganz zu schweigen vom nötigen Quorum, außer in dem uns Schwaben so wenig gewogenen Baden. --------------------------------------------------------------------------------------------------------- Ich verstehe wer glaubt, dass der laute die Mehrheit ist, bekommt halt leider selten mit, wie langsam die Umgebung des Lauten überdrüssig wird...

Nils Schmid: >>>> Die 950 Millionen Euro, die das Land beim Bau der Schnellfahrstrecke zuschießt, hält der Sozialdemokrat für „goldrichtig angelegt“. Eine Ansicht, in der sich der stellvertretende Ministerpräsident auch durch das Ergebnis der Volksabstimmung bestärkt sieht. <<<< Ich würde den sehr wirtschaftsorientierten Nils Schmid nicht als Sozialdemokrat im eigentlichen Sinne bezeichnen. Ob der Landeszuschuss für die NBS überhaupt verfassungskonform ist, ist sehr umstritten und dass auch Schmid die gescheiterte Volksabstimmung (das erforderliche Quorum wurde von keiner der Parteien erreicht!) zur Rechtfertigung heranzieht, ist bezeichnend. Er meint wie die meisten Politiker, dass damit alles für alle Zeiten rechtfertigt wurde.

immer wieder kommt einer der nicht kapiert was das quorum bedeutet: und weist auf dieses quorum hin.

neigungsquorum: immer wieder kommt einer der nicht kapiert was das quorum bedeutet: und weist auf dieses quorum hin. und da muss sich eine Neigung expertin aufregen und erklären was neigungsquorum bedeutet

Hallo: Sie konnten doch bis vor nicht allzu langer Zeit noch perfekt Deutsch. Was ist passiert? Die finale Verwirrung der Bahnhofsgegner?

Herr Biberle ----: man sollte sich auf dieses Kindergartengetue des Herr yarkon yoramik gar nicht einlassen und darauf reagieren, soll er mit sich selber spielen ! .. Er gibt eine Paradebeispiel warum man die Gegner nicht mehr ernst nehmen muss !

Regio-Zughalt Merklingen: . . . . das wird so wie Vaihingen/Enz?

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